Dienstag, 21. Mai 2013

17. Juli 2012 12:19 Uhr

Erstaufführung

Für eine Visionärin

Vox female singt in St. Anna die Mary-Ward-Messe von Wolfgang Thoma Von Manfred Engelhardt

Ihre Augsburger Premiere erlebte die „Mass in honour of Mary Ward“ in St. Anna. Wolfgang Thoma hat sie zum 400-jährigen Bestehen der Congregatio Jesu komponiert, das 2010 in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael gefeiert wurde. Vor 350 Jahren wurde am Lech das Englische Institut gegründet, und so kam das Werk des Augsburger Musikers, Komponisten und einstigen AZ-Musikpreisträgers (Orgel) auch hier zu Jubiläumsehren.

Der Weg der Engländerin war mühevoll, tragisch, doch von unbeirrbarer Zuversicht geprägt. Sie hatte sich an vielen Fronten durchzusetzen – auch gegen den Jesuitenorden. Lange dauerte es, bis der „ältere Bruder“ die jüngere Schwester, die Congregatio, anerkannte.

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In Wolfgang Thomas „Mass“ ist zu hören, was Mary Ward ausmacht: Visionärin und Kämpferin. Basierend auf dem englischen Missale Romanum von 1970 sind dem Solo-Sopran Originaltexte von Mary Ward, darunter die Inschrift auf ihrem Grabstein zugeordnet. Mit wunderbar lichten Melismen scheint das Solo (etwa im Kyrie „Serve God“ und im Gloria) elysisch und unbeirrbar über dem Messverlauf zu schweben, sich aus dem musikalischen Geschehen des Chors zu lösen (glänzend: Susanne Simenec).

Thoma verwendet Bausteine der alten modalen Tonfolgen. Chor, Solo und die von ihm gespielte Orgel sind spannungsvoll in ein System aus kristallin funkelnden Klangblöcken, ariosen Linien und behutsam dissonant verschärfter Mehrstimmigkeit eingewoben. Unter Christiane Steinemann meisterte der Augsburger Frauenchor vox female das heikle Werk. Er realisierte auch bravourös Wolfgang Thomas an der Gregorianik orientierte alte Sequenz „Komm, Du Geist der Heiligkeit“.

Als virtuoser Organist imponierte Thoma mit Werken aus alter und neuer Zeit: mit einer „Fancy“ des Mary-Ward-Zeitgenossen Thomas Tomkins ebenso wie mit der raffiniert dosierten Kraft der Toccata „Veni Creator Spiritus“ von Gaston Litaize (1909–1991) sowie der Bearbeitung von Bachs berühmter Chaconne aus der d-Moll-Violinpartita – einem Wunder musikalischer Entwicklung.

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