Der Angriff von Elefantenkuh Sabi auf einen Tierpfleger hat Folgen: Gestern wurde Strafanzeige gegen die Zooleitung wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung gestellt. Der Nürtinger Zookritiker Frank Albrecht hat die rechtlichen Schritte eingeleitet. Er sieht in der Elefantenhaltung, die in Augsburg praktiziert wird, ein erhebliches Risiko fürs Personal. Im Zoo weist man solche Vorwürfe zurück. Wegen der schweren Verletzungen des Pflegers wird die Situation aber als ernst eingestuft. Nach Informationen unserer Zeitung wird Zoochefin Barbara Jantschke vorzeitig aus dem Urlaub zurückkehren.
Die afrikanische Elefantenkuh Sabi hatte am Donnerstag einen 43-jährigen Pfleger beim morgendlichen Ausmisten mit Stoßzähnen attackiert und gegen die Wand im Elefantenhaus gedrückt (wir berichteten). Dabei erlitt der Mann eine Wunde am Hals und schwere innere Verletzungen. Er ist aber nicht mehr in Lebensgefahr. Derzeit wird er im Klinikum behandelt. Wann er das Krankenhaus wieder verlassen darf, sei noch nicht bekannt, sagt Gregor Weimer, kaufmännischer Leiter im Zoo.
Elefantenhaus bleibt am Wochenende geschlossen
„Unsere Tierpfleger sind sehr betroffen, teilweise geschockt“, beschreibt er die Stimmung beim Personal. An diesem Wochenende soll das Elefantenhaus für Besucher geschlossen bleiben, um Unruhe zu vermeiden. Für Zoobesucher gebe es aber keinerlei Gefahren, hieß es. Wie es zu dem Angriff auf den Tierpfleger kam, ist weiterhin unklar. „Sabi verhält sich wie immer“, sagt Weimer. Auch sonst habe es mit der Elefantenkuh, die seit 24 Jahren im Zoo ist, noch nie Probleme gegeben. Deshalb darf sie momentan weiter in der Herde mit insgesamt vier weiblichen Elefanten bleiben. Vorsichtshalber werden die Dickhäuter nun aber von mindestens zwei Pflegern gleichzeitig betreut.
Zookritiker Albrecht sieht unterdessen erhebliche Gefahren durch die Art der Elefantenhaltung in Augsburg. Die Pfleger haben direkten Kontakt mit den Großtieren, ohne von Gittern geschützt zu werden.
Schon früher Unfall mit Zambi
„Der direkte Kontakt bringt ein erhebliches Risiko für Leben und Gesundheit der Wärter mit sich“, sagt Albrecht, der sich früher bei den Tierschutz-Aktivisten der Peta engagierte und nun nach eigenen Angaben Tierschutzvereine in Österreich berät. Albrecht zufolge hätte die Zooleitung schon viel früher auf einen mit Gittern „geschützten Kontakt“ der Pfleger umstellen müssen. Schon 1994 habe es einen Angriff auf einen Wärter gegeben, der verletzt wurde, damals durch die Elefantenkuh Zambi.
Zoo-Kurator Wilhelm Möller weist solche Vorwürfe zurück. Zambi sei schon vor langem weggegeben worden. Und die anderen Elefanten seien den direkten Kontakt mit den gut ausgebildeten Tierpflegern seit jeher gewöhnt. Sabi galt bisher immer als absolut zuverlässiger Elefant. „Sie war die einzige, mit der man durch den Zoo reiten konnte“, erinnert Möller.
Vor rund zwei Jahren wurden diese Ausritte jedoch eingestellt. Er betont weiter, dass die Elefanten von ihren Betreuern in keiner Weise unter Druck gesetzt werden. Die Pfleger selbst seien mit der aktuellen Lösung zufrieden. Möller: „Für einen geschützten Kontakt hinter Gittern müsste das Elefantenhaus komplett umgebaut werden.“
Der Verband Deutscher Zoodirektoren gibt keine Empfehlungen für die Elefantenhaltung. Laut Geschäftsführer Peter Dollinger werden in der Praxis Elefantenbullen in der Regel hinter Gittern geschützt betreut. Bei Elefantenkühen – wie in Augsburg – sei der Kontakt alternativ auch ohne Gitter möglich.