Da raucht inzwischen auch so manchem Nichtraucher der Kopf: Zwei Monate nach Einführung des schärfsten Rauchverbots in Deutschland spricht CSU-Chef Erwin Huber plötzlich nach den Kommunalwahlen von einer Lockerung. "Die wollen doch nur mehr Stimmen bei der Landtagswahl", hieß es gestern vielerorts in Augsburg. Ansonsten sind die Reaktionen unterschiedlich: Die einen rauchen die Huber-Idee in der Pfeife, die anderen zünden zur Feier des Tages eine dicke Zigarre an. Von Lea Thies

"Ich kann das Thema Rauchverbot nicht mehr hören", sagt Franz Fischer, Besitzer des Thalia-Kaffeehauses. In seinem Lokal darf nicht geraucht werden und das findet Fischer gut so. Er gehört zu den Befürwortern der strengen Gesetzgebung. Auch das Personal in Clubs und Bars atmet seit 1. Januar auf. Sogar viele Raucher befürworten das jetzige Nichtraucherschutzgesetz, durch das sie weniger rauchen. "Es ist gut, dass die jetzige Regelung keine Ausnahmen zulässt. Entweder man will den Nichtraucherschutz oder nicht. Ich finde es negativ, wenn die Regelung wieder aufgeweicht wird", meint Fischer.
Oliver Weisse, Besitzer der Rio-Bar, sieht das anders. 750 Anmeldungen für seinen Raucherclub habe es in zwei Wochen gegeben. Der Vorschlag der CSU komme zwar spät und sei politisch motiviert, aber eine Lockerung des Gesetzes würde Weisse eine Menge Arbeit mit den Aufnahmeformularen für seinen Raucherclub sparen. "Erklären Sie mal nachts einem Betrunkenen, dass er erst unterschreiben muss", sagt er nur. Den Besitzern der kleinen Kneipen komme der Vorstoß des CSU-Chefs entgegen.
Ordnungsreferent Klaus Kirchner befürchtet ein großes Drunter und Drüber, wenn das Nichtraucherschutzgesetz wieder aufgeweicht wird. "Das alles hätte man sich vorher mal überlegen sollen", sagt er. Wird das Rauchen in den Plärrerzelten erlaubt? "Dafür bräuchten wir als Stadt erst eine Ermächtigung des Ministeriums", so Kirchner
Dr. Ralf Schulze, Leitender Oberarzt am Klinikum Augsburg, ist aus medizinischer Sicht ganz klar für einen Beibehalt der strengen Regelung. Er weiß um die Gefahren des Passivrauchens (siehe Infokasten). Wer sich als Nichtraucher in verqualmten Räumen aufhält, atmet passiv so viel Nebenstromrauch ein, wie er ein paar aktiven Zigaretten entspräche. Das Gesetz aufzuweichen hält Schulze für kontraproduktiv. Der Nichtraucher müsse geschützt werden. "Raucher können selbst entscheiden, welches Risiko sie eingehen. Aber man kann nicht andere zwingen, den Rauch einzuatmen." Schulze begrüßt die bisherige strenge Regelung des Nichtraucherschutzgesetzes. Er setzt sich auch stark für die Aufklärung von Jugendlichen ein. Leider sei noch immer Rauchen bei vielen Heranwachsenden cool. Daher hat er zusammen mit Kollegen am Klinikum die Aktion "Rauchen ist uncool" ins Leben gerufen. "Wir versuchen, die nächste Generation zu informieren und damit vielleicht zu schützen." »Bayern
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