Donnerstag, 19. Januar 2017

11. Januar 2017 14:47 Uhr

Polizistenmord

Gutachter soll angeschossene Polizistin untersuchen

Die Beamtin Diana K. war dabei, als ihr Kollege Mathias Vieth erschossen wurde. Jetzt will sie Geld von den verurteilten Mördern. Wie lange der Zivilprozess dauert, ist offen.

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Der Polizist Mathias Vieth wurde im Augsburger Siebentischwald Ende Oktober 2011 getötet. Jetzt verklagt seine damalige Kollegin die Täter auf Schmerzensgeld.
Foto: Anne Wall (Archiv)

Der Schmerzensgeld-Prozess der angeschossenen Augsburger Polizeibeamtin Diana K.  gegen die verurteilten Polizistenmörder Rudolf Rebarczyk und Raimund Mayr wird sich noch lange hinziehen. Richter Rudolf Weigell gab am Mittwoch bekannt, dass nun erst einmal ein Gutachten über den psychischen Zustand der Polizistin angefertigt wird. Beauftragt mit der Expertise ist der Psychiater Johannes Weiss-Brummer vom Bezirkskrankenhaus Augsburg. Bis das Gutachten fertig ist, dürften Monate vergehen. Danach haben beide Prozessparteien die Gelegenheit, Stellung dazu zu nehmen. Im nächsten halben Jahr ist also nicht mit einem weiteren Prozesstermin zu rechnen. Wie es dann weitergeht – ob der Fall vor dem Zivilgericht zum Beispiel neu aufgerollt wird oder ob die Brüder als Zeugen aussagen müssen - ist im Moment ebenfalls völlig offen.

Der Mord im Augsburger Stadtwald liegt jetzt bereits fünf Jahre zurück. Am 28. Oktober 2011 ist der Polizeibeamte Mathias Vieth, 41, dort bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd erschossen worden. Vieth und seine Kollegin hatten die Täter wahrscheinlich bei der Vorbereitung eines Raubüberfalls überrascht. Die Brüder Rudolf Rebarczyk, 61, und Raimund Mayr, 63, sind rechtskräftig als Mörder verurteilt und sitzen im Gefängnis.

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Doch der Fall beschäftigt noch immer die Justiz. Denn die Wunden bei den Opfern der Brüder sind längst nicht verheilt. Diana K., 35, war in der Mordnacht die Streifenpartnerin des erschossenen Beamten. Sie erlitt bei der Schießerei, bei der die Täter unter anderem mit einer Kalaschnikow gefeuert hatten, nur einen Streifschuss im Bereich der Hüfte. Doch sie musste mit ansehen, wie ihr Kollege starb. Auf sich alleine gestellt, in einem dunklen Waldgebiet.

Polizistin fordert 40.000 Euro Schmerzensgeld

Die psychischen Folgen für die Beamtin sind entsprechend massiv. Deshalb fordert sie von den verurteilten Brüdern nun 40.000 Euro Schmerzensgeld. In der Klage ist die Rede von einer posttraumatischen Belastungsstörung und von Panikattacken, an denen die Frau seither leidet. Im Streifendienst kann sie nicht mehr arbeiten. Einige Zeit musste sie in einer psychosomatischen Klinik stationär behandelt werden. Wie sich der psychische Zustand der Beamtin genau darstellt, wird Gegenstand des psychiatrischen Gutachtens sein.

Schon am ersten Prozesstag hatte sich gezeigt, dass es kein einfaches Verfahren sein wird. Die Brüder bestreiten den Polizistenmord bis heute. Das Schwurgericht hatte sie aber aufgrund einer Reihe von Indizien wie DNA-Spuren und bei Razzien gefundenen Tatwaffen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Im Zivilprozess wird auch die Frage sein, ob und wie gründlich noch mal die Schuldfrage aufgerollt werden soll. Alleine auf das Ergebnis des Strafprozesses wird sich Richter Rudolf Weigell nicht berufen können. Beide Seiten können in dem Zivilprozess Beweisanträge stellen. Es wird daher auch vieles davon abhängen, welche Strategie die Rechtsanwälte von Rebarczyk und Mayr einschlagen werden.

Ob Diana K. überhaupt Chancen hat, jemals Geld von den Brüdern zu bekommen, steht auf einem anderen Blatt. Ihre Anwältin Marion Zech meint: ja. Vom Verdienst eines arbeitenden Häftlings kann ein Teil gepfändet werden. Und sollte einer der beiden rechtskräftig verurteilten Mörder eines Tages seine Geschichte in den Medien vermarkten, müsste er Honorare an Diana K. abtreten.

Supermarktkette will Geld von Überfall zurück

Die Klage der Polizeibeamtin ist nicht das einzige Zivilverfahren zu dem Komplex, das derzeit am Augsburger Landgericht verhandelt wird. Eine Supermarktkette klagt gegen Rudolf Rebarczyk wegen eines Raubüberfalls, den die Brüder im Frühjahr 2011 begangen haben sollen. Auch in diesem Fall wurde ihre Schuld bereits festgestellt. Die Supermarktkette fordert die Beute zurück – gut 4000 Euro.

Beim Überfall hatten zwei Maskierte das Personal mit Pistolen und Schlagstöcken bedroht. Die Beute bestand ausschließlich aus Münzgeld. Als die Ermittler im Dezember 2011 die Wohnungen und Verstecke der Brüder durchsuchten, stießen sie auch auf mehrere tausend Euro Münzgeld. Laut Polizei ebenso in Rollen verpackt wie die Beute aus dem Supermarkt-Überfall.

Doch als Zeuge im Zivilprozess hatte Raimund Mayr im November eine andere Geschichte erzählt. Das Geld stamme nicht aus einem Überfall, sondern von einem Waffengeschäft. Detailliert berichtete er von einem Mann, der nach Augsburg gekommen und ihm Waffen abgekauft habe. Der habe mit Münzgeld bezahlt. Ende Januar soll auch Rudolf Rebarczyk dazu befragt werden. Er hat im Jahr 1975 schon einmal einen Augsburger Polizisten erschossen und sitzt zum zweiten Mal eine lebenslange Strafe ab. Zeugenvernehmungen der beiden Brüder sind für Polizei und Justiz eine große Belastung. Weil Rebarczyk und Mayr als extrem gefährlich gelten, werden sie bei den Transporten aus dem Gefängnis jeweils von etlichen Polizeibeamten scharf bewacht.

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Holger Sabinsky-Wolf

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