Sie schien geglückt, die Lösung für den Augsburger Königsplatz. Ein ein Kilometer langer Autotunnel sollte es richten. "Die längste Röhre der Stadt ist in Sicht", kommentierte unsere Zeitung den Stand der Planungen. Das war vor ziemlich genau 40 Jahren. Der Tunnel kam nie zustande - heute schaut die Stadt am Kö schon längst wieder in die Röhre.
Augsburgs Verkehrsanbindungen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die B 17 wird kreuzungsfrei, auch im Osten der Stadt gibt es eine Umgehungsstraße. Sogar der Autobahnausbau und der Ausbau der Bahnstrecke nach München kommen sichtbar voran. Nur im Herzen der Stadt tat sich bislang herzlich wenig. Augsburg debattierte lieber - inzwischen ist der Umbau des Königsplatzes drängender denn je: Zum einen muss Augsburgs zentraler Verkehrsknotenpunkt eine zusätzliche Straßenbahnlinie bewältigen, die bereits ab Jahresende in Betrieb geht. Zum anderen ist der Umbau des Kö der Schlüssel für den Umbau des uralten Hauptbahnhofs.
Doch nun wird erneut diskutiert: Ist ein autofreier Kö nicht Segen, sondern Fluch für die Innenstadt? Sollte der Verkehr nicht anders geführt werden - und so weiter. Alles schon mal irgendwie da gewesen, alles schon gehabt - das Publikum wendet sich mit Grausen und hat aktuell die Wahl zwischen vier Varianten. Die Diskussion verheddert sich wieder einmal heillos und das liegt zum einen sicher daran, dass am Kö auf begrenztem Platz vielfältige Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen. Es liegt dieses Mal aber auch am Oberbürgermeister der Stadt.
Der Wahlkämpfer Kurt Gribl hatte den Kö als Vehikel benutzt, um seinen Vorgänger Paul Wengert auszuhebeln. Mit dem Slogan "Tunnel statt Chaos" warb die CSU damals um Stimmen und segelte damit unter falscher Flagge, wie die jetzt von ihren Spitzenleuten vertretene Position zeigt, deren Kernpunkt eine Unterbrechung und Verdrängung des Autoverkehrs in der Adenauer-Allee ist, eben der so genannte autofreie Königsplatz. Die treuherzige Erklärung, man habe sich hinterher von Experten eines Besseren belehren lassen, überzeugte sicherlich nicht jeden.
Es ist deshalb kein Wunder, dass sich ein Teil der Anhänger enttäuscht abwendet. Doch Gribl, dessen verkehrspolitische Glaubwürdigkeit seit seinem Ausspruch von der "gefühlten Vierspurigkeit in der Friedberger Straße" ohnehin lädiert ist, hat sich festgelegt. Er hat einen besser geplanten Königsplatzumbau versprochen, dessen zentraler Gedanke nach Gribl'scher Interpretation der autofreie Kö ist. Das lässt dem mit nur hauchdünner Mehrheit regierenden OB wenig Spielraum für Kompromisse mit den sich formierenden Gegnern. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob er sich mit seinen Vorstellungen durchsetzt. Aber selbst wenn, ist er noch nicht aus dem Schneider. Die von seinen Parteifreunden organisierte "Neue Augsburger Mitte" könnte durchaus klagen gegen die Pläne der Stadt - Ausgang und Dauer des Verfahrens sind ungewiss.
Es ist deshalb gut möglich, dass es in einigen Jahren rückblickend wieder heißt: Sie schien geglückt, die Lösung für den Augsburger Königsplatz . . .
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