Donnerstag, 22. Februar 2018

14. Februar 2018 15:40 Uhr

Augsburg

Hier finden Augsburgs Obdachlose die letzte Ruhe

Der Sozialdienst Katholischer Männer will nicht, dass Obdachlose anonym begraben werden. Inzwischen hat der Verein ein drittes Grab auf dem Westfriedhof in Pfersee erworben.

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Hans Stecker ist Vorstandsmitglied des Fördervereins Wärmestube SKM Augsburg. Der Verein hat inzwischen ein drittes Grab für Obdachlose erworben.
Foto: Silvio Wyszengrad

Auf der Beerdigung von Herbert K. vergangenes Jahr war fast kein Mensch. Nur ein Sozialarbeiter und ein Pater. Keine Angehörigen, keine Freunde, keine Kollegen. Der 80-jährige K. war lange Zeit Obdachloser in Augsburg. Dennoch bekam der einstige Lkw-Fahrer eine würdevolle Trauerfeier mit Begräbnis. Darum kümmerte sich der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM), der inzwischen ein drittes Gemeinschaftsgrab erworben hat.

„Wir wollen die Menschen nicht anonym begraben lassen“, sagt Hans Stecker, der vor den beiden Gemeinschaftsgräbern auf dem Westfriedhof in Pfersee steht. Gegenüber der Stätten wurde das dritte Gemeinschaftsgrab gemietet. Stecker ist Vorstandsmitglied des Fördervereins Wärmestube SKM Augsburg. Er und seine Kollegen finden, dass auch im Tode dem verstorbenen Menschen seine Würde erhalten bleiben soll. Dafür investiere man gerne Geld, auch wenn es hinten und vorne fehle. „Wer weiß, vielleicht schauen die Verstorbenen von oben herunter und sehen, dass man sich um sie kümmert“, sagt er mit einem leichten Lächeln. Die ersten zwei Gemeinschaftsgräber sind mittlerweile voll belegt.

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17 obdachlose Menschen wurden in Pfersee bestattet

17 obdachlose Menschen wurden dort überwiegend in Urnen bestattet. Was von ihnen bleibt, sind ihre Namen, Geburts- und Todesdaten, eingeritzt auf einzelnen Laubblättern aus Ton, angefertigt von einer Arbeitsgruppe beim SKM. Man sieht, manche von ihnen starben zu früh. Die Blätter sind auf den Grabsteinen angebracht. Sie sehen aus wie Laub, das vom Wind umeinander geweht wird. Verschiedene Lebensumstände hatten die persönlichen Schicksale der Verstorbenen tatsächlich durcheinandergebracht. Wie etwa das von Herbert K.

Stecker erzählt: „Der Mann war früher Lastwagenfahrer, lebte in einem Haus, hatte Familie.“ Durch sein Alkoholproblem sei die Familie aber zerbrochen. Irgendwann landete K. auf der Straße. Als er im vergangenen Jahr starb, habe man beim SKM versucht, die Familienangehörigen zu erreichen. Irgendwo bei Nürnberg sollen sie leben, sagt Stecker. Mehr Informationen hatte man aber nicht. Das Bemühen blieb erfolglos.

So kamen eben nur ein Sozialarbeiter des Vereins sowie Pater Simon, der diese Beerdigungen gestaltet. Der Geistliche, der sich auch als Seelsorger um Obdachlose kümmert, sieht das als einen Akt der Barmherzigkeit. Eine ähnliche Motivation hat Bruno Ardelt. Der Drehorgelspieler aus Krumbach, der oft auch in Augsburgs Fußgängerzone musiziert, sorgt bei manchen der Trauerfeiern für die Musik. „Ein bisschen was Soziales sollte man machen“, findet der 80-Jährige. Das erste Gemeinschaftsgrab erstand der SKM auf dem Westfriedhof vor 13 Jahren. Damals war Vladimir Khlebnikoc gestorben. „Er war ein in Augsburg bekannter Obdachloser. Er verkaufte die Zeitschrift Riss“, erzählt Hans Stecker. „Wegen ihm haben wir das erste Grab eingerichtet.“

Förderverein kennt meistens die persönlichen Schicksale

Die jetzt neu erworbene dritte Begräbnisstätte hat Platz für acht Urnen und zwei Särge. Von einem Friedberger Steinmetzbetrieb bekomme man laut Stecker einen Grabstein geschenkt. Die Caritas habe zugesagt, sich mit ihrer Gärtnerei um die Bepflanzung zu kümmern. Der Förderverein sorgt sich um die letzte Ruhe der Menschen, die kein leichtes Leben hatten. Eines aber fehlt noch: „Wir suchen Besucher des Westfriedhofs, die sich bereit erklären, die Gräber zu gießen“, berichtet Stecker. Auch wenn die Obdachlosen oft keine sozialen Kontakte aus ihrem früheren Leben mehr haben, beim SKM kennt man meist ihre persönlichen Schicksale durch den Kontakt mit den Sozialarbeiter. Stecker schätzt, dass es derzeit in Augsburg 60 bis 80 Menschen ohne festen Wohnsitz gibt, die unter anderem zu ihnen in die Wärmestube kommen. Er ist aber überzeugt, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ausfällt.

„Das liegt auch an der prekären Wohnungssituation. Unter die Dunkelziffer fallen auch die, die nicht täglich eine Unterkunft haben.“ Eine genaue Zahl sei aber schwer zu fassen. Ein Grundsatz war Stecker schon immer wichtig. Er treibt ihn in seinem Engagement an: „Man muss Menschen achten, auch wenn sie ganz am Boden sind.“

Wer Interesse hat, beim Gießen der Gräber zu helfen, kann sich an den SKM unter 0821/45045830 oder per Mail an info@waermestube-augsburg.de wenden.

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Augsburg | Pfersee | Nürnberg | Krumbach | Caritas

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