Am Anfang steht eine Idee, am Ende eine Inszenierung. Dazwischen liegen meist mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre. Bis ein Theaterstück auf die Bühne kommt, braucht es einige Zeit. Eigentlich. Dass es aber auch anders, vor allem schneller geht, wollen Nora Schüssler und Bastian Gierull beweisen. Die beiden Studenten organisieren ein sogenanntes "24-Stunden-Theater". In nur 24 Stunden sollen dabei mehrere Theaterstücke geschrieben, geprobt und aufgeführt werden. Was sich unmöglich anhört, ist in Amerika normal. Dort liegt der Ursprung dieser besonderen Spielart von Theater. Von simone bronnhuber
In diesem Sommer ergab sich für sechs Mitglieder des Augsburger Studententheaters "Panoptikum" - darunter Nora Schüssler und Bastian Gierull - die Möglichkeit, in die USA zu fliegen, um gemeinsam mit Studenten aus Pittsburgh Theater zu spielen. Dabei lernte die Augsburger Truppe auch das "24-Stunden-Theater" kennen - und lieben. Unter extremen Bedingungen entstanden gleich mehrere Stücke, die am Ende des Tages vor einem Publikum aufgeführt wurden. Bastian Gierull erzählt: "Wir wussten nicht, was uns erwartet. Uns war nur klar: Wir inszenieren am Schluss eines oder mehrere Theaterstücke, von dem wir aber 24 Stunden vorher noch keine Ahnung hatten."
In der Praxis sah das dann in Pittsburgh so aus: Man traf sich am Vorabend der Aufführung, entschied spontan, wer welche Rolle bei dem Projekt übernimmt - egal ob Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildner oder Schriftsteller - und machte sich Gedanken über mögliche Stücke, Besetzungen und Bühnenbilder. Über Nacht entstanden im Anschluss verschiedene kurze Texte, die am nächsten Tag geprobt und abends vor Publikum aufgeführt wurden. "Die Stücke dauern in der Regel zehn Minuten, und es wird auch noch einiges improvisiert. Ziel ist es nicht, perfekte Inszenierungen zu zeigen, sondern Spaß am Theater zu vermitteln", sagt Gierull.
Das Ganze sei so spannend gewesen, dass für die Studenten klar war: "Das machen wir auch in Augsburg." Schnell war mit dem Augsburger S'ensemble auch ein Theater gefunden, das dieses Projekt unterstützt und Räume wie Requisiten bereitstellt. Am 30. und 31. Januar startet nun das Pilotprojekt in Augsburg. Laut Gierull hat es etwas Ähnliches in Deutschland noch nicht gegeben. Der Name: "Nachtschicht im Theater - das 24-Stunden-Theater".
Der Ablauf sieht so aus: Am Samstagabend (30. Januar) um 18 Uhr treffen sich alle im S'ensemble Theater Augsburg. Alle - das heißt, dass jeder, der Lust hat, kommen kann. Egal ob erfahrener Schauspieler oder nicht (siehe extra Artikel). Die Schauspieler sprechen dann vor Regisseuren, Schriftstellern, Bühnenbildern und Technikern, die ebenfalls bunt zusammengewürfelt sind, vor. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Stücke noch nicht geschrieben.
Nach einem kurzen Casting haben die ernannten Schriftsteller die ganze Nacht Zeit, verschiedene, kurze Stücke zu schreiben. Maximal sieben sind geplant. Am Sonntag (31. Januar) überlegen sich Regisseure, Techniker und Bühnenbildner ein Konzept, Schauspieler üben den Text. Abends um 20 Uhr sollen die Türen dann für das Publikum geöffnet werden.
Für Bastian Gierull und Nora Schüssler ist es wichtig, dass sowohl erfahrene als auch unerfahrene Theaterliebhaber zusammenarbeiten. So lerne jeder von jedem. Außerdem helfen die beiden Studenten mit, wo es nur geht. Sei es mit kleinen Textvorgaben oder Ideen für mögliche Besetzungen.
Was sich nach wahnsinnig viel Stress anhört, bedeutet für Gierull Spannung pur: "Was am Ende rauskommt, weiß keiner. Aber es wird bestimmt total witzig und auch überraschend." Mit viel Koffein sei es auf jeden Fall zu schaffen. In Amerika sind die Aufführungen beim "24-Stunden-Theater" immer ausverkauft, das Publikum jedes Mal begeistert. "Wir schauen einfach mal, wie es hier in Augsburg ankommt. Falls gut, können wir uns vorstellen, das auch öfters zu organisieren", sagt Gierull. Für das Projekt kann man sich noch bis 15. Januar, 0 Uhr, anmelden.
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