Der geplante Friedensmarathon am 8. August 2010, dem Tag des Augsburger Friedensfestes, hat gestern Abend im Stadtrat für extremen Unfrieden gesorgt. In der inhaltlichen Debatte fielen von Gegnern Worte wie "Eventklimbim" oder "Wischiwaschi-Konzept" der Initiatoren. Die politischen Unterstützer der Aktion, die längst noch nicht in trockenen Tüchern ist, hatten alle Mühe, die Wogen zu glätten. Von Michael Hörmann
von Michael Hörmann und Christian Mühlhause
Unterm Strich bleibt folgender Beschluss: Die Verwaltung wird in Verhandlung mit den vier Initiatoren Sonja Landwehr, Bernd Beigl, Axel Becker und Wolfgang Hosp treten, um die Realisierung des Marathons zu prüfen. Zudem soll dabei geprüft werden, wie der Friedensmarathon in das Gesamtprogramm des Friedensfestes passt. Auch um die Unterstützung und Zustimmung der Kirchen wird geworben.
Von der Stadtspitze hatten wohl weder OB Kurt Gribl (CSU) noch Sportreferent Peter Grab (Pro Augsburg) damit gerechnet, dass die Debatte völlig aus dem Ruder laufen könnte. Noch am Mittag hatten sie gemeinsam mit den Initiatoren für den Friedensmarathon vor den Medien die Werbetrommel gerührt. "Es ist mehr als nur eine Sportveranstaltung. Das Konzept hat hohes integratives Potenzial", sagte Gribl, "zudem ist es etwas Einmaliges, mit dem Augsburg punkten kann."
Ein paar Stunden später gerieten Gribl und Grab unter Beschuss. Vertreter von SPD und Grüne beklagten, dass die Beratung über den Friedensmarathon gleich in den Stadtrat gekommen sei und nicht zuvor in Ausschüssen vorberaten wurde. Der Antrag, mit dem Thema in die Ausschüsse zu gehen, wurde mehrheitlich abgelehnt. Über das Geld sollte aber noch nicht gesprochen werden. So wurde es beschlossen, die Realität sah anders aus.
Es ging zur Sache, wobei sich tiefe Risse bei Pro Augsburg zeigten. Bürgermeister Grab geriet beim Fraktionsvize Karl Heinz Englet unter Beschuss. Während Fraktionsvorsitzende Beate Schabert-Zeidler von einem "interessanten Konzept" sprach, ließ Englet kein gutes Haar am Friedensmarathon. Er müsse über die Beschlussvorlage "klagen", die von Grab unterzeichnet war. Er, so Englet, habe große Zweifel an der Umsetzung des Friedensmarathons. Zunächst müsse ein schlüssiges Konzept vorliegen: "Idealisten haben hier eine gute Idee. Aber wer soll sie umsetzen?" Englet forderte, dass es auf keinen Fall bereits 2010 den Friedensmarathon geben solle. 2012 könne ein Ziel sein, "dann muss bis 2010 ein schlüssiges Konzept vorliegen".
Bedenken äußerten ferner Verena von Mutius (Grüne) und Alexander Süßmair (Die Linke). Von Mutius: "Es entsteht der Eindruck, es geht um den Eventcharakter beim Friedensfest. Das Konzept ist mir zu wischi-waschi, auch wenn ich offen für die Idee bin." Süßmair hob den hohen Anspruch des Friedensfestes hervor: "Das alles sieht nach Eventklimbim aus."
Kranzfelder-Poth (FDP) verteidigt die Initiatoren
Die Stimmung im Plenum wurde immer aufgeheizter. Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FDP) sprach unmittelbar danach. Es war ein Beitrag, der wie selten einer mit sehr viel Beifall der Kollegen im Stadtrat aufgenommen wurde. "Ich empfinde tiefes Bedauern über den Umgang mit bürgerschaftlichem Engagement. Dass sich hier engagierte Bürger abwatschen lassen müssen, halte ich für unerträglich." Hier würden Initiatoren einer guten Sache regelrecht vorgeführt.
Die Art und Weise, wie im Plenum über den Friedensmarathon debattiert wurde, stimmte Karl-Heinz Schneider (SPD) nachdenklich: "Jetzt haben wir den Salat. Der 8. August muss raus aus dem Streit der Parteien bleiben."
Dafür war es gestern Abend zu spät. Auch der fromme Wunsch von CSU-Stadtrat Theo Gandenheimer blieb unerfüllt, der in Richtung der Medien appellierte: "Bitte berichten Sie nicht über diese Debatte."
Unter dem Motto "Frieden bewegt" soll der Marathon an Kirchen, Moscheen und der Synagoge vorbeiführen. Auch soll es länder-, partei- und religionsübergreifende Staffeln geben.
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