Fabian Kipp entwirft und fertigt in seinem Atelier in der Gesundbrunnenstraße Korsette und Mieder.
Wenn Fabian Kipp bei seinen Kundinnen Maß nimmt, ist das der Anfang eines ganz besonderen Kleidungsstücks. Früher nur als Unterwäsche getragen, um die Taillen der Frauen den geltenden Schönheitsidealen anzupassen, feiert das Korsett heute ein Revival. Die kleidsamen Stücke aus Kipps Atelier müssen ihr Dasein nicht im Verborgenen fristen, sondern werden auf Bühnen und als Abendmode ebenso getragen wie zum Businesskostüm.
Die Herstellung von Korsetts ist kompliziert und erfordert viel Erfahrung an der Nähmaschine. Die hat sich Fabian Kipp selbst erarbeitet, denn er hat nie eine Schneiderlehre absolviert, sondern ist ausgebildeter Tänzer.
Die Liebe zu Handarbeiten war ihm aber schon in die Wiege gelegt. „Mein liebstes Spielzeug war eine Kiste Knöpfe, die ich beim wöchentlichen Besuch bei der Oma immer auf ein Stück Stoff aufgenäht habe. Bis ich wiederkam, waren die Knöpfe wieder abgetrennt und es konnte von vorne losgehen“, erzählt der 31-Jährige.
Während seiner Zeit als Tänzer fertigte er für Bekannte Bühnenkostüme an und erweiterte sein Wissen über die Schneiderei in Kursen und Praktika, unter anderem bei einem Korsettmacher in München, wo die Begeisterung für dieses Kleidungsstück seinen Anfang nahm. „Es ist fast wie Architektur aus etwas Zweidimensionalem etwas Dreidimensionales zu schaffen“, schwärmt Fabian Kipp. Vor gut einem Jahr hat er sich mit seinem Handwerk selbstständig gemacht und seit einem halben Jahr hat er ein Atelier in der Gesundbrunnenstraße 15.
„Ich hatte einen leichten Start“, sagt er über seinen Weg in die Selbstständigkeit. In seinem Atelier entwirft und näht er zusätzlich zu Korsetts und Miedern auch passende Kleidungsstücke wie Röcke. Daneben fertigt Kipp auch Kostüme für den Bühnenbereich. Momentan tüftelt er an einem aufwendigen Kostüm für eine bekannte Bur- lesque-Tänzerin. Das Kostüm soll die Form einer Banane haben, die sich im Laufe der Vorstellung genüsslich schälen lassen soll.
Besonderen Wert legt Fabian Kipp bei seiner Arbeit auf gute Verarbeitung und die perfekte Passform. Um die zu erreichen, schneidert Kipp bis zu zwei Probemodelle, ehe das endgültige Korsett entsteht. Rund zwei Tage benötigt er für ein einfaches Modell wie auf dem Foto, das rund 500 Euro kostet.
Im Gegensatz zu früheren Zeiten sollen Kipps Korsetts, deren Schnitte er selbst entwickelt hat, den Trägerinnen nicht den Atem rauben, sondern einfach schön sein. Daher können die Kundinnen aus einer Vielzahl an Stoffen von Seide bis Wolle wählen. „Viele bringen ihre Stoffe aber auch selbst mit“, verrät Fabian Kipp.
Neben der veränderten Form ist auch das Innenleben modern. Wurden früher Fischbein oder Horn verwendet, um dem Korsett seine steife Form zu geben, kommen bei Fabian Kipp Reifrockband oder Metallfedern zum Einsatz. Trotz seines handwerklichen Könnens ist Kipp doch ein wenig neidisch auf seine Kundinnen. „Wenn ich eine Frau wäre, hätte ich mindestens zehn Korsetts“, so Fabian Kipp.
Korsetterie Weitere Informationen gibt es unter: www.korsetterie.com.
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