Nach der brutalen Prügelattacke eines 27-Jährigen auf seine hochschwangere Freundin in Augsburg ist Kritik an der Polizei laut geworden. Denn die 19-Jährige wurde schon seit längerem bedroht. Von Jörg Heinzle Von Jörg Heinzle
Nach der brutalen Prügelattacke eines 27-Jährigen auf seine hochschwangere Freundin (19) ist Kritik an der Polizei laut geworden.
"Wir haben uns mehrfach an die Polizei gewandt", sagte eine enge Freundin (22) des Opfers gestern unserer Zeitung. "Aber es ist uns nicht richtig geholfen worden." Der 27-Jährige habe bereits vor einigen Wochen mehrere Fenster der Wohnung seiner Ex-Freundin zertrümmert und einmal sogar versucht, seinen Hund auf die Schwangere zu hetzen.
Die Polizei habe alles richtig gemacht, sei aber bei ihrem Vorgehen an die Gesetze gebunden, kommentierte Polizeisprecher Robert Göppel die Vorwürfe. Göppel bestätigte, dass es in der Vergangenheit schon einige Anzeigen gegen den 27-Jährigen gegeben hat. Im November vergangenen Jahres sei der Mann auf Veranlassung der Polizei auch in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. "Die Anzeigen sind alle ordnungsgemäß bearbeitet und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden." Die Polizei habe allerdings keine rechtlichen Möglichkeiten gehabt, darüber hinaus gegen den 27-Jährigen vorzugehen.
Die Freundin des im achten Monat schwangeren Opfers fragt sich nun dennoch: "Warum muss erst so was passieren, dass man wirklich einschreitet?" Die 22-Jährige war Dienstagnacht gegen ein Uhr nachts in die Grünanlage nahe der Dieselstraße in Oberhausen geeilt. Bekannte hatten sie per Handy verständigt. Dort musste sie mit ansehen, wie der 27-Jährige auf seine schwangere Ex-Freundin einprügelte. Als Waffe nutzte er einen Karabiner, den er wie einen Schlagring einsetzte. Als die Schwangere zu Boden ging, trat er ihr mit dem Fuß in den Bauch. Die Freundin, die sich einmischte, bekam ebenfalls Faustschläge und Fußtritte ab. Mehrere andere Personen, die in der Nähe waren, griffen offenbar nicht ein.
Die schwangere Frau überstand den Übergriff mit Prellungen, Wunden und zwei kaputten Zähnen. Das Kind im Mutterleib trug vermutlich keine Schäden davon. Die Freundin erzählt, der 27-Jährige sei schon in der Vergangenheit immer wieder sehr aggressiv gewesen, habe Morddrohungen ausgestoßen und seine Ex dauernd mit SMS torpediert. "Er hat es einfach nicht verkraftet, dass sie mit ihm Schluss gemacht hat", meint die Freundin des Opfers. Der 27-Jährige ist der Vater des ungeborenen Kindes.
Zumindest vorläufig kann sich die Schwangere sicher fühlen. Sie muss erst einmal keinen Angriff fürchten. Der rabiate, alkoholisierte 27-Jährige war Dienstagnacht von den Polizeibeamten in eine Ausnüchterungszelle gesperrt worden. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt und sitzt nun in Untersuchungshaft. Das Alter des Opfers hatte die Polizei gestern zunächst falsch angegeben: Die Schwangere ist nicht 22, sondern 19 Jahre alt. Ihre ebenfalls verletzte Freundin ist dagegen 22.
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