Im Fall des in Augsburg ermordeten Polizisten Mathias Vieth hat das Amtsgericht Augsburg den Haftbefehl gegen eine 31-jährige Verdächtige auf Antrag der Staatsanwaltschaft erweitert. Der Haftbefehl stützt sich laut Staatsanwaltschaft auch auf den dringenden Verdacht der Hehlerei.
Waffen im Keller gefunden
In einer Vernehmung hatte die 31-Jährige zugegeben, mehr als 30.000 Euro aus einer der Kisten in ihrem Keller, in denen auch die Waffen gefunden wurden, herausgenommen und in ihrer Wohnung versteckt zu haben.
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Geld sichergestellt
Bei einer erneuten Wohnungsdurchsuchung entdeckte die Polizei das Geld und stellte es sicher. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollen Staatsanwaltschaft und Polizei keine Details zur Herkunft des Geldes nennen.
Vierte Verdächtige festgenommen
Vor kurzem hatte die Polizei eine vierte Verdächtige festgenommen. Der Frau, die eine Geliebte des mordverdächtigen Raimund M. (58) gewesen sein soll, wird vorgeworfen, von Plänen für einen Raubüberfall gewusst und die mutmaßlichen Täter unterstützt zu haben. Sie ist derzeit aber nicht in Untersuchungshaft. Die Frau sei gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden, hieß es. (AZ)
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Der Augsburger Polizeibeamte Mathias Vieth wird am frühen Morgen des 28. Oktober 2011 im Augsburger Siebentischwald von unbekannten Tätern erschossen.
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Der Streifenbeamte und seine Kollegin wollen an diesem Freitagmorgen gegen drei Uhr auf einem Parkplatz am Augsburger Kuhsee ein Motorrad mit zwei Männern kontrollieren. Die beiden Verdächtigen flüchten sofort in den nahen Siebentischwald, die Beamten nehmen mit ihrem Streifenwagen die Verfolgung auf.
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Im Wald stürzen die Motorradfahrer. Dann kommt es zu einem Schusswechsel zwischen Beamten und Tätern. Der 41-jährige Polizeibeamte wird trotz Schutzweste tödlich am Hals getroffen, seine Kollegin durch einen Schuss an der Hüfte verletzt. Die Täter flüchten. Ihr Motorrad lassen sie am Tatort zurück.
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Eine anschließende Großfahndung, an der sich im Lauf des Freitags mehrere hundert Polizeibeamte beteiligen, bleibt ohne Erfolg.
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"Wir werden alles tun, um diese Mörder, die vermutlich der schwerkriminellen Szene zuzuordnen sind, so schnell wie möglich dingfest zu machen", kündigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz nach der Tat an.
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Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Polizeibeamten die Täter bei einem kriminellen Geschäft oder Vorhaben gestört hatten. "Irgendetwas war da auf dem Parkplatz", sagt Oberstaatsanwalt Günther Zechmann.
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Die Augsburger Polizei richtet noch am gleichen Tag eine Sonderkommission ein. Der Soko "Spickel", benannt nach dem Augsburger Stadtteil, in dem die Tat geschah, gehören zunächst 40 Beamte an.
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Am 30. Oktober bestätigt die Polizei, dass sowohl der 41-jährige Polizist als auch seine Kollegin noch mehrere Schüsse auf die Täter abgeben hatten. Die Ermittler schließen nicht aus, dass einer der beiden Täter verletzt wurde.
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Zwei Tage nach dem Polizistenmord geben die Ermittler bekannt, dass das Motorrad der beiden Täter in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2011 im Stadtgebiet von Ingolstadt gestohlen worden war. Dabei wurde die rund 15 Jahre alte Honda kurzgeschlossen.
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Drei Tage nach dem tödlichen Schusswechsel rückt die Polizei erneut mit einem Großaufgebot im Augsburger Spickel an. Taucher von Polizei und Feuerwehr suchen in den Kanustrecken des Eiskanals nach Gegenständen.
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Am 3. November wird Mathias Vieth bestattet. Obwohl die Beisetzung im engsten Familienkreis stattfinden sollte, kommen rund 300 Menschen, um von dem getöteten Familienvater Abschied zu nehmen.
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Am gleichen Tag stockt die Augsburger Polizei die Soko "Spickel" um weitere 10 auf nun 50 Beamte auf. Zugleich wird die Belohnung, die zur Aufklärung des Polizistenmordes ausgesetzt ist, auf 10.000 Euro erhöht.
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Ein Abgleich von DNA-Spuren, die am Tatort gesichert werden konnten, mit der bundesweiten DNA-Datenbank ergibt laut Polizei keinen Treffer.
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Am 7. November findet im Augsburger Dom die offizielle Trauerfeier für Mathias Vieth statt. Auch Bayerns Innenminister nimmt daran teilt. Die Polizei erhöht an diesem Tag die ausgesetzte Belohnung. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Polizistenmörder führen, sind nun insgesamt 55.000 Euro ausgelobt.
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Zehn Tage nach dem Augsburger Polizistenmord greift die Sendung "Aktenzeichen XY" den Fall auf. Zwar gehen daraufhin mehrere Hinweise ein, eine heiße Spur ist aber nicht darunter.
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Zwei Wochen nach dem Verbrechen werden weitere Details des Tatablaufs bekannt. Demnach wurden Mathias Vieth und seine Kollegin im Siebentischwald aus der Dunkelheit heraus mit mehreren Waffen beschossen, zuerst wohl mit einer Pistole, dann offensichtlich mit einer größeren Waffe – mit größerer Durchschlagskraft. Vieth wurde dabei von mehreren Schüssen getroffen und tödlich verletzt.
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Dezember 2011: Die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wird auf insgesamt 100.000 Euro erhöht.
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Am 29. Dezember 2011 nimmt die Polizei in Augsburg und Friedberg zwei Verdächtige fest. Es handelt sich um zwei Brüder. Einer von ihnen hatte bereits 1975 einen Augsburger Polizisten erschossen.
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Nach der Festnahme der beiden Männer entdecken die Fahnder etliche Waffen und auch Sprengstoff. Belastet wird einer der Verdächtigen durch DNA-Spuren, die am Tatort gefunden wurden.
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Auf die Spur der beiden Männer kamen die Ermittler letztlich über ein Fahrzeug. Der Wagen war in Tatortnähe beobachtet worden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die beiden Brüder des Öfteren mit diesem Wagen unterwegs waren.
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Mitte Januar ergeht auch Haftbefehl gegen die Tochter eines der Verdächtigen. Bei ihr waren Anfang Januar drei Kalaschnikow-Schnellfeuergewehre und acht scharfe Handgranaten gefunden worden, die ihr Vater und dessen Bruder Rudi R. versteckt haben.
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Mathias Vieth ist der dritte Augsburger Polizeibeamte, der seit dem Zweiten Weltkrieg im Dienst sein Leben lässt.
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