Donnerstag, 28. Juli 2016

28. Januar 2015 14:25 Uhr

Asyl

Frühere KZ-Außenstelle in Augsburg wird Asylbewerberheim

In die Halle 116 auf dem Sheridan-Gelände sollen 90 Flüchtlinge ziehen. Alle Parteien sind dafür. Doch andernorts sorgen ähnliche Pläne für Ärger.

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In die Halle 116 auf dem Sheridan-Gelände ziehen bald Flüchtlinge.
Foto: Silvio Wyszengrad

Sozialreferent Stefan Kiefer erschrak, als er das erste Mal den Vorschlag hörte, in der Halle 116 Asylbewerber unterzubringen. In der NS-Zeit war dort eine Außenstelle des Dachauer Konzentrationslagers; irgendwann soll dort ein Museum, ein „Lern- und Denkort Frieden“ entstehen. Doch von dem Gedanken „Asyl und KZ, das kann nicht sein“, sei er wieder abgekommen, berichtete Kiefer gestern im Sozialausschuss des Stadtrates. Inzwischen sagt er: „Es ist Sinn eines Denkortes, dass man nicht nur denkt, sondern auch handelt.“ Und so werden voraussichtlich in absehbarer Zeit 90 Asylbewerber in den ersten Stock des Gebäudes einziehen – ein Stockwerk über den Räumen, in denen in der NS-Zeit bis zu 2000 Zwangsarbeiter eingesperrt waren.

Das künftige Asylbewerberheim muss noch umgebaut werden

Stadträte aller Parteien gaben gestern – auf den Tag 70 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz – ihre Zustimmung zu den Plänen – im Bewusstsein, wie sie betonten, dass es sich um ein sensibles Thema handle, das begleitet werden müsse. Markus Bayerbach von der AfD sagte: „Darf man das? – Man muss! Denn so wird die ursprüngliche Absicht ins Gegenteil verkehrt. Das ist ein besserer Denkort als ein Museum.“ Grünen-Stadträtin Antje Seubert sieht einen „Sieg über den Faschismus“.

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Der Vorteil des Gebäudes wird bei einem Rundgang klar: Es ist warm, trocken, schimmelfrei, relativ gut angebunden – was man nicht von allen Unterkünften in Augsburg sagen kann. Die Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung (AGS) verwaltet den 160 Meter langen Bau im Rahmen der Konversion der Kasernenflächen treuhänderisch für die Stadt.

Der Umbau der 1750 Quadratmeter für die Asylunterkunft würde trotz des relativ guten Zustandes 1,75 Millionen Euro kosten. Elektrik und Böden müssen erneuert, zusätzliche Sanitäranlagen und Trennwände eingebaut werden. Das dürfte etwa ein halbes Jahr dauern. Wer das Geld vorstrecken kann, soll die Verwaltung nun prüfen; refinanziert werden soll es über Mieteinnahmen vom Freistaat. Diese müssten entsprechend hoch ausfallen – je nachdem, wie lange das Projekt zeitlich befristet ist und ob die Investitionen für eine Nachfolgenutzung verwenden können. Der Freistaat selber lässt offenbar lieber die Hände von dem sensiblen Objekt. Selber wolle die Regierung von Schwaben dort keine Unterkunft betreiben, hieß es gestern.

Ein ähnliches Asylbewerberheim-Projekt sorgt für Ärger

In Schwerte (Nordrhein-Westfalen) sorgt ein ähnliches Projekt gerade für Ärger. Dort sollen 21 Asylbewerber auf dem Gelände einer ehemaligen Außenstelle des KZ Buchenwald untergebracht werden. 700 Gefangene waren hier einst untergebracht und mussten für die Eisenbahn arbeiten. Ein Denkmal weist darauf hin. Die Baracke, in der die Flüchtlinge einziehen sollen, ist kein Originalbau, sondern stammt aus der Nachkriegszeit. Darin lebten Vertriebene, später war dort ein Kindergarten untergebracht. Auch in Schwerte war die Politik sich einig, allerdings kritisierten überörtliche Flüchtlingsinitiativen die Idee als „zynisch“ – inzwischen berichten überregionale Medien wie Spiegel und Zeit sowie Fernsehsender kritisch darüber.

Sozialreferent Kiefer ist sich dessen bewusst, hat mit Schwerte telefoniert, sich mit den einschlägigen Augsburger Organisationen sowie Wissenschaftlern, die an der Konzeption des Denkortes beteiligt sind, besprochen. Er sei auf einhellige Zustimmung gestoßen – immer unter Vorbehalt der Verknüpfung von Asylunterkunft und Denkort. Im Erdgeschoss haben außerdem Vereine, unter anderem „Amerika in Augsburg“ Autos untergestellt. Vorangetrieben hatte den Denkort maßgeblich der frühere Augsburger Geschichtsprofessor Philipp Gassert, der jetzt in Mannheim lehrt. Er wollte sich auf Anfrage nicht äußern – „und zwar weder im positiven noch im negativen Sinne“, wie er mitteilt. »Kommentar

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Ein Artikel von
Ute Krogull

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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