Christin Zenker arbeitet schon seit eineinhalb Jahren an ihrem ersten Buch. Es soll ein Liebesroman werden, der in Augsburg und Paris spielt. Doch immer wieder ist sie auf Probleme mit der Handlung und den Figuren gestoßen. Die hofft sie nun, im Drehbuch-Workshop an der Uni Augsburg zu lösen.
Zusätzlich zum normalen Stundenplan lernt sie hier mit neun weiteren Studenten bei Medienprofi Gerd Wilser, wie sie ihre Idee so umsetzen kann, dass am Ende des Semesters ein fertiges Grundgerüst für ihren Roman steht. Wilser war unter anderem schon für ARD und SAT.1 tätig. Er arbeitet als freier Drehbuchautor und Fernsehdramaturg.
Das Konzept des Workshops, den Gerd Wilser ehrenamtlich anbietet, sieht so aus: gemeinsame Theoriesitzungen, anschauliche Filmbeispiele und Arbeit in Kleingruppen. Hier ist Zeit, genauer auf das Projekt des Einzelnen einzugehen, sei es ein Film, ein Roman oder eine Kurzgeschichte. Für Teilnehmer Paul Roselli, der gerade an einem Drama arbeitet, ist Schreiben eine große Leidenschaft. Und für Markus Kohle, der an einer Geschichte im Stil von Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" arbeitet, ist vor allem die lange Berufserfahrung des Kursleiters entscheidend.
Gerd Wilser sieht sich als "Coach", der eine Mannschaft trainiert. "Ich will die individuellen Positionen stärken und den Autor auf den Grund seiner Absichten führen. Wenn klar ist, was gesagt werden soll, ist auch die Sprache klar."
Seine Motivation, Schreibkurse anzubieten, geht aber noch tiefer. Wilser nennt als Beispiele die Studentenproteste, aber auch die Gespräche zu Stuttgart 21. "Bevor man Vermittler braucht, muss etwas getan werden, damit sich die Leute selbst ausdrücken können", sagt er. Seine Erfahrung: "Sprachkompetenz" schärft auch die Wahrnehmung. Sie hilft die Gesetzmäßigkeiten und Dynamik der Realität zu begreifen, auch wenn man sie an erfundenen Geschichten geschärft hat.
Den Studenten ist der Drehbuch-Workshop nicht nur für die Arbeit am eigenen Projekt nützlich. Christin Zenker findet, dass kreative Angebote ein "unheimlich wichtiger und unentbehrlicher Teil der wissenschaftlichen Ausbildung sind". Diese Erfahrungen seien auch für den späteren Weg außerhalb der Universität wichtig. So manche Ratlosigkeit am Ende des Studiums könne damit genommen werden, glaubt sie.
Das sieht auch Friedman Harzer, Dozent am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Initiator des Literaturportals ZeitRaum so. Für Harzer ermöglicht die intensive Beschäftigung mit Literatur nicht nur Selbsterfahrung, sondern auch ein anderes Verständnis für Literatur. "Dass kreatives und wissenschaftliches Schreiben sich gegenseitig befruchten können, zeigen Beispiele wie David Lodge oder Umberto Eco, um nur zwei zu nennen".
Gerne möchte Harzer die krea- tiven Angebote ausweiten und die Studierenden noch stärker einbinden, um passgenaue Angebote zu erstellen. "Das funktioniert aber nur, wenn das Präsidium der Universität Augsburg, das den ZeitRaum bisher großzügig unterstützt hat, das auch in Zukunft tut", sagt er.
Vom kreativen Potenzial der Studierenden sind Harzer und Wilser überzeugt. Deshalb soll es auch im kommenden Semester einen Drehbuch-Workshop geben. Er wird nicht nur für Studierende, sondern für alle Interessierten offen sein. Ob für weitere Angebote Geld bewilligt wird, ist noch offen.
Infos Mehr zum "Drehbuchworkshop" gibt es bei Gerd Wilser unter: plot-bites@web.de
Das Literaturportal "ZeitRaum" findet sich im Internet unter: http://zeitraum.phil.uni-augsburg.de/
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