Montag, 21. August 2017

08. Juni 2016 00:35 Uhr

Ausstellung

Fleißige Leute werkeln am Haus der Puppenkiste

Kein Märchen kommt ohne Handwerker aus. Aber warum strahlen am Schluss immer die Prinzessinnen?

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Im Märchen gehören sie zum festen Personal. Ohne Handwerker käme der Gestiefelte Kater nicht an seine Schuhe, hätte sich Hans im Glück als Müllergeselle nicht den Goldklumpen verdient und hätte das tapfere Schneiderlein keinen Arbeitsplatz. „Aber meistens verschwinden die Handwerker im Lauf der Geschichte und man spricht am Ende nur noch von Prinz und Prinzessin“, bedauert Klaus Marschall, der Chef der Augsburger Puppenkiste. Diese Fehlstelle sollte nun die neue, gestern Abend eröffnete Ausstellung im Puppentheatermuseum Die Kiste in der Spitalgasse ausfüllen. Fleißige Handwerker sind die Hauptfiguren in den Kisten-Vitrinen.

Natürlich oft mit einem Augenzwinkern, wie es der verschmitzten Erzählweise der Marionettenbühne entspricht. Schon an der Paradebaustelle im Dachboden gleich beim Eingang hat der aufmerksame Betrachter seinen Spaß. Da pennt im Hintergrund ein erschöpfter Arbeiter in der Schubkarre, ein anderer guckt mit dem Vermesser-Fernrohr aus dem Fenster. Auch der Maulwurf auf seinem Hügel hat den gelben Schutzhelm aufgesetzt. Ein Klosett wackelt auf eigenen Beinen die Treppe hinauf. Ein Unglücksrabe ist in den Betonmischer geraten und wird in der Trommel geschleudert. Derweil ungeniert der Brotzeiter auf der Mauer in seine Knackwurst beißt. Doch es wird auch ernsthaft gewerkelt im neuen Haus: Die Dachdecker, der Schreiner, der Fliesen- und der Parkettleger gehen eifrig ihrer Arbeit nach. Nicht zuletzt geschieht Wunderliches: Warum kniet vor dem Haus betend eine Nonne auf dem Zementsack? Fleht sie um eine rechtzeitige Fertigstellung oder fürchtet sie um die Stabilität des neuen Bauwerks?

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Die Handwerkskammer (Hwk) für Schwaben blieb in diesem speziellen Fall wahrscheinlich die Antwort schuldig. Ansonsten erteilte sie den Puppenspielern äußerst bereitwillig alle Auskünfte. Die Ausstellung sei „eine faszinierende Gelegenheit, das Handwerk darzustellen“, sagt Hwk-Präsident Hans-Peter Rauch. Er ist diesmal Schirmherr. „Ich bin begeistert, was aus unserer gemeinsamen Idee geworden ist.“ Vor allem mit welcher Liebe zum Detail die einzelnen Gewerke in den Kisten gezeigt werden. Kleine Meisterwerke der Miniaturkunst sind hier zu entdecken mit einer Fülle von nachgebauten Werkzeugen und Einrichtungen.

Was der reichhaltige Fundus der Augsburger Puppenkiste nicht hergab, steuerte das benachbarte Schwäbische Handwerkermuseum bei. Und siehe da: Das Kleine und das Große ergänzen sich prächtig, Unterschiede in den Dimensionen der Exponate sind geradezu das Salz in der Suppe. So liegt in der Schusterwerkstatt ein strapazierfähig genagelter Treter, beim Friseur ergänzen originale Föhne und Extension-Strähnen die Künstlergarderobe aus der Marionettenwelt. Ein winziger Schneider reitet auf einer gewaltigen Schere durch die Lüfte, in der Metzgerei hat auch das originale Zerteilbeil seinen Platz neben sehr appetitlichen Puppenkiste-Imitaten von Würsten und Schinken.

Wie viele Handwerke kamen bereits in Stücken und im Kabarett der Puppenkiste vor. Der Glasbläser ist im Märchen „Das kalte Herz“ unentbehrlich, das tapfere Schneiderlein stichelt auf einem Tischchen am nächsten Kleidungsstück, ehe es sieben auf einen Streich erledigt. Bäcker und Müller gehören sowieso zum Stammpersonal alter Geschichten; die mehligen Gesellen schauen mitunter arg verschlagen drein, als ginge es bei ihnen nicht mit rechten Dingen zu oder als nähmen sie es mit der Ehrlichkeit nicht so genau. Während Schreinermeister Gepetto als Papa des frechen Holzkerlchens Pinocchio öfters seine liebe Not hat; als fast lebensgroße, klapprige Figuren hat sie das Theater Koblenz zur Verfügung gestellt.

Es bleibt in der Ausstellung allerdings nicht bei einer nostalgisch verklärten Sicht auf die gute alte Handwerkskunst. In Fotos scheint auch der aktuelle Berufsalltag der Gewerke in den Kisten auf. Der Kaminkehrer hantiert nicht allein mit Besen und Schultereisen, sondern auch mit dem Abgasmessgerät. Der Elektriker hat es mit modernen Schaltungen zu, ein Knebelschalter, wie in den 50er Jahren üblich, war nicht mehr aufzutreiben. In der Vitrine der Textilberufe steht neben dem traditionellen Webstuhl eine Nähmaschine mit Digitaldisplay.

Weil Kinder gern selber zupacken, ist in der Ausstellung ein Werkstattbereich eingerichtet. Dort führen die Innungen in Workshops ihre Berufe vor. Der Kunstschmiedemeister Tobias Tilmann Haselmayr wird zum Auftakt am 19. und 26. Juni aber im Handwerkerhof an der glühenden Kohle Waffen und Messer schmieden. Die Korbflechterin, die Hutmacherin, die Goldschmiedin und einige andere Handwerker werden im Haus arbeiten.

bis 15. Januar 2017, geöffnet täglich außer Montag von 10 bis 19 Uhr, Informationen über das Begleitprogramm unter www.puppenkiste.com, Anmeldung von Gruppen unter Telefon 0821/450345-0.

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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