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Ein Blick in die frisch sanierte Synagoge in Kriegshaber zeigt den Thoraschrein und die gewölbte Decke des Gebäudes. In die Bau- und Restaurierungsarbeiten flossen 1,6 Millionen Euro von der Stadt, vom Freistaat und von der Europäischen Union.

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Jahrelang lag die ehemalige Synagoge im Dornröschenschlaf. Nun ist das Haus auch von außen wieder hübsch anzusehen.

Augsburg
19.05.2014

Erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Von Stefanie Schoene

Sanierung Jahrelang war die Synagoge in Kriegshaber dem Verfall preisgegeben. Nun wurde das Haus saniert. Am Sonntag konnte es zum ersten Mal besichtigt werden

Von Stefanie Schoene

Es hat lange gedauert, sehr lange, doch das Warten hat sich gelohnt: Nach elf Jahren Planung und zwei Jahren Sanierung sieht die Synagoge in Kriegshaber wieder so aus, wie man es eben erwartet von einem Gotteshaus. „Es ist ein richtiges Kleinod geworden“, sagt Petra Lindenfelser aus dem Bärenkeller.

Lange hatte die Augsburgerin auf eine Gelegenheit zur Besichtigung geharrt, am Sonntag war sie endlich da: Aus Anlass des Internationalen Museumstags öffnete das Jüdische Kulturmuseum Augsburg Schwaben (JKMAS) die Türen zur Synagoge, Hunderte Bürger nutzten die Chance und machten sich ein Bild vom sanierten Gebäude.

Petra Lindenfelser passiert die Synagoge und die sieben Häuser in der Nachbarschaft, die ebenfalls Jahrhunderte lang in jüdischem Besitz waren, regelmäßig. „Ich war sehr gespannt, wie das Ensemble der Häuser mit der neuen Synagoge wirkt“, sagt sie und ist angetan.

Begeistert äußerten sich am Sonntag viele Besucher. „Das Gebäude ist so schön! Früher wucherten draußen überall die Rosen, jetzt ist es wie aus einem Dornröschenschlaf erwacht“, erklärt Theresia Everett, die selbst im Viertel wohnt und Jahrzehnte lang den Verfall beobachtete.

Auch Oberbürgermeister Kurt Gribl erinnert sich, wie er auf seinem Weg zur Grundschule Kriegshaber jeden Tag das Bauwerk passierte: „Es war würde- und lieblos sich selbst überlassen.“ Umso mehr freue es ihn, das Haus jetzt seiner Bestimmung und der Öffentlichkeit übergeben zu können.

Behutsam sanierte das städtische Hochbauamt die Holzbohlen im Kultraum und fixierte die abgeblätterten Jugendstilverzierungen im Tonnengewölbe. Die Patina, die die Nische für den Thoraschrein in der Ostwand des Kultraumes angesetzt hat, sowie die leere Stelle gegenüber, wo verwittertes Holz an die Position der Uhr erinnert, die den Rabbiner zur straffen Predigt mahnte, wurden konserviert. Die 1,6 Millionen Euro teure Sanierung wurde bezahlt von der Stadt und aus Fördertöpfen des Freistaats und der Europäischen Union.

Miriam aus Pfersee, selbst Jüdin aus Russland, ist angetan. „Ich habe draußen immer nur den Davidstern in der Mauer gesehen und war schon lange neugierig auf den Kultraum. Stimmungsvoll und friedlich ist es hier.“ Schon 1675 bestand in der Ulmer Straße 228 eine jüdische Betstube. Kurz darauf kaufte die Gemeinde das Haus und errichtete im ersten Stock den Kultraum. Aus der Reichsstadt Augsburg waren Juden bis 1861 verbannt, das nahe Kriegshaber wurde zum Zentrum jüdischen Lebens.

Nach 1861 zog es die jüdische Bevölkerung in die Stadt und mit Eröffnung der dortigen Synagoge 1917 löste sich die alte Gemeinde auf. In der Pogromnacht 1938 blieb das Haus in Kriegshaber unversehrt. Die NS-Behörden konfiszierten das Anwesen 1941 als Sammelstelle für zu deportierende Juden. Drei Jahre später diente es dem Kuka-Vorgänger Keller und Knappich sowie den nahen Michelwerken als Unterkunft für 500 jüdische Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn. 1947 verkaufte die Jüdische Restitutionsnachfolger-Organisation das Gebäude an die Stadt, die es als Lagerhalle nutzte oder vermietete.

Das Jüdische Kulturmuseum bespielt die Synagoge mit Wechselausstellungen, Veranstaltungen und mit Dokumentationen zur Ortsgeschichte. Der Besprechungsraum im Erdgeschoss fasst etwa 30 Personen und kann für Tagungen genutzt werden. Ab September ist das Haus donnerstags und sonntags für Besichtigungen offen.

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