Dienstag, 12. Dezember 2017

17. Oktober 2016 00:46 Uhr

Jazzclub

Er trommelt, als sei der Teufel hinter ihm her

Günter „Baby“ Sommer ist eine Ikone des Free Jazz. In der DDR schuf sich der Schlagzeuger eine Nische Von Eric Zwang-Eriksson

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Günter „Baby“ Sommer kamm zusammen mit dem Patrick Bebelaar Quartett für ein Konzert im Augsburger Jazzclub.
Foto: Zwang-Eriksson

73 Jahre ist er alt und er trommelt immer noch, als sei der Teufel hinter ihm her. Sein Name ist Günter „Baby“ Sommer, seine Profession Free-Jazz-Drummer. Dass er auch im fortgeschrittenen Alter noch nichts von seiner Energie verloren hat, zeigte Sommer eindrücklich im Konzert mit dem Pianisten Patrick Bebelaar und dessen Quartett.

1943 in Dresden geboren, gehört Günter „Baby“ Sommer zu den (ost-) deutschen Free-Jazz-Musikern der ersten Stunde. Obgleich unter den harten Bedingungen der realsozialistischen Diktatur agierend, war es Günter „Baby“ Sommer schon früh erlaubt, Konzerte in „kapitalistischen“ Staaten zu geben. Der DDR-Staat hatte diese „schrille“ Musik, die ohne Texte auskommt, nicht nur geduldet, sondern sogar zum Teil gefördert. So hatte „Baby“ Sommer 1979 bereits mit seinem Trio Kowald-Smith-Sommer Konzerte in ganz Europa und Japan geben können. 1985 war er, der Vertreter jener Musikrichtung, derer oberstes Credo die Freiheit ist, Kunstpreisträger der nicht unbedingt freiheitsliebenden DDR geworden.

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Die Liste der Musiker, mit denen Günter „Baby“ Sommer seither zusammen arbeitete und nach wie vor arbeitet, liest sich wie ein Who’s who der Improvisationskünstler: Peter Brötzmann, Ulrich Gumpert, Alexander von Schlippenbach, Paul Lovans, Ernst Ludwig Petrovsky, Cecil Taylor, Anthony Braxton oder Evan Parker, um nur einige zu nennen. Nun war es also der aus Trier stammende Pianist Patrick Bebelaar, dem Günter „Baby“ Sommer seine unverkennbare trommelnde Stimme verlieh. Eine Stimme, die sich harmonisch in das musikalische Gefüge des Bandleaders einfügte.

Zwei Generationen einte der 45-jährige Patrick Bebelaar in seinem neuen Quartett. Mit dem 77 Lenze zählenden Trompeter Herbert Joos hatte Bebelaar ein weiteres Urgestein der deutschen Jazz-Geschichte im Boot. Auch er nach wie vor ein Meister seines Instrumentes, ein Meister der rauchigen Töne. Der 48 Jahre alte, virtuos aufspielende Saxofonist Frank Kroll wiederum entsprach Bebelaars Generation. Doch was spielt das Alter für eine Rolle, wenn die musikalische Kommunikation funktioniert.

In diesem Quartett stimmte die Chemie nicht nur, sie war perfekt in ihrer Imperfektion, empathisch in der Qualität der non-verbalen Kommunikation. Ein ruppiger Kosmos, der die Grenzen zwischen Melodie und Free, zwischen Komposition und Improvisation lustvoll auflöste. Eine außergewöhnliche Hörerfahrung, die Freude bereitete.

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