Mittwoch, 20. September 2017

01. März 2016 00:38 Uhr

Begegnung

„Ich bin eine Botschafterin der Musik meines Vaters“

Yvonne Kálmán ist die jüngste Tochter des Komponisten Emmerich Kálmán. Sie reist rund um die Welt, um die Werke ihres Vaters auf der Bühne zu erleben. Ihre letzte Station: die Premiere der „Csárdásfürstin“ in Augsburg

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Expertengespräch bei der Premierenfeier: Komponistentochter Yvonne Kálmán, Intendantin Juliane Votteler und Regisseur Otto Pichler (von links).
Foto: Annette Zoepf

Wie ist das, wenn man mit der „Csárdásfürstin“, der „Zirkusprinzessin“ und „Gräfin Mariza“ aufwächst, kann man da noch „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ hören? Man kann, und will es immer wieder, so wie Yvonne Kálmán, die Tochter von Emmerich Kálmán, Komponist der genannten Operetten und einiger mehr. Rund um die Welt reist sie, um die Werke ihres Vaters auf der Bühne zu erleben. „Ich bin eine Botschafterin der Musik meines Vaters“, sagt sie. Nach Augsburg kam sie am Wochenende, wo „Die Csárdásfürstin“ im Theater Premiere hatte. „Unzählige Male“ habe sie die schon gesehen, aber sprechen will sie am Tag danach vor allem über diese Aufführung.

Die Inszenierung von Otto Pichler sei mit sehr viel Überlegung gemacht. „Der Regisseur hat sich ein bisschen Freiheit genommen, aber er hat sie sehr gut genutzt“, meint sie und ist sich sicher: „Das ist eine Inszenierung, die jüngeren Leuten ebenso gefallen wird wie älteren Herrschaften.“ Gerade das gefällt nun Yvonne Kálmán, denn in ihren Augen können die Operetten aus dem vergangenen Jahrhundert mit der beschwingten Musik und den herzerwärmenden Inhalten immer noch bestehen. „Es geht um große Gefühle, die sind heute so zeitgemäß wie damals“, wehrt sie Einwände ab, Operetten seien mit ihrem Plüsch, Schmalz und ihrer Walzerseligkeit aus der Zeit gefallen, könnten der großen Konkurrenz der Pop- und Rockmusicals nicht standhalten. Von der „Csárdásfürstin“ gebe es eine Fassung mit Anna Netrebko auf Youtube, die inzwischen über 150000 Klicks habe. „Das sind nicht nur Leute mit weißen Haaren, die sich dafür interessieren“, hält Yvonne Kálmán dagegen. Schließlich gebe es in den Operetten immer auch eine gewisse Brüchigkeit und Ironie, die diese Gattung interessant mache.

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„Diese Augsburger Inszenierung ist sehr gewagt. Otto Pichler bringt es auf die Spitze und deshalb ist das ein gelungener und unterhaltsamer Abend“, urteilt die Operettenexpertin. Darum sei es ihrem Vater in erster Linie auch gegangen. „Er wollte mit seiner Musik Freude machen. Zwar wollte er immer auch ein ernster Komponist sein, aber die Ohrwürmer sind ihm dann dazwischen gekommen“, sagt sie und lacht.

Yvonne Kálmán ist das jüngste der drei Kinder von Emmerich Kálmán und seiner Frau Vera. Die Ehe der beiden böte selbst besten Stoff für eine Operette, denn der Ungar und die lebenslustige Russin heirateten einander nach einer Trennung zum zweiten Mal. 1938, als Yvonne noch ein Baby war, verließ die jüdische Familie Wien und emigrierte über die Schweiz und Frankreich nach New York. Dort verbrachte Yvonne Kálmán ihre Kindheit in einem Haushalt mit viel Personal und illustren Gästen wie Marlene Dietrich, Greta Garbo und Erich Maria Remarque. Während die Mutter eine extravagante und glamouröse Erscheinung war, ist Yvonne Kálmán ihr Vater als sehr nach innen gerichteter Mann in Erinnerung. „Er hatte wunderschöne blaue Augen und ein strahlendes Lächeln. Er hatte immer Zeit für mich und war sehr liebevoll.“

Als sie 16 war – die Familie lebte damals in Paris – starb Emmerich Kálmán. Den Konflikt, dass eine Liebesbeziehung vom Vater nicht erwünscht sei, wie es in der „Csárdásfürstin“ der Fall ist, hätte es bei ihr nie gegeben, ist sich Yvonne Kálmán aber sicher. „Er wollte immer, dass ich auf mein Herz höre“, sagt sie und meint dann ein wenig selbstironisch: „Vielleicht hätte ich da ein bisschen genauer hinhören sollen.“ Dreimal war Yvonne Kálmán verheiratet, zuletzt mit einem Franken. Sie lebt jetzt vor allem in Mexiko und vermietet das Dutzend Schlafzimmer ihres Anwesens „Casa Yvonneka“ an Touristen. Allzu oft bekommen die sie nicht zu Gesicht. Gäbe es einen besseren Beweis dafür, wie beliebt die Operetten Emmerich Kálmáns heute noch sind?

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