Warum haben die drei Frauen sich ihr Martyrium ausSchlägen und brutalem Sex gefallen lassen? Um diese und andere Fragen ging es in einem Prozess vor dem Augsburger Landgericht. Von Peter Richter

"Ich war 19 und auch ein bisschen dumm." Mit diesen Worten versucht die Zeugin zu erklären, was nicht nur für die Richter, sondern auch die vielen Zuhörer im Gerichtssaal schwer zu begreifen ist. Warum hat sie, warum haben die drei Frauen, die vor der 8. Strafkammer des Landgerichts als Nebenklägerinnen auftreten, sich ihr Martyrium aus Schlägen und brutalem Sex gefallen lassen? Mit dem Täter, der jetzt vor ihnen auf der Anklagebank sitzt, haben sie eine Zeit lang mehr als nur das Bett geteilt.
Das Urteil lautet auf über acht Jahre Haft
Eine schlüssige Antwort hat der sich über mehrere Wochen hinziehende Prozess nicht liefern können, wohl aber ein Urteil. Das Gericht sprach den 33 Jahre alten Augsburger in dieser Woche der mehrfachen Vergewaltigung und Körperverletzung schuldig. Er wurde zu acht Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Dabei hatte der gelernte Bankkaufmann noch Glück, die Strafe hätte auch höher ausfallen können.
Das überraschende, wenn auch späte Geständnis des Angeklagten, verteidigt von Rechtsanwalt Moritz Bode, leitete das Prozessende ein. Der Augsburger hatte zunächst alle Vorwürfe bestritten. Die Zeuginnen, einst seine Lebensgefährtinnen, eines "Komplottes" gegen ihn bezichtigt.
Gewisse Zweifel an seiner Schuld waren auch beim Gericht erkennbar, vor allem als jene damals 19-jährige Floristin als Zeugin aussagte. Sie sei "fast jeden zweiten Tag" von ihm geschlagen und einmal sogar durch Hundekot geschleift worden.
Ein Opfer ging schließlich zur Polizei
Trotz mehrerer brutaler Vergewaltigungen war sie dennoch bereit, sich für den 33-Jährigen mit mehr als 300 000 Euro zu verschulden. Der Mann hatte sie durch seinen Charme eingewickelt. "Er hat so wahnsinnig gut reden können." Der gelernte Bankkaufmann versteht es offenbar, sich bei Frauen in Szene zu setzen.
Immerhin hatte er es beruflich bis in die bayerische Landesbank gebracht, wo er allerdings bald schon wegen einer Frauengeschichte an die Luft gesetzt worden war. Eine seiner Ex-Freundinnen, die er ebenfalls geschlagen, gedemütigt und zudem finanziell ausgenommen hatte, war zur Polizei gegangen.
Gericht verzichtet auf Sicherungsverwahrung
Der Würzburger Sachverständige Wolfgang Goebel, der den Angeklagten psychiatrisch untersucht hat, äußerte sich skeptisch, ob der 33-Jährige dieses Verhalten gegenüber Frauen, trotz hoher Intelligenz, je wird ablegen können. Weil der Gutachter sich nicht festlegen mochte, verzichtete das Gericht darauf, den Angeklagten in Sicherungsverwahrung zu nehmen. Das hätte bedeutet, dass der 33-Jährige nach verbüßter Haft auf unbestimmte Zeit weiter hinter Gittern geblieben wäre.
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