Augsburg schreibt Geschichte mit der Veranstaltung der ersten Messe für barrierefreies Bauen und Leben (b_free). Doch wie kommt die Messe-Infrastruktur bei den Betroffenen selbst an? Die AZ ging mit dem Vorsitzenden des Behindertenbeirates, Arno Erlei, auf Streifzug. Von Thomas Faulhaber Von Thomas Faulhaber


Von Thomas Faulhaber
Augsburg. schreibt Geschichte mit der Veranstaltung der ersten Messe für barrierefreies Bauen und Leben (b_free). Doch wie kommt die Messe-Infrastruktur bei den Betroffenen selbst an? Die AZ ging mit dem Vorsitzenden des Behindertenbeirates, Arno Erlei, auf Streifzug. Ergebnis: Man ist bemüht. Aber vieles ist einfach unzureichend. So scheitern Blinde schon im Aufzug, manche Rollstuhlfahrer können das WC kaum benützen.
Er ist nicht zu übersehen. Ein grellgelber, auf dem Boden angebrachter Leitstreifen übernimmt am Eingang die Führung. Sehbehinderte tun sich da leicht. "Eine tolle Sache", lobt Arno Erlei. Doch leider fast der einzige Pluspunkt beim Messerundgang aus Sicht der Behinderten.
Die Schwabenhalle ist längst nicht mehr zeitgemäß. Das spüren auch die zahlreichen Menschen mit Handicap, die seit gestern entweder als privat Betroffene oder Funktionsträger auf der b_free unterwegs sind.
Aufzug: Um in die Schwabenhalle zu gelangen, müssen mehrere Stufen bewältigt werden. Eine frühere provisorische Rampe gibt es nicht mehr. Zwei Aufzüge stehen zur Verfügung. Fabian Sattich, der nur noch Hell-Dunkel-Kontraste erkennen kann, ist hilflos. Er findet das Bedienfeld nicht. Es fehlen akustische Signale. Die Tasten sind für andere Behinderte auch viel zu hoch, so Erlei. Die Tasten leuchten rot. Schlecht für viele Sehbehinderte. Gelb wäre besser. Blindenschrift gibt es nicht.
WC: Nur für linksseitig Gelähmte ist das WC geeignet, erkennt Erlei. Generell ist zu wenig Platz, die Tür geht nur nach innen zu, was schlecht ist. Rollstuhlfahrerin Waltraud Joa ist mit der Einrichtung nicht zufrieden. Geht gerade noch so, findet Erlei: "Man hat sich bemüht. Es sind behindertenfreundliche, aber keine Behinderten-WC."
Halle: Die Stände sind offen, das ergibt ein Geräuschgemenge, das nicht optimal ist. "Typisch Messe eben", so Erlei. Die großen Programm-Plakate sind unzureichend. Die Schrift zu klein. Erlei: "Viel zu viele unnötige Informationen." Die Hintergrundfarbe lila ist katastrophal, weil sie keinen Kontrast bietet. Außerdem hängen die Plakate zu hoch - unlesbar für manchen Rollstuhlfahrer. Die Stände selbst sind alle barrierefrei.
Gastronomie im Foyer: Hier gibt's nur gute Noten. Breite Wege, Platz zwischen den Tischen. "Erlei: "Alles o. k."
Messe-Erreichbarkeit: Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer haben Mühe, die Messe zu erreichen. Die Straßenbahnhaltestelle am Bukowina-Institut ist etliche Hundert Meter weg. Nur bei großen Messen wie der afa wird eine Messe-Haltestelle direkt am Messeareal bedient. Erleis Urteil ist vernichtend: "Die Situation ist mehr als ungenügend."
Die AFAG als Messeveranstalter betont, dass man schon einiges aus eigener Tasche finanziert habe, um die Halle behindertenfreundlicher zu gestalten. Doch zuständig sei die Messe-Gesellschaft. "Auch AFAG-Chef Heiko Könicke erhofft sich Verbesserungen im Zuge der Messe-Modernisierung. »Bayern
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