Klinikum erprobt neues Konzept: Jeder Kranke bekommt einen festen Ansprechpartner, der den Aufenthalt plant
Herbert Müller (Name geändert) hat schon gemerkt, dass auf dieser Station etwas anders ist. Der 68-Jährige wurde vor zwei Nächten mit einem Schlaganfall in die Klinikums-Notaufnahme eingeliefert, nun liegt er auf der Akut-Station. Seither kümmert sich vor allem eine Schwester um ihn. „Ich muss mir nur ein Gesicht und einen Namen merken“, sagt der 68-Jährige.
Hier genügt das tatsächlich, denn in der sogenannten „Stroke Unit“, der Überwachungsstation für Schlaganfall-Patienten, läuft ein Pilotprojekt des Klinikums. Jedem Kranken wird ein Pfleger zugeordnet, der den gesamten Aufenthalt plant und koordiniert. Aus Sicht des Patienten bedeutet das: Er bekommt einen festen Ansprechpartner für seine Fragen. „Unsere Patienten sollen sich wahrgenommen und sicher fühlen“, sagt die Zent-rumsmanagerin Christa Muser, die das Konzept der Bezugspflege in der Neurologie im Klinikum betreut. „Früher dachten wir eher von Schicht zu Schicht“, erklärt Muser. Wenn dann einmal etwas schief lief, war nicht immer klar, wo denn der Fehler lag.
Künftig ist eine Pflegekraft allein verantwortlich für die Versorgung des Patienten – von der Aufnahme bis zur Entlassung. Konkret heißt das: Der „Primärpfleger“ plant die Termine mit dem Ergotherapeuten und dem Krankengymnasten, bespricht sich mit dem Sozialdienst und läuft täglich bei der Arztvisite mit. So soll der gesamte Aufenthalt aus einer Hand geplant, koordiniert und durchgeführt werden. Alle Beteiligten vom Angehörigen bis zum Arzt können sich mit der einen zuständigen Pflegekraft abstimmen.
In großen Stationen schwer organisierbar
Was sich in der Theorie gut anhört, erfordert in der Praxis Umdenken in vielen Arbeitsabläufen. Damit das Konzept überhaupt funktionieren kann, müssen die Primärpfleger auch vier, fünf Tage am Stück Dienst haben. Nur so können sie den Patienten wirklich begleiten. Das klappt in einer kleinen Station wie der „Stroke Unit“ mit 14 Betten noch recht gut. Hier betreut im Schnitt jeder Pfleger drei bis vier Patienten. Bei mehr als zwei freien Tagen springt eine Vertretung ein, die sich an die Vorgaben des Bezugspflegers hält. Wenn jemand in der Nacht aufgenommen wird, steht am Morgen fest, wer ihn in seine Obhut nimmt.
In größeren Stationen ist das nur schwer zu organisieren. Zentrumsmanagerin Muser ist dennoch froh, dass der Ansatz auf einer Erwachsenenstation so gut funktioniert. In der Kinderklinik sei das Konzept bereits seit zwei Jahren erfolgreich umgesetzt.
Das Konzept der Bezugspflege stammt ursprünglich aus den USA und kommt dort auch in Altenheimen zum Einsatz. In Deutschland bekannter ist das System der Bezugserzieher in Kinder- und Jugendheimen.
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