Montag, 18. Dezember 2017

06. Oktober 2017 10:05 Uhr

Augsburg

Erst die Arbeit, dann der Apfelsaft

Vereine halten mit dem Obstpressen in den Stadtteilen eine schöne Tradition aufrecht. Gearbeitet wird an modernen und älteren Anlagen. Was mit den Apfelresten passiert.

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Um ein Glas Apfelsaft zu trinken, muss niemand mehr auf einen Baum klettern. Der Einzelhandel bietet ein breites Sortiment an Säften unterschiedlicher Qualität an. Doch wer einmal Saft von selbstgepressten Äpfel genossen hat, weiß, dass sich die Anstrengung des Pflückens lohnt. Aus diesem Grund bieten jeden Herbst Vereine und Siedlergemeinschaften den Bürgern die Möglichkeit, ihre Ernte vorbeizubringen und pressen zu lassen. Einer davon ist der Obst- und Gartenbauverein Haunstetten, der beim Naturfreibad über eine moderne Pressanlage verfügt.

Äpfel werden zunächst gewaschen

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Dieser Lärm – und dieser Duft. Es sind vor allem die beiden Sinneswahrnehmungen, die in dem gefliesten Raum in der Postillionstraße dominieren. Zentnerweise Äpfel in Körben und Tüten liegen zur Verarbeitung bereit. Peter Stadler, der an der Entsafteranlage steht, schützt sich vor dem lauten Geratter der Maschine mit Ohrstöpseln. Fast wie am Fließband kippen er und sein Kollege Peter Ullmann den Inhalt der Körbe zunächst in die Waschanlage. In der Mahlanlage werden die Früchte anschließend zerkleinert. Geraspelt und gemahlen fällt das Obst in den Dosierkasten der Presse. Dort wird die Maische zwischen acht Walzen und einem Endlosgewebeband ausgepresst. Der rohe Saft, der gerade in die Auffangwanne fließt, ist braungelb. „Je süßer die Äpfel sind, desto dunkler wird der Saft“, klären die Experten auf.

Noch bis Mitte Oktober stehen die Helfer am frühen Montagmorgen an der Presse. Die Mitglieder, aber auch andere Bürger haben in diesem Jahr aufgrund der witterungsbedingt mageren Ernte wesentlich weniger Früchte zum Obst- und Gartenbauverein gebracht als in den Vorjahren. In guten Jahren kämen 20 Tonnen zusammen, dieses Mal würden es vielleicht vier Tonnen, schätzt Manfred Lindenmeyer.

Hirsche freuen sich

Sein Part kommt am Nachmittag. Lindenmeyer steuert die Pasteurisieranlage, die sich der Verein vor vier Jahren für 23000 Euro geleistet hat. Hier wird der Saft zunächst gefiltert und dann auf 80 Grad erhitzt, um ihn haltbar zu machen. Zum Schluss füllt der Fachmann die Flüssigkeit in spezielle Tüten (Blasen), die in einen Karton gepackt werden. „Ungeöffnet ist der Saft darin zwei bis drei Jahre und nach Anbruch bis zu drei Monate haltbar“, sagt Lindenmeyer. Jeweils dienstags können dann die Kunden „ihren“ Saft abholen. Übrigens: Auch die Apfelbestandteile, die vom Pressen übrig bleiben, werden noch verzehrt – von den Hirschen im Stadtwald.

So modern wie in Haunstetten ist die Obstpresse der Siedlergemeinschaft Bärenkeller Süd-Mitte nicht. Sie wird mit einem Hydraulikgetriebe in Gang gesetzt. Den Saft haltbar machen müssen die Kunden daheim in Eigenregie. Das Nachrüsten käme viel zu teuer, sagt Robert Dettenrieder, der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft. Auch wenn sich die Nachfrage heuer in Grenzen hält, will er das Angebot nicht einstellen. „Das Obstpressen hat Tradition und gehört zum Bärenkeller dazu.“ Dettenrieder schätzt, dass im Durchschnitt jährlich 600 Liter Apfelsaft beim Siedlerhaus entstehen – die Kunden zahlen 15 Cent pro Liter. Da kann man sich ausmalen, dass die erwirtschaftete Summe für den Verein nur ein Kostenbeitrag ist. Dettenrieder hat dennoch keine Probleme, sich und andere Helfer zu motivieren: „Das Ganze dient auch der Geselligkeit. Nach der Arbeit sitzen wir beim Bier zusammen.“ Beim Bier? „Na klar“, sagt der Siedlerchef, „die Leute nehmen ihren Saft ja wieder mit.“

Konzentrat aus China

Wer kleinere Mengen Äpfel zur Verfügung hat, kann zu Hause in der Küche seinen Saft herstellen. Susanna Englmeier vom DHB-Netzwerk Haushalt hat für unsere Leser ein Rezept aufgeschrieben. Für sie lohnt sich die Mühe: „Selbst gepresster Apfelsaft ist gesünder, weil er mehr Vitamine und weniger Zucker enthält als viele Produkte, die es im Laden zu kaufen gibt.“ Und noch was: Nicht selten lande im Einkaufskorb ein Getränk, das mit Apfelsaftkonzentrat aus China hergestellt ist.

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Haunstetten | Augsburg | China

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Ein Artikel von
Andrea Baumann

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