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Bild: Silvio Wyszengrad
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Triebwagen des Fuggerexpress aus Dinkelscherben und Donauwörth werden in Augsburg zu langen Zügen nach München zusammengekuppelt. Jetzt will die Bahn diesen Vorgang beschleunigen, womit eingefahrene Verspätungen zumindest teilweise ausgeglichen werden sollen.

Augsburg
06.04.2017

Fugger-Express: Mehr Lokführer für mehr Pünktlichkeit

Von Stefan Krog

Der Fugger-Express soll pünktlicher werden: Wie die Bahn beim Wenden ihrer Züge und beim Zusammenkuppeln die ärgerlichen Verspätungen kompensieren will.

Die Bahn will beim Fugger-Express (wieder einmal) pünktlicher werden: München-Pendler berichten regelmäßig von Verspätungen, auch der Fahrgastverband „Pro Bahn“ kritisierte diese mehrmals. Mit 91 Prozent Pünktlichkeit im vorigen Jahr war auch Bärbel Fuchs, bei DB-Regio verantwortlich für Schwaben, nicht zufrieden. Angepeilt sind 95 Prozent. Zudem kündigt die Bahn bereits jetzt an, zum nächsten großen Fahrplanwechsel im Dezember nachmittags mehr Züge einsetzen zu wollen.

Die Pünktlichkeit ist beim Fugger-Express seit mehr als einem halben Jahr ein verstärktes Thema. Erst bremste die Sommerbaustelle auf der Strecke nach Ulm den Verkehr in Richtung Augsburg (und somit die Weiterfahrt der Züge in Richtung München) aus, dann gab es mehrere Wochen, in denen Personen im Gleis, liegengebliebene Güterzüge und Probleme mit Triebwagen den Fahrplan durcheinander wirbelten. Und zuletzt sorgte der eiskalte Januar für Störungen. Folge: Die Pünktlichkeitswerte gingen deutlich nach unten. „Unpünktlich“ ist ein Zug in der Zählweise der Bahn, wenn er mehr als fünf Minuten Verzögerung hat.

Seit Anfang April setzt die Bahn nun in der Hauptverkehrszeit mehr Lokführer ein, um Verzögerungen zu vermeiden. Das Problem: Kommt ein Zug schon mit Verzögerung in München an, wo die Züge wenden, ließ sich die Verspätung bisher kaum ausbügeln. Denn die Wendezeiten sind knapp kalkuliert. Bisher musste der Lokführer bei einem aus mehreren Triebwagen zusammengekuppelten Zug mehrere hundert Meter laufen, um zum Führerstand am anderen Ende zu kommen. Jetzt steht bei Verbindungen in der Hauptverkehrszeit schon ein anderer Lokführer am Bahnsteig bereit, der den Zug sofort wieder starten und so Verspätungen zumindest teilweise aufholen kann.

Zeitpuffer schaffen

„Auch beim Zusammenkuppeln werden wir schneller“, kündigt Fuchs an. Triebwagen aus Donauwörth und Dinkelscherben werden in Augsburg zu einem Zug Richtung München zusammengehängt. Das geht aufgrund von Automatikkupplungen zwar relativ schnell, aber die Elektronik muss diesen Schritt immer an die Fahrdienstleitung melden. Das klappt künftig schneller – auch dadurch will man Zeitpuffer gegen Verspätungen schaffen. Zudem will die DB die Gleise zwischen München-Pasing und Hauptbahnhof besser absichern: Zuletzt sorgten Personen im Gleisbereich hier immer wieder für Vollsperrungen.

Dass die Bahn sich bei der Pünktlichkeit müht, kommt nicht von ungefähr. Ab 2020/21 steht die Neuvergabe des Bahnverkehrs rund um Augsburg (mit Ausnahme der Bahnstrecke aufs Lechfeld Richtung Bobingen) an. Bewerben können sich neben der DB auch private Firmen. Etwa eine Handvoll Unternehmen dürfte es geben, die den Verkehr stemmen könnten. Für die DB wäre der Verlust des Fugger-Express schmerzlich, nachdem sie zuletzt die Strecke aufs Lechfeld an den Mitbewerber Bayerische Regiobahn BRB – sie fährt bereits auf der Paartal- und Ammerseebahn – verloren hatte. Der Freistaat hat bereits angekündigt, mehr Druck bei der Pünktlichkeit machen zu wollen. Bahnunternehmen sollen künftig bereits ab drei Minuten Verzögerung Strafzahlungen an den Freistaat zahlen müssen und nicht wie bisher ab sechs Minuten.

Unklar ist noch, ob der Freistaat bei der Ausschreibung neue Fahrzeuge vom künftigen Betreiber fordern wird. Einerseits machten die Triebwagen wegen ihrer Fehlerhaftigkeit zumindest in der Vergangenheit Schlagzeilen. Andererseits ist das Thema auch im Hinblick auf den zweiten S-Bahn-Tunnel in München interessant. Noch handelt es sich um Planspiele, aber möglich wäre es nach dem Stammstrecken-Ausbau, dass es Züge gibt, die von Augsburg aus direkt unter der Münchner Innenstadt hindurch zum Flughafen fahren. Mit den bestehenden Triebwagen wäre das aber nicht ohne Weiteres möglich.

Zudem will die Bahn auch die Kapazitäten erhöhen. Schon zum Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember habe man die Nachmittagszüge verstärkt, die München-Pendler zurück zu ihrem Wohnort nach Augsburg bringen. 1000 zusätzliche Sitzplätze biete man seitdem mehr. Im kommenden Dezember sollen weitere 450 Sitzplätze dazukommen – 224 morgens Richtung München, 224 nachmittags Richtung Augsburg.

Stabile Fahrgastzahlen

Die Fahrgastzahlen beim Fugger-Express sind laut Bahn im Wesentlichen gleich geblieben. Man habe 2016 einen leichten Anstieg um ein Prozent im Vergleich zu 2015 gehabt, wobei die Bahn 2015 streikbedingt leichte Einbußen hatte. Laut Fuchs habe sich die Auslastung der Züge von und nach Dinkelscherben mit dem Ausbau der Autobahn verringert. „Das ist schon spürbar.“

Ansonsten liege man bei der Fahrgastzufriedenheit nicht schlecht. In der Qualitätsrangliste der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die für den Freistaat den Nahverkehr in Bayern koordiniert, rangiert der Fugger-Express im Mittelfeld. Bei Sauberkeit, Fahrgastinformation und Funktionsfähigkeit der Ausstattung landet der Fugger-Express auf Platz 17 von 28 Bahnnetzen in Bayern.

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