Mittwoch, 17. Januar 2018

24. Juni 2010 05:42 Uhr

Gewaltige Summen für reines Wasser

Siebenbrunn Augsburg zählt zu den wenigen Städten in Deutschland, die noch heute ihr Trinkwasser im eigenen Stadtgebiet gewinnen und unbehandelt an den Verbraucher liefern können. Mit dem Slogan "Augsburg hat eines der besten Trinkwässer in Europa" werben die Stadtwerke. Dieses Wasser wird überwiegend in der Lechebene im Süden der Stadt gewonnen. Deshalb gilt diesem Gebiet seit Jahrhunderten Augsburgs besonderes Interesse. VON FRANZ

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VON FRANZ HÄUSSLER

Der Siebentischwald, Siebenbrunn sowie der südlich anschließende Haunstetter und Stadtwald sind Augsburgs Trinkwasser-Einzugsgebiete. Bereits dort werden die Grundwasserströme mit etwa 50 Proben pro Woche auf Schadstoffeinträge überwacht. Hier befinden sich 12 eingezäunte Fassungsbereiche mit rund 70 Brunnen. Diese sind weiträumig von der "Engeren Schutzzone" sowie drei weiteren Schutzzonen umgeben. Bevor das in den Brunnen gefasste Wasser in das 880 km lange Rohrnetz zu den über 310 000 Kunden geschickt wird, überprüft permanent ein hoch sensibles elektronisches Labor vollautomatisch wesentliche physikalische und chemische Inhaltsstoffe. Damit ist die Kontrolle keineswegs beendet: In Laboruntersuchungen wird darüber hinaus Woche für Woche aus rund 60 Wasserproben unter anderem nach rund 65 Arzneimittel-Bestandteilen gefahndet. Die aktuelle Trinkwasseranalyse ist für jedermann bei den Stadtwerken abrufbar. Sie enthält über 60 Einzel-nachweise.

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Vorschriften mussten verschärft werden

Auf Siebenbrunn, das gänzlich in der "Engeren Schutzzone" liegt, hat der Trinkwasserschutz nach wie vor einschneidende Auswirkungen. Bereits nach Ende des Zweiten Weltkriegs sicherte sich die Stadt per Verordnung das Vorkaufsrecht für alle Siebenbrunner Privatgrundstücke. 1947 verhinderte sie den Wiederaufbau der kriegszerstörten Anwesen Nr. 17 und 17½. Je mehr sich dank weiterentwickelter Untersuchungsmethoden die Erkenntnisse über die Verseuchung der Böden verdichteten, umso dringlicher musste die Stadt die Vorschriften zum Schutz des Trinkwassers verschärfen.

Rigorose Handhabung des Gewässerschutzes

Am 20. Dezember 1962 trat die "Gemeindeverordnung über die Reinhaltung des für die öffentliche Wasserversorgung bestimmten Grundwassers in der Stadt Augsburg" in Kraft. Damit war Siebenbrunn mit einem absoluten Bauverbot sowie strengen Auflagen bei Umbauten und Renovierungen belegt. Abermalige Bodenuntersuchungen Anfang der 1970er Jahre ließen eine Ausweitung und rigorose Handhabung des Gewässerschutzes geraten erscheinen. Die Folge: 1977 beschloss der Stadtrat den Abriss des Siebenbrunner Unterdorfes um die stillgelegte Mechanische Weberei. Der Kauf von Anwesen und großen Flächen war Teil der Schutzmaßnahmen. Nicht zu kaufen brauchten die Stadtwerke den 164 Hektar großen Haunstetter Gemeindewald: Er fiel Augsburg bei der Eingemeindung im Jahre 1972 zu. Ansonsten erhöhten sich die Kaufsummen durch steigende Bodenpreise gewaltig. 1963 hatten noch 500 000 DM gereicht, um 17 Hektar aus dem einstigen Tattenbach'schen Wald zu bekommen. Drei Jahre später kostete die nur sieben Hektar große "Jägerwiese" nahe dem Forsthaus 357 000 DM!

Die Arrondierung stadteigener Flächen gelang durch viele Tauschgeschäfte. Sie waren vor allem durch die Lech-Regulierung, den Bau der Staustufen und die Anlage von Hochwasser-Schutzdämmen nötig und möglich. Es musste aber auch tief in die Rücklagen gegriffen werden: 1992 kam es zum Erwerb der einstigen Haunstetter Spinnerei und Weberei (6,8 Mill. DM). 28 Mill. DM kostete 1994 die Textilfabrik Martini mit einem Areal von 24,3 Hektar, weitere 5,7 Millionen Mark verschlangen Abbrüche und Rekultivierung. Kaufen, kaufen, kaufen - das wurde zur Devise beim Trinkwasserschutz.

Insgesamt 80 Mill. Euro investierten die Stadtwerke allein zwischen 1989 und 2009 in den Erwerb von 1050 Hektar. Dies ist die Folge der Erkenntnis, dass der Eigenbesitz großflächiger Wasser-Einzugsbereiche die absolute Reinhaltung der Böden am zuverlässigsten garantiert. Derzeit besitzt die Stadt Augsburg zirka 1500 Hektar, die Stadtwerke besitzen weitere 1045 Hektar im insgesamt rund 5200 Hektar großen Trinkwasserschutzgebiet.

Erstsiedler-Gebäude bleiben erhalten

Extensive Bewirtschaftung bis zur völligen Einstellung landwirtschaftlicher Nutzung und Aufforstungen veränderten das Landschaftsbild in und um Siebenbrunn. Gebäudeabbrüche ließen Kulturspuren der "Kolonisten" verschwinden. Einige Neubauten wurden trotz des grundsätzlichen Bauverbots genehmigt. Andererseits ist die Denkmalpflege bemüht, die kulturhistorische Bedeutung von Siebenbrunn durch Erhalt typischer Erstsiedler-Gebäude sichtbar zu halten. Dazu zählen neben den beiden verbliebenen Herrenhäusern ein paar restliche Wohngebäude ehedem bäuerlicher Klein-anwesen. Auch sie sind Baudenkmale.

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