Kann es gut gehen, wenn ein Wiener Mädel einem chinesischen Prinzen in dessen Heimat folgt? In Operetten normalerweise schon. Doch Franz Léhars "Das Land des Lächelns", 1929 in Berlin als Überarbeitung des Werks "Die gelbe Jacke" uraufgeführt, macht da eine Ausnahme. Zehnmal wird das Stück heuer auf der Freilichtbühne aufgeführt - so das Wetter mitspielt. Es dirigiert Kevin John Edusei, die Bühne entwarf Frank Philipp Schlößmann, die Kostüme Katharina Weißenborn. Der Regisseur aber der Produktion (Premiere am Samstag um 20.30 Uhr) ist Axel Köhler, der berühmte Countertenor aus Halle. Wir sprachen mit ihm. Von Rüdiger Heinze
Man kann vorerst noch behaupten, dass Sie als Countertenor bekannter sind, denn als Regisseur. Soll sich das künftig ändern? Streben Sie eine neue künstlerische Gewichtung in Ihrer beruflichen Laufbahn an?
Köhler: Das ist sicherlich im Hinblick auf mein zunehmendes Alter so gemeint. Im kommenden Jahr werde ich 50, und in den folgenden 15 Jahren möchte ich dann den Schwerpunkt auf die Regie legen. Meine nächsten Inszenierungen werden sein: "Die Zauberflöte" in Innsbruck, "Gräfin Mariza" in Dresden und "Die Blume von Hawaii" in Halle.
Sie begannen als Spielbariton, traten dann als Countertenor auf und bezeichnen sich nun als Altus. Können Sie uns Ihre Stimmlage genau erklären?
Köhler: Countertenor ist ja der Überbegriff für alle falsettierenden Männerstimmen, und der Altus ist dabei die tiefere Stimmlage. Ich bin nach wie vor Bariton; das Falsett war bei mir eine stimmphysiologische Begabung, eine schönere Stimme eben, die erfolgsversprechender war als der Bariton.
Ist das "Land des Lächelns" eine gute Operette, was meinen Sie?
Köhler: Sie ist auf jeden Fall die erste Operette, die ich inszeniere - und ich habe das Glück, ein gutes Stück angeboten bekommen zu haben. Die meisten Operetten aus dem 20. Jahrhundert sind so sehr dem Geist ihrer Entstehungszeit verhaftet, dass man schwer einen Bezug zum heutigen Publikum herstellen kann. Das "Land des Lächelns" aber ist in seiner Problematik auch heute noch so brisant, dass man es nicht platt aktualisieren muss. Es bietet einen echten Konflikt zwischen zwei Kulturen sowie zwischen Mann und Frau und ist zudem in Musik und Libretto so gebaut, dass es viel Lukullisches bietet. Eine richtige Show.
Bedenkt man die Moral von der Geschicht', dann sollten von interkulturellen Ehen wie die zwischen dem chinesischen Prinzen und dem Wiener Girl Lisa tunlichst die Hände gelassen werden. Sind Sie dieser Auffassung?
Köhler: Nein, das wäre zu schwarz-weiß gemalt. Ich bin aber der Auffassung, dass die Utopie, sorglos multikulti zu leben, auch nicht funktioniert. Es ist eine Illusion, dass ein Europäer oder eine Europäerin in eine andere Kultur geht und diese Kultur missionieren kann.
Beim Lesen des Librettos fällt auf, dass manche Szenenangaben das gesungene bzw. gesprochene Wort deutlich an Umfang übertreffen. Ist das "Land des Lächelns" vor allem eine Ausstattungsoperette?
Köhler: Unabhängig, was da steht: Es ist amüsant zu lesen. Man findet bei Operetten überhaupt mehr Szenenangaben als üblich, daran muss man sich jedoch nicht halten. Dies kann man vergessen. Selbstverständlich bleibt, dass Open-Air-Theater etwas für die Augen ist. Diesbezüglich zauberten die Augsburger angesichts ihres geringen Etats.
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