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29. November 2011 12:16 Uhr

Domviertel

Grand Hotel!?

Für die einen ist es eine Asylbewerberunterkunft, für die anderen eine große Idee: Eine Künstlergruppe plant einen Ort für Ateliers, Wohnungen und ein Café.

Neugier und Zweifel mischen sich. „Grand Hotel“ steht auf dem Kärtchen. Darauf ist das Paul-Gerhardt-Haus im Domviertel mit Palmen zu sehen. Flüchtlinge sollen dort bald wohnen, Anwohner sind besorgt, eine Künstlergruppe plant ein Grand Hotel... Und jetzt steht im Eingangsbereich dieses braun-türkise Stück Augsburg. „Gut, oder?“, sagt Georg Heber. Er löst das Gefühl – kenn’ ich irgendwoher – auf: „Das ist die alte Ladentheke von Foto Bachschmid.“ Der Laden am Rathausplatz ist zu, doch das Möbelstück lebt weiter im ehemaligen Altenheim im Springergässchen.

Einen Raum weiter sitzen ein paar der Menschen, die seit einigen Wochen das Haus der Diakonie bevölkern. Georg Heber, Sebastian Kochs und Michael Adamczyk haben sich im dritten Stock eingenistet und an ihrem Konzept geschrieben. „Grand Hotel“ steht darüber – das wirft Fragen auf. Die Künstlertruppe spielt mit dem luxuriösen Wort: Ein provokanter Blick auf das Vorurteil, dass es Asylbewerbern in Deutschland angeblich so gut geht. Aber auch ein Blick zurück. „Das Grand Hotel war früher ein Spiegel in die Welt“, sagt Heber. Gäste kamen und gingen. „Wir erinnern an die Nostalgie und wollen zeigen, dass es auch ein Grand Hotel für Menschen mit schmalem Geldbeutel geben kann“, ergänzt Lukas Rae-ther die Diskussion in der provisorischen Baustellenküche.

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Ein Café und ein Restaurant sollen dazu kommen

Die vielfältigen Ideen lassen sich konzentrieren: In dem ehemaligen Altenheim der Diakonie sollen Künstler ihre Ateliers einrichten können, ein Café und ein Restaurant sollen dazu kommen. Im anderen Teil sind Wohnräume geplant – Wohnen auf Zeit, denn die „soziale Skulptur“ (Georg Heber) wird nur drei bis fünf Jahre leben.

Die Künstler sprechen von Wohnen ohne und mit Asyl. Ihre Nachbarn reden dagegen von einem Asylbewerberheim, in dem ab nächstem Jahr 60 bis 70 Flüchtlinge unterkommen sollen. Beides stimmt und es wird spannend sein, wenn sich die Gruppen morgen um 19 Uhr treffen. Die Macher des „Grand Hotel“ haben die Anwohner eingeladen.

Diese hatten erschrocken reagiert, als die Asyl-Pläne der Diakonie aufkamen. Pfarrer Fritz Graßmann sieht es jedoch als „christliche Pflicht“, die Menschen aufzunehmen, weil Plätze fehlen. Er war auch offen, als das Trio Heber, Kochs und Adamczyk seine Idee eines „Kulturhotels“ präsentierte. Inzwischen haben sie beides zu einem verwoben, dem „Grand Hotel“.

Die Gedanken dahinter sind vielfältig und passen nicht in übliche Schubladen. „Wir bieten den Menschen einen Freiraum“, sagt Sebastian Kochs. Wer will, kann sich am „Grand Hotel“ einbringen. Am Freitag und Samstag kann sich jeder dort umsehen, danach immer von Donnerstag bis Samstag (14 bis 22 Uhr). „Wir möchten Menschen bekommen, die etwas Positives für die Gesellschaft tun möchten“, ergänzt er. Heute sind es Freiwillige, morgen sollen es auch Asylbewerber sein, die an ihrer Heimat mitarbeiten. Sie sollen im Domviertel nicht „verwahrt“ werden, sondern sich einbringen können. Das Schlagwort heißt „Verantwortung“.

Alle im Gerhardt-Haus arbeiten bislang ohne Lohn, die Farbe hat eine Firma gespendet, Möbel stammen aus Nachlässen und Sozialkaufhäusern. Ohne Asyl könnten hier einmal Gastschauspieler wohnen, es laufen Gespräche mit dem Theater, sagt Heber, der zuletzt am gleichermaßen kreativen wie erfolgreichen Projekt Jean Stein auf dem Hasenbräu-Gelände gearbeitet hatte.

Ein Toningenieur mischt schon Musik

Ein paar Schritte weiter ist die neue Idee schon Realität geworden. An der Tür steht noch der frühere Bewohnername „B. Pollety“, doch hinter der Tür ist vom Altenheim nichts mehr zu sehen. Toningenieur Stef Maldener hat sich ein Studio eingerichtet – im Gegenzug arbeitet er am Haus mit. Zwei Stockwerke höher zeigt Heber in die Tiefe: der Garten. Hier könnte Gemüse für das geplante Restaurant wachsen – die Kritiker hatten unter anderem fehlendes Grün beklagt.

Morgen Abend können sie sich ein Bild machen. Sie werden an einem braun-türkisen alten Stück Augsburg vorbeigehen und ein ganz neues, anderes betreten.

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