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23. Oktober 2008 22:20 Uhr

Illegale Erntehelfer in Pilzzucht

Sie schufteten im Akkord, ernteten Champignons und Egerlinge für 15 Cent pro Kilo. Doch die Leiharbeiter, die im Dutzend aus Polen zu einem Pilzzüchter im Raum Augsburg gekarrt wurden, hatten weder eine Arbeitserlaubnis noch waren sie zur Sozialversicherung angemeldet. Die illegalen Praktiken mit billigen Arbeitskräften, die im März 2007 bei einer Prüfung vom Zoll aufgedeckt wurden, beschäftigten jetzt die Justiz.

In zwei gleich gelagerten Verfahren vor Amtsrichterin Andrea Laser mussten sich zwei polnische Staatsbürger - ein 45 Jahre alter Mann und eine 35-jährige Frau - wegen Verstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz verantworten. Beide waren Inhaber von Leiharbeitsfirmen und hatten über Jahre hinweg rund 100 Polen als Erntehelfer an die Pilzzucht vermittelt. Die Ausländer arbeiteten quasi als Scheinselbstständige auf eigene Rechnung.

Die beiden Angeklagten (Verteidiger: Moritz Bode) legten vor Gericht Geständnisse ab, beteuerten aber, sie hätten geglaubt, dass alle erforderlichen Genehmigungen von dem deutschen Pilzzüchter besorgt würden, was dieser ihnen versichert hätte. Das Gericht verurteilte die beiden Arbeitskräfteverleiher zu jeweils 20 Monaten Bewährungsstrafe. Außerdem müssen sie zusammen rund 21 000 Euro Geldauflage bezahlen.

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Die Beschäftigung der billigen polnischen Erntehelfer könnte auch den Verantwortlichen der Champignonzucht teuer zu stehen kommen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Juniorchef, den Seniorchef sowie dessen Ehefrau mit einem ganzen Katalog von Vorwürfen erhoben. Dabei geht es um Anstiftung zur illegalen Arbeitnehmerüberlassung, um die Beschäftigung von Ausländern ohne Genehmigung sowie um das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen von über einer halben Million Euro.

Die Akten liegen bei der 9. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts, nach Auskunft des Vorsitzenden Richters Rudolf Weigell ist das Hauptverfahren noch nicht eröffnet. Allein das Hinterziehen von Sozialversicherungsbeiträgen ist vom Gesetz mit hohen Haftstrafen bedroht. (peri)

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