Montag, 25. September 2017

17. März 2017 13:12 Uhr

Graffiti

Es gibt immer mehr illegale Graffiti in Augsburg

Die Zahl der Schmierereien im Stadtgebiet steigt, auch wenn die Polizei zuletzt einen Ermittlungserfolg vermelden konnte. Welche legalen Möglichkeiten es für Sprayer gibt.

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Manches ist enorm kreativ, keine Frage. Um mal hoch anzusetzen: Wer würde etwa die Werke von Banksy, dem berühmtesten Sprayer der Welt, als Schmierereien bezeichnen? Graffiti bewegt sich zwischen Kunst und Vandalismus, das ist keine neue Erkenntnis.

Es gibt freilich auch Graffiti, die schlicht genau das sind: Schmierereien. Wer in den vergangenen Wochen zum Beispiel auf der Donauwörther Straße in Richtung Innenstadt unterwegs war, konnte dort an einer Fassade noch lange die verblasste Botschaft erkennen, die der Verursacher Anfang Februar hinterlassen hatte: „Wer baut Kirchen in der Türkei Deutsche wacht auf“, hatte jemand auf die neue Ahmadiyya-Moschee gesprüht. Kreativ war daran nur die Interpunktion.

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Die Augsburger Polizei hat bislang noch keinen Tatverdächtigen; man ermittle weiter, berichtet Präsidiumssprecher Siegfried Hartmann. In einem anderen Fall konnte die Polizei zuletzt einen Erfolg vermelden: Ein 23-Jähriger soll seit Mitte 2015 für 150 Fälle von Sachbeschädigung verantwortlich sein; Hauswände, Grundstück- und Garagenmauern und Schaltkästen soll er beschmiert haben. Seine Kürzel: „SMIR“ und „Y NOT“.

Bürger zeigen stärker an

Um solche Serien aufzuklären, hat das Polizeipräsidium eine eigene Arbeitsgruppe, die „AG Graffiti“. Szenekundige Beamte, deren Aufgabe es ist, die Urheber von Graffiti zu enttarnen. Sie haben viel zu tun. 352 Strafanzeigen gab es 2015 wegen solcher Schmierereien im Stadtgebiet von Augsburg, gegenüber 331 im Vorjahr. 2016 hat sich die Anzahl der angezeigten Delikte fast verdoppelt; sie lag bei 625, wie der leitende Kriminaldirektor Marco Böck bei der Veröffentlichung der Kriminalitätsstatistik am Montag mitteilte. Er führt diesen Anstieg auch auf eine erhöhte Anzeigebereitschaft in der Bevölkerung zurück.

Schwerpunkt der Graffiti-Aktivitäten sei die Innenstadt, heißt es von der Polizei. Ein Viertel, das besonders hervorsteche, gebe es dort nicht. Viele Schmierereien bleiben lange stehen, dazu gehört etwa eine etwas verwirrende Serie von flehentlichen Bitten an eine gewisse Steffi. „Steffi-Darling Dein Mann kämpft“, steht seit Monaten an einer Fläche vor dem FCA-Nachwuchszentrum, nicht weit von der Ahmadiyya-Moschee entfernt. „Steffi komm zurück“ heißt es seit geraumer Zeit an einer Wand nahe des Peutinger-Gymnasiums.

Gefahr der Nachahmung 

Die Eigentümer von Gebäuden oder Fassaden seien selbst dafür verantwortlich, die Schmierereien zu entfernen, sagt Polizeisprecher Hartmann. „Und wir sind bemüht, die Eigentümer darauf hinzuweisen, das auch zu tun.“ Auch wenn die Reinigung ab und an enorm viel Aufwand bedeute. Doch wenn ein illegales Graffitilänger stehenbleibe, berge das die Gefahr, dass es Nachahmer finde.

In Augsburg gibt es mehrere Flächen, an denen sich Sprayer vollkommen legal austoben dürfen. „Schwabenwand“ heißt etwa ein Gemeinschaftsprojekt vom Graffiti-Verein „Die Bunten“ und der Stadt, das in der Form seit 2010 existiert. In der Haunstetter Straße gibt es zum Beispiel an den Eingängen zu den Unterführungen mehrere Flächen für Sprayer, in der Sportanlage St. Ursula sind Graffiti-Werke sind auf einer Wand an der Sportanlage erlaubt. Das Projekt, sagt Diana Schubert vom Kriminalpräventiven Rat, komme gut an. „Wir haben auf jeden Fall den Eindruck, dass es funktioniert.“ Im Umfeld der Flächen nehmen illegale Graffiti nicht zu, sagt Schubert. Darum sei man auch auf der Suche nach weiteren Wänden für „Schwabenwand“.

Sachbeschädigung oder Gewinn?

Wie schmal bei dem Thema der Grat zwischen Kunst und Vandalismus ist, zeigt der Fall des Augsburger Blumenmalers. Vor einigen Jahren hatte ein Sprayer eine schlichte Blume an hunderte Stromkästen, Häuser und Garagentore, Automaten und Wände aufgesprüht, die „Augsburgblume“ machte bayernweit Schlagzeilen. Einige sahen in den Werken schlicht Sachbeschädigungen, andere erkannten darin einen Gewinn. Zwischenzeitlich gab es in Augsburg sogar konkrete Überlegungen, das Graffiti fürs Stadtmarketing zu nutzen. Später rückte die Verwaltung davon ab. 2012 wurde der Urheber der Augsburgblume zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Mittlerweile droht ihm sogar das Gefängnis. Im Februar 2016 verurteilte das Amtsgericht den Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten – ohne Bewährung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Sprayer zusammen mit einem Freund eine Lärmschutzwand an der B 17 und einen Regionalzug mit dem Schriftzug „DISCO“ besprüht hatte. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht. Anwalt Marco Müller bestätigte unserer Zeitung, Berufung eingelegt zu haben. Der Fall wird also vor dem Landgericht neu aufgerollt. Ein Termin steht noch nicht fest.

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Jan Kandzora

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