Sonntag, 25. September 2016

24. Februar 2016 10:43 Uhr

Augsburg

Fernbusse im Visier der Polizei

Auf der Autobahn A8 gibt es regelmäßig Bus-Kontrollen. Was die Beamten aus Augsburg dabei erleben - und warum die Polizisten bei den Fahrern einen besonderen Ruf haben.

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Der Busfahrer gibt sich gut gelaunt. Er steigt aus, klopft einem der Polizisten auf die Schulter. „Geht’s Euch gut?“, will er wissen. Es ist Freitagnachmittag, gegen 15 Uhr. Der Fahrer hat noch eine weite Reise vor sich. Mit zwei Kollegen soll er einen gut besetzten Bus in den Kosovo steuern. Sie fahren im Schichtdienst. Über 1500 Kilometer sind es noch. Geschätzte Fahrzeit: 21 Stunden. Doch nun gibt es erst mal eine Zwangspause an der A8 bei Augsburg, auf dem Parkplatz Kirchholz. Eine Gruppe von Polizisten kontrolliert Fernbusse, die vor dem Wochenende vor allem Richtung Osteuropa unterwegs sind.

Der joviale Busfahrer kann auch nach der Kontrolle noch lachen. Die Polizisten haben nichts auszusetzen. Der Fahrer hat die vorgeschriebenen Lenkzeiten und das Tempolimit eingehalten. Das zeigt die Auswertung seiner Fahrerkarte, auf der diese Daten gespeichert sind. Alle nötigen Papiere und Genehmigungen liegen vor. Und der Bus ist, obwohl schon 17 Jahre alt, in einem technisch guten Zustand. Weit mehr als eine Million Kilometer hat der in der Türkei gebaute Mercedes schon hinter sich. „Respekt“, sagt Polizeihauptmeister Udo Nischwitz, nachdem er einen Blick in den Motorraum und auf die Reifen geworfen hat. „Dieser Bus ist sehr gut gepflegt.“

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Udo Nischwitz kennt sich aus mit der Technik der Busse. Das hat er sich über die Jahre angeeignet. Er weiß, wo die wunden Punkte sind. Nicht immer läuft eine Kontrolle so reibungslos ab. Regelmäßig stellen die Polizisten Verstöße fest. Der Markt für Fernbusse ist umkämpft. Der Preisdruck, mit dem die Unternehmen klarkommen müssen, entsprechend groß. Mitunter sind die Mängel an den Fahrzeugen so massiv, dass ein Bus erst mal nicht mehr weiterfahren darf. „Ein wichtiges Ziel der Kontrollen ist die Sicherheit“, sagt Josef Sitterer, der Chef der Autobahnpolizei in Gersthofen. Die Busse sollen keine rollenden Zeitbomben sein – weder für die Insassen, noch für andere Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn.

Zwei Fängerfahrzeuge sind auf der Autobahn unterwegs

Ein gutes Dutzend Busse nehmen die Polizisten an diesem Freitag unter die Lupe. Ein Polizeimotorrad und ein Streifenwagen halten auf der A8 nach den Fernbussen Ausschau. Im Polizeijargon heißen sie „Fängerfahrzeuge“. Sie lotsen die Busse auf den Parkplatz Kirchholz zwischen Augsburg und Dasing.

Neben Beamten der Autobahnpolizei warten hier auch zwei Schleierfahnder der Verkehrspolizei. Sie überprüfen die Fahrgäste. In einem Bus, der von Frankfurt in Richtung Balkan unterwegs ist, treffen sie auf eine 46-jährige Mazedonierin. Die Frau hat keine gültige Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Ein Polizist telefoniert mit der Staatsanwaltschaft. Am Ende steht fest: Die Frau darf weiterreisen, muss aber eine sogenannte Sicherheitsleistung von 100 Euro hinterlegen. Die Arbeit der Schleierfahnder ist schwierig geworden seit der Flüchtlingskrise. Asylbewerber sind mit diversen Papieren unterwegs, die ihnen von den Behörden ausgestellt worden sind. Die Rechtslage ist oft unklar.

Auch für den Fahrer eines Busses, der ins südpolnische Kattowitz unterwegs ist, endet die Kontrolle teuer. Oberkommissar Leo Manger wirft nur kurz einen Blick auf die Tachoscheibe aus Pappe, um zu erkennen: Dieser Fahrer war mit über 100 Stundenkilometern unterwegs. Dabei ist für den älteren Bus, den der Mann steuert, nur Tempo 80 erlaubt. Das kostet den Fahrer jetzt genau 148,50 Euro – inklusive Gebühren und Auslagen.

Ein Mann bittet um milde Strafe - in gebrochenem Deutsch

Der Mann bittet in gebrochenem Deutsch um eine „milde Strafe“. Für ihn sei das sehr viel Geld. Der Polizeibeamte entgegnet: „Fahren Sie mit dem richtigen Tempo, dann kostet es Sie auch nichts.“ Der Fahrer kommt ohnehin noch glimpflich davon. Der Blick in den Polizeicomputer zeigt, dass er in Bayern zum ersten Mal mit einem Tempoverstoß auffällt. Wäre er ein Wiederholungstäter, dann hätte Leo Manger den doppelten Satz verlangt. Es bleibt bei kleineren Verstößen, die an diesem Freitag von den Beamten aufgedeckt werden.

Den Bus eines Unternehmens, das in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen ist, erwartet Leo Manger gespannt. Der Oberkommissar kennt teilweise sogar die Fahrpläne und weiß, wann die Busse die A8 bei Augsburg passieren. Die Beamten schauen genau hin, nachdem der „Fänger“ den Bus auf den Parkplatz gelotst hat. Doch dieses Mal ist alles korrekt. Es bleibt bei der Ermahnung, die Bremse des Anhängers, in dem Pakete von Deutschland nach Rumänien transportiert werden, neu einzustellen. Eine junge Rumänin, Mitte 20, nutzt derweil die Kontrolle für eine schnelle Zigarette. Sie arbeite in Deutschland und fahre fast jedes Wochenende nach Hause, erzählt sie, der Liebe wegen. Der Busfahrer wirkt erleichtert, als er sich wieder ans Steuer setzt und den Motor startet.

“So ist das hier“, sagt ein Busfahrer

Oberkommissar Leo Manger ist nicht enttäuscht, dass die Kontrollaktion nach gut drei Stunden nicht allzu viele Verstöße aufgedeckt hat. Er wertet das als Zeichen dafür, dass sich die Arbeit lohnt. Die Augsburger Polizei hat in der Branche den Ruf, streng zu sein – das weiß er aus Gesprächen mit Busfahrern. Er sieht das als Kompliment. „Wer bei uns über die A8 fährt, schaut darauf, dass bei ihm alles passt“, sagt Leo Manger. Ein Busfahrer, der zugehört hat, nickt zustimmend. „Ja, so ist das hier“, sagt er.

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Ein Artikel von
Jörg Heinzle

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg



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