Der Augsburger Treppenstreit tobt seit Monaten und wird immer kurioser. Die städtische Bauverwaltung hat jetzt einen Baustopp für den modernen Aufgang am historischen Fünfgratturm (auch Fünffingerlesturm) verhängt. Dabei ist die umstrittene Konstruktion aus Beton und Metall so gut wie fertig.

Der Streitfall hat diese Woche zum wiederholten Mal den Stadtrat beschäftigt. Diesmal ging es um die Frage, ob der Aufgang zum Turm zu nah am Gehweg steht und dort für Beeinträchtigungen sorgt. Eine entsprechende Anfrage hatte Stadtrat Bernd Kränzle (CSU) gestellt.
Auf der Baustelle der Alt-Augsburg-Gesellschaft läuft offenbar nicht alles, wie es soll. Das bestätigt Baureferent Karl Demharter. Ein Aufseher des Bauordnungsamtes hat genau nachgemessen und kam zu dem Ergebnis, dass anders gebaut wurde als von der Stadt genehmigt. "Es gibt eindeutige Abweichungen vom Plan", sagt der Referent.
Konkret geht um den Luftraum über dem Gehweg. Nach Einschätzung der Verwaltung ragt die Treppenkonstruktion zu weit in den Raum über dem Bürgersteig hinein. Damit kann es laut Demharter Unfallgefahren geben, zum Beispiel für Räumfahrzeuge im Winter.
Die Bauverwaltung hat deshalb einen vorläufigen Baustopp für die Treppe verhängt. Die Alt-Augsburg-Gesellschaft wurde aufgefordert, Lösungsvorschläge für das Problem zu machen. Ein Vorschlag liegt bereits auf dem Tisch, wie Vereinsvorsitzende Anne Voit berichtet. Im Gespräch sei, den Gehweg neben der Turmtreppe zu verbreitern. Der Verein stehe in Kontakt mit den zuständigen Ämtern, um das weitere Vorgehen abzustimmen.
Endgültig sauer ist man unterdessen bei den Gegnern der Außentreppe, die 11 000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt haben. Die Planabweichungen beim Bau seinen der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, sagt Sprecherin Evi Hannen. "Im Grunde ist die Treppe jetzt ein Schwarzbau, den man abreißen müsste." Wie es im weitergeht, wird die neue Stadtregierung entscheiden. Wenn der Gehweg verändert werden muss, will Demharter den Bauausschuss entscheiden lassen. Der designierte OB Kurt Gribl ist bekanntlich kein Freund der Treppe.
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