Freitag, 24. Mai 2013

07. September 2011 13:37 Uhr

Plärrer

Fahrgeschäfte werden auf Herz und Nieren geprüft

Experten schätzen die Sicherheit von Riesenrad & Co. sehr hoch ein. Hundertprozentige Garantie gibt es jedoch nicht Von Judith Strußenberg

Das Fahrgeschäft "Leopardenspur" auf dem Augsburger Plärrer.
Foto: Ruth Plössel

Was ein vergnügter Abend auf dem Volksfest werden sollte, endete am Dienstag für drei Mädchen in einem Unglück. Bei voller Fahrt brach auf einem Volksfest nahe Regensburg die Haltestange eines Karussells, die Mädchen wurden schwer verletzt. Kann das auch auf dem Plärrer passieren?

Klar ist: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Doch Michael Hanrieder von der Landesgewerbeanstalt in Augsburg, der jahrelang die Attraktionen auf dem Augsburg Plärrer geprüft hat, sagt: „Ich benutze jedes Fahrgeschäft auf Plärrer ohne Bedenken“. Mehr als 15 Jahre hat der Ingenieur im Auftrag der Stadt die Fahrgeschäfte auf Herz und Nieren getestet. Inzwischen hat ein Kollege die Aufgabe übernommen, bei der jede Schraube und jeder Splint ebenso kontrolliert wird, wie der Aufbau und möglicher Verschleiß. „Das Versagensrisiko ist sehr gering“, sagt Hanrieder. Ehe sich die Plärrerbesucher in einem Karussell vergnügen können, muss es mehrere Sicherheitsprüfungen durchlaufen.

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Der erste Test erfolgt laut Hanrieder schon in der Planungsphase durch den TÜV. „Bei großen Fahrgeschäften führt der TÜV auch eine jährliche Hauptuntersuchung durch, ähnlich wie beim Auto“, erklärt der Ingenieur. „Die Überprüfung kann Stunden oder sogar Tage dauern“, sagt Bettina Tillmanns vom TÜV-Süd. Auch die Bierzelte nimmt der TÜV übrigens jährlich unter die Lupe, Fahrgeschäfte wie Berg- und Talbahnen müssen alle zwei Jahre dem strengen Blick der Prüfer standhalten, bei Kinderkarussells sind es drei Jahre.

Die dritte Stufe der Sicherheitsprüfung bildet die Gebrauchsabnahme, die bei jedem Volksfest erneuert werden muss und für die in Augsburg die Landesgewerbeanstalt zuständig ist. „Daneben überprüfen auch die Schausteller selbst jeden Morgen ihre Fahrgeschäfte“, erklärt Hanrieder. Damit die Schausteller wissen, was es dabei zu beachten gibt, bietet der schwäbische Schaustellerverband in Zusammenarbeit mit TÜV Schulungen an. „Alle Schausteller auf dem Plärrer haben solche Schulungen gemacht, das ist wie eine Art Führerschein“, sagt Michael Lutzenberger, Vizechef des Schaustellerverbandes. Auch wenn die Schulungen nicht verpflichtend sind, so sind sie doch ein großes Plus, wenn sich ein Schausteller beim Marktamt für den Plärrer bewirbt. „Wir sehen es sehr positiv, wenn Schulungen besucht wurden, oder noch strengere Sicherheitsmaßnahmen angelegt werden, als der TÜV vorschreibt“, sagt die stellvertretende Amtsleiterin Felicitas Allmann. Und noch ein Sicherheitsplus kann der Plärrer vorweisen: „Weil das Volksfest attraktiv ist, ist die Liste der wartenden Schausteller so lang, dass am Ende größtenteils neuere Fahrgeschäfte auf dem Platz stehen, die perfekt in Schuss sind“, so Hanrieder.

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