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15. April 2009 04:39 Uhr

Forschung am Nullpunkt

Zahlen geistern durch diese Ausstellung. Kaum eine Fotografie, auf dem nicht im Werktitel eine zu finden wäre. Mit der Unzahl, der Nichtzahl "Null" in der englischen Variante "Zero", hat der aus Schwabmünchen stammende Fotograf Lothar Zull seine Schau in der Galerie 2 Fenster benannt.

Die Null soll auf diesen Punkt verweisen, in dem das eine ins andere umschlägt, in dem sich die Dinge so weit zurücknehmen, dass etwas Neues möglich wird. In "53" hält Zull ein mit einer Schutzhülle überzogenes Auto fest, das vor einem Haus steht. Es ist nur als Umriss zu erahnen und wirkt dadurch wie ein Platzhalter für Papas Traum auf vier Rädern: Autofahrerstolz verpackt wie ein Weihnachtsgeschenk. Das Auto ist da und ist gleichzeitig nicht da auf dem Bild. Ein Vexierspiel. Das fortgesetzt wird mit den formal sich entsprechenden Arbeiten "30", "36", "45" und "124". Zull hat da 30 Wildgeweihe neben- und untereinander aufgereiht, gegenüber sind 36 Totenschädel auf Regalen zu sehen. Die 45 Fensteröffnungen eines Rohbaus in ihrer Betontristesse werden mit 124 quietschbunten Heiligen- und Ikonenbildern konfrontiert. Alle Arbeiten im Vordergrund ohne Tiefenwirkung arrangiert, einzig am Zahlenstrahl ausgerichtet.

Durch Reihung macht er Stimmungen sichtbar

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Entstanden sind Zulls Arbeiten nur zum Teil auf der Straße. Daneben zeigt er Atelierarrangements. Bei den Aufnahmen mit seinem Aktmodell erzählt Zull in Fotoserien, macht Stimmungen durch die Reihung sichtbar. Wenn er allerdings einen Frauenakt von hinten zeigt, bei dem sie Stacheldraht um den Oberarm gewickelt hat, wird die Gefahr der ideengetriebenen Kunst deutlich: Wird der Einfall zu direkt umgesetzt, wirkt die Kunst plötzlich wie Werbung. Alles zeigt sich auf den ersten Blick und dann nicht mehr.

Dieser Gefahr setzt sich Zull konsequent aus. Er verzichtet fast durchweg auf die Hintergründe. Zull arbeitet als Fotograf nicht mit der Tiefenwirkung. Die Idee steht im Vordergrund, ungewollte Rückkopplungen werden durch diese Beschränkung vermieden. Das verleiht seinen Motiven eine Wucht. Allerdings verpufft diese manchmal zu schnell, weil sich die Idee nirgends sonst auf der Arbeit verfangen kann. Zulls Zahlenmystik über "Zero" muss man das aber nachsehen, Zahlen sind nun mal reine Idee.

"Zero" In der Galerie 2 Fenster, Kirchgasse 22 (Ulrichsviertel), bis 19. April. Geöffnet Fr 16 - 19 Uhr, Sa und So 14 - 17 Uhr. Ein Katalog ist erschienen.

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