Katzenjammer bei den beiden großen Parteien CSU und SPD, Freude bei FDP, Grünen und Linkspartei. Der Wahlausgang in Augsburg hat zwar die politische Welt nicht aus den Angeln gehoben, doch die Machtfaktoren sind auch auf lokaler Ebene nachhaltig beeinflusst worden. Wir zeigen in einer Wahlanalyse auf, wie es um die im Bundestag vertretenen fünf Parteien steht. Von Michael Hörmann
CSU Gewonnen und doch verloren. Das Direktmandat von Christian Ruck und der deutliche Vorsprung auf die Konkurrenz beim Parteiergebnis können für die CSU-Spitze nur ein schwacher Trost sein. Ruck verlor 7,2 Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2005, die Partei 5,9 Prozentpunkte. Noch brutaler werden die Verluste, wenn man auf die Ergebnisse von 2002 schaut: Damals hatte Ruck 53,6 Prozent, jetzt sind es noch 42,2 Prozent. Die CSU kam 2002 auf 52,8 Prozent, jetzt sind es 38,5 Prozent.
Die CSU-Führung betonte in ihrer ersten Wahlanalyse am Wahlsonntag, dass sich Augsburg nicht wesentlich vom Negativtrend auf Bayernebene abhebe. Dass sich die CSU in einer Großstadt aber neu aufstellen sollte, ist den Verantwortlichen bekannt. Die CSU erreicht nicht mehr alle Wählerschichten. Bundestagsabgeordneter und Parteichef Christian Ruck weiß um diese Problematik. Er kündigt an, "dass wir uns schon bald mit der Münchner CSU in eine gemeinsame Klausur begeben wollen". Dabei würden Antworten gesucht, wie der Abwärtstrend gestoppt werden könnte.
SPD Die CSU hat Sorgen, doch im Vergleich mit der Situation der SPD vor Ort können sich die Christ-Sozialen in einer glücklichen Lage schätzen. Das Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl ist desaströs. Weder Direktkandidat Heinz Paula (19,6 Prozent) noch die Partei (18,6) kamen über die 20-Prozent-Marke. Das Ergebnis zeigt zudem, dass sich Kandidat Paula nicht wesentlich von der Partei abhebt. Trotz seines jahrelangen politischen Wirkens genießt er keinen Bonus. Paula verlor 8,5 Prozentpunkte gegenüber 2005, die SPD 9,4 Prozentpunkte.
Die SPD-Führung betonte am Wahlabend, dass sie das Ergebnis nicht nur erst verdauen müsse, sondern die Aufarbeitung sicherlich sehr viel Zeit benötige. Parteichef Paula, der im kommenden Jahr zur Wiederwahl steht, ist gefordert.
FDP Im kommunalen Bereich tritt die FDP nur in Person der einzigen Stadträtin Rose-Marie Kranzfelder-Poth in Erscheinung. Bezeichnend: Bei der Kommunalwahl 2008 verlor die FDP sogar den zweiten Sitz. Bei der Bundestagswahl strotzten die Liberalen geradezu vor Kraft. Direktkandidatin Miriam Gruß verdoppelte ihr persönliches Ergebnis. Sie steigerte sich von 5,0 auf 10,9 Prozent. Dazu hat sicherlich ihr gestiegener Bekanntheitsgrad beigetragen.
Und in der kleinen Augsburger FDP glauben nicht wenige, dass Gruß jetzt in Berlin ganz groß rauskommen könnte. Die Mutter eines kleinen Buben wird als denkbare Staatssekretärin im Familienministerium gehandelt. Nicht überraschen konnte am Wahltag, dass die FDP bei den Zweitstimmen (13,1 Prozent) noch etwas besser abschnitt. CSU-Wähler, die die Erststimme an Ruck verteilten, haben mit der Zweitstimme FDP gewählt.
Grüne Ähnlich wie 2005 lagen die Grünen wieder bei Erst- und Zweitstimmen über der 10-Prozent-Marke. Die Grünen haben ein festes Wählerklientel. 14,6 Prozent sind für Direktkandidatin Claudia Roth ein sehr gutes Ergebnis. In einigen Stimmbezirken hatte sie SPD-Mann Paula bereits deutlich überholt, im Endergebnis rückte sie näher an ihn heran. Ein Rechenbeispiel: War bei der Bundestagswahl 2002 der Abstand zwischen SPD und Grünen noch bei annähernd 20 Prozentpunkten, sind es jetzt gerade mal noch etwas mehr als fünf Prozentpunkte.
Die Linke Dass die Linkspartei in Augsburg ihre Anhänger hat, ist bekannt. So gewann die Partei bei der Kommunalwahl 2008 zwei Stadtratsmandate. Bei der Bundestagswahl steht die Partei noch besser da. Bei den Zweitstimmen kam sie auf 7,9 Prozent - 1,4 Prozentpunkte über dem Ergebnis in Bayern. Direktkandidat Alexander Süßmair erhielt 6,9 Prozent. Viel wichtiger: Er zieht aufgrund seines Listenplatzes in den Bundestag ein. Dass die Linkspartei viele Stimmen von früheren SPD-Wählern erhalten hat, ist für die Parteiführung klar.
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