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04. Mai 2009 21:40 Uhr

Emanzipierte Türkin und tanzender Mongole

Sie wirkt fast zart, doch man sollte sich mit Semra Turan nicht anlegen. Die hübsche junge Türkin aus Kopenhagen, die via Flugzeug für ein paar Tage mit ihrer Schwester Leyla nach Augsburg zum Kinderfilmfest gekommen ist, hat mit 15 Jahren den Schwarzen Gürtel gemacht. Inzwischen ist sie 23 Jahre alt, studiert Pharmazie an der Uni und hat mit der Titelfigur aus "Fightgirl Ayse" nichts gemeinsam. Die muss sich im Film ihren Kung-Fu-Unterricht schwer gegen die konservative Familie erkämpfen, sich gegen Bruder und Eltern stellen. Von Lilo Murr

Ganz anders sieht das reale Leben von Semra aus. Sie besucht gerne Cafés ihrer Heimatstadt, geht joggen, nimmt Boxunterricht und war Mitglied im Nationalteam für Karate. Dort fiel sie Regisseurin Natasha Arthy auf. Als diese sie bat, die Hauptrolle im Film zu übernehmen, musste Semra nicht lange überlegen.

Denn im Gegensatz zu Ayshe wurde sie von ihrer Familie immer unterstützt. "Ich durfte alles ausprobieren." Seit zwei Jahren ist der Film fertig, seitdem haben Hauptdarstellerin und Regisseurin fast alle großen Filmfestivals auf der Welt besucht.

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Immer mit seinem Dolmetscher unterwegs

Das würde auch Bazarbai Matyei gut gefallen. Der 17-jährige Mongole, der im Film "Die Stimme des Adlers" die Hauptrolle spielt und darin seine eigene Geschichte erzählt, war bisher nur in Deutschland unterwegs, im Februar auf der Berlinale und jetzt in Augsburg. Auch er ist nicht allein gekommen. Jygenya Boikow fungiert als Dolmetscher, denn Bazarbai spricht nur Kasachisch. Doch auch ohne Worte hat er sich sofort zum Publikumsliebling beim Kinderfilmfest gemausert.

Zu einen natürlich durch die rührende Geschichte von der engen Beziehung zwischen einem Buben und einem Adler, zum anderen aber auch dadurch, dass Bazarbai seine Entertainerqualitäten vor Publikum voll zur Geltung bringt. Mal singt er ein kasachisches Lied, mal führt er einen Adlertanz auf.

Seit sieben Tagen wohnt er im Hotel in Augsburg und "hat noch kein bisschen Heimweh". Weder die Eltern noch seine zehn Geschwister vermisst er bisher. Nicht mal seinen Adler, um den sich sein Vater kümmert. Er genießt das "exotische Ambiente" mit den Häusern, Bäumen und vielen Kirchen. Über 8000 Kilometer hat er mit Bus, Zug und Flugzeug zurückgelegt, um hierher zu kommen, am Wochenende geht es zurück ins Sommerlager der Matyeis.

Dort gibt es viel zu tun. Pferde, Kamele, Schafe, Ziegen und Kühe gehören zur Familie und natürlich der Adler, mit dem Bazarbai wieder auf Jagd gehen wird. Und sicher wird er oft an Augsburg denken, an die Menschen und vor allem an die spannenden Fußballspiele, bei denen er, so oft es seine Zeit irgendwie zuließ, im Fernsehen mit seinem Dolmetscher mitgefiebert hat.

»Kultur Seite 10

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