Gustav und Misuk traten im Café Gustav auf. Es war ein kleiner, feiner Brecht-Abend mit der kleinen, feinen Atmosphäre eines Kellerclubs. Von Christian Imminger
Es war ein kleiner, feiner Abend mit der kleinen, feinen Atmosphäre eines Kellerclubs in der Nachbarschaft und insofern eine gute Wahl der Veranstalter, den zweiten Teil der Konzertreihe "Abenteurer mit kühnem Wesen" im Café Viktor abzuhalten.
Was aber natürlich auch an den Künstlern lag, allen voran Misuk, der (nach einem Kunstwort Brechts benannten) Elektro-Jazz-Formation aus Augsburg um die unglaublich präsente, ausdrucksvolle Sängerin Eva Gold. Deren Interpretationen von Brecht-Texten waren gerade in ihrer Zeitgemäßheit zeitlos schön, wenn sich etwa die Musiker von den Weill-Kompositionen emanzipierten wie bei dem energiegeladen-vital vorgetragenen "Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens".
Ganz anders hingegen die Laptop-Politpop-Künstlerin Gustav: Unter ihrem bürgerlichen Namen Eva Jantschitsch schon beim ersten abc-Festival in Augsburg, ist die Österreicherin mittlerweile ein Liebling der Feuilletons geworden und, wenn der Eindruck nicht täuscht, gerade mal wieder dabei, sich ein Stück weit neu zu erfinden: Mit ebenso makellosem Haar wie perfektem Sound gab sie ihren eigenen Klassikern wie etwa "We shall overcome" einen überbetont artifiziell-coolen, aber nicht minder eindrucksvollen Klang - Abenteurer mit kühlem Wesen. Dass sie ausgerechnet bei einem Brecht-Abend ihre Antiglobalisierungs-Ballade "Genua" nicht anstimmen mochte, passte da fast schon ins Bild. Darauf angesprochen, meinte die wie stets eher vorbeihuschende denn gehende Sängerin jedenfalls nur: "Naa, nix mehr." Egal: Schön war's. (cim)
|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: