Wetter
Mo.
21°C
Wetter
Di.
20°C

23. Dezember 2009 05:09 Uhr

Hörsaal frei, Streik nicht vorbei

Die Besetzung des großen Hörsaals der Uni ist (vorerst) vorbei. "Unser Bildungsstreik wird ausgesetzt, denn die Stellungnahme der Unileitung gibt uns die Zuversicht, dass auf unsere Forderungen eingegangen wird", erklärte Studentensprecher Sebastian Schölch gestern Mittag. Bis Ende Januar geben ihr die protestierenden Studenten jetzt Zeit, "belastbare Ergebnisse" vorzulegen und "Fahrpläne" für Reformen der Studienbedingungen aufzuzeigen.

"Wir sind auf die Umsetzung gespannt", sagte Schölch. Die Studierenden forderten die Abschaffung von Pflichtveranstaltungen und Anwesenheitszwang, längere Höchststudiendauer, freie Wahl von zusätzlichen Kursen und Fächern und weniger Stress im täglichen Stundenplan, weil die knappen Übergänge körperlich eingeschränkte Studenten benachteiligen. Sie verlangten außerdem eine sofortige Senkung der Studiengebühren ("ein Instrument der sozialen Selektion").

Wohin ein stromlinienförmiges Turbostudium, das passgenau nach den Bedürfnissen der Industrie eingerichtet wird, führen kann, parodierten die Hörsaalbesetzer mit einer kabarettistischen Darbietung. Ein geschniegelter junger Mann namens Leon Schmitt-Messer stellte sich als der Student der Zukunft vor. "Wir brauchen den Wettbewerb nicht zu fürchten", verkündete der "Innovative" vollmundig. Außer Studieren interessieren ihn allenfalls noch die Cocktailpartys, wo man karrierefördernde Kontakte knüpft. Beim Thema mitmenschliche Zuwendung bekam er das Zittern.

ANZEIGE

Audimax 35 Tage blockiert

Den großen Hörsaal hatten die protestierenden Studenten 35 Tage lang besetzt. Täglich gab es mindestens eine Vollversammlung, insgesamt habe man 150 Stunden miteinander gearbeitet, berichteten sie. "Wir haben gestritten, diskutiert und analysiert", erzählte Florian. Demokratie sei "anstrengend, aber wichtig".

Die Streikenden halten sich zugute, ernsthaft akademisch gearbeitet zu haben. In Ringvorlesungen sei abgehandelt worden, "was im Bolognastudium keinen Platz hat", etwa die Pflicht zum zivilen Ungehorsam. "Hier ist etwas mit dem Studierenden passiert, er hat sich selber weitergebildet", sagte Florian. Außerdem habe man im besetzten Hörsaal gelebte Solidarität verwirklicht und nicht zuletzt sich in Bayern und international vernetzt. "Da wächst etwas heran, woran wir noch sehr viel Freude haben werden", rief er.

Die Unileitung hatte vor fünf Tagen an die Streikenden appelliert, wenigstens über die Weihnachtsfeiertage den Hörsaal freizugeben. Andernfalls müsse geklärt werden, wer für die zusätzlichen Kosten aufkommt, die entstehen, weil die Heizung in der vorlesungsfreien Zeit nicht gedrosselt werden kann und weil für den Schließdienst ein Hausmeister bereitstehen müsste.

Ganz ohne Aktion ging die Besetzung nicht zu Ende: Symbolisch trugen die Studenten den Bologna-Prototypen in einem Sarg zu Grabe. Aus dem Hörsaal heraus gingen sie auch in die Annastraße und auf den Kö.

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Finden Sie Nachrichten aus Ihrem Ort
Anzeige

Neu in den Foren
Frage der Woche
Maxstraße: Soll es eine Sperrstunde geben?



Neu in den Leserblogs

Partnersuche