Samstag, 16. Dezember 2017

07. November 2015 15:30 Uhr

Augsburg-Stadt

Internationales Kochbuch: Über den Tellerrand geblickt

Was kochen Augsburger, die aus Frankreich, den USA oder Afghanistan stammen? Drei Augsburgerinnen haben vielen beim Kochen zugeschaut und stellen ihre Rezepte und Geschichten  vor.

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Die ganze Welt in einem Kochbuch: Ende November stellen (von links) Tanja Blum, Karin Wehle und Johanna Wehle ihr Werk „Home in a Bowl“ vor.
Foto: László Dobos

Im Grandhotel Cosmopolis fiel den drei Augsburgerinnen vor einem Jahr ein Buch auf, das dort einfach so herumlag. „Es war ein Kochbuch aus Japan“, erinnert sich Tanja Blum. Aus einem Gespräch darüber wurde eine Idee, aus der Idee ein Projekt, das die jungen Frauen seit einem Jahr beschäftigt.

Essena us der heimat

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Denn auch wenn man sich in der Ferne befinde, stellten sie fest, esse man doch immer gerne etwas aus seiner Heimat. Etwas, das einen an seine eigene Kindheit erinnert, an liebe Verwandte oder an ein Familienfest – eine Herzensangelegenheit eben. Die Schwestern Karin und Johanna Wehle und Tanja Blum haben es zu ihrer eigenen Herzensangelegenheit gemacht. Denn sie wollten Rezepten Raum geben, die auch eine Geschichte erzählen. Also kein schnödes Kochbuch, das Rezepte aus aller Herren Länder sammelt, sondern ein interkulturelles Buch, das Menschen verbindet. „Im Dezember 2014 haben wir damit angefangen. Am Anfang haben wir uns überlegt, wen wir dafür alles ansprechen könnten“, sagt Johanna Wehle. Im Kopf gingen die drei Frauen durch, wen sie selber kennen und wer für ihr Projekt in Frage kommen würde.

Hilfe von Freunden

Schließlich wurden Freunde mit einbezogen, die wiederum Freunde hatten, die jemanden kannten … „Wir wollten kein Buch über Flüchtlinge machen, also es nicht auf eine Gruppe reduzieren. Wir wollten alle miteinbeziehen, die in Augsburg leben und ihre Wurzeln im Ausland haben“, sagt Karin Wehle. Daraus ist ein Buch geworden. „Home in a Bowl“ heißt es, die Heimat liegt in der Suppenschüssel. Dafür haben sie in den letzten Monaten viele Menschen getroffen, aus anderen Ländern und Kontinenten, und haben mit ihnen gekocht. „Das war manchmal echt ein komisches Gefühl. Wir haben uns bei fremden Leuten zum Essen eingeladen und die meisten haben einfach mitgemacht“, sagen sie. Weil sie von der Idee angetan waren, sich gefreut haben, mitmachen zu dürfen.

Was ist Edy aus new York?

So wie Pouya aus Afghanistan, der neben einem Tomatenchutney ein Rezept für ein Okra-Eintopf für das Buch beisteuert. Die Schoten hat seine Familie früher eigens im Garten angebaut. Oder Eddy aus New York, der als Kind am liebsten Burger aß und sich aber für ein Tortillarezept entschied, das ihm ein Bekannter aus der Karibik in Berlin beibrachte. Elena aus Russland zeigte, wie man Borschtsch und eine Rote-Bete-Vinaigrette kocht. „In Russland musste man für jedes Ding, das man kaufen wollte, wieder von Neuem anstehen, es wurde abgewogen, eingepackt und ausgehändigt“, erzählt sie in ihrer Geschichte.

Persönliche Geschichten

Denn neben jedem Rezept ist Platz für Persönliches. So brät Frédéric aus Frankreich nicht nur Galettes Bretonnes, eine salzige Variante der Crêpes, sondern berichtet, dass es ihn der Liebe wegen nach Augsburg verschlagen hat. Abdou, Oumar und Babacar aus dem Senegal treffen die drei Augsburgerinnen in der Flüchtlingsunterkunft in Diedorf. „Ein voller Bauch“ sei ihr Lieblingsessen. Sie berichten aus ihrem Leben, von ihren Träumen und Wünschen und kochen gemeinsam ein Gericht aus ihrer Heimat: eine Reisplatte mit Fisch und Gemüse.

Karin und Johanna Wehle und Tanja Blum sind viel herumgekommen in den vergangenen Wochen und Monaten, waren überrascht, wie gastfreundlich die Augsburger sind und was für ein gutes Sortiment es in den Supermärkten gibt. „Wir haben alle Zutaten in Augsburg gefunden. Auf unserer Internetseite habe ich in einem Einkaufsguide arabische, asiatische und osteuropäische Supermärkte aufgelistet“, sagt Karin Wehle. Die freiberufliche Webdesignerin war für die Fotos und das Layout des Buchs verantwortlich, ihre Schwester Johanna, die Patientenratgeber schreibt, für die Texte. Tanja Blum, die als Kulturmanagerin arbeitet, übernahm das Projektmanagement und organisierte Treffen und Termine.

Buch wird gedruckt

Das Buch ist nun so gut wie fertig und wird in den kommenden Tagen gedruckt. 1000 Exemplare werden erscheinen. Damit sich das die drei Autorinnen leisten konnten, haben sie im Internet eine Crowd-Funding-Kampagne gestartet: eine Aktion auf der Plattform Start Next. „Wir haben eigentlich zu wenig angeben, nur 2500 Euro. Damit sind unsere Kosten nicht gedeckt, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen“, sagt Johanna Wehle.

Finanzielles Ziel erreicht

Das finanzielle Ziel haben sie erreicht. Knapp 3600 Euro haben sie auf diese Weise bereits zusammenbekommen, von Menschen aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich, die ihre Idee gut finden und unterstützen wollten. „Dort haben uns Interessierte sozusagen schon einmal das Geld für ihr Exemplar vorgestreckt. Denn für 14,90 Euro kann man sich dort eins reservieren, für 30 Euro bekommt man ein Kochbuch mit Gewürzpaket“, erklärt sie. Noch einige Tage können sich Interessierte dort eintragen, am 27. November wird das Buch im Grandhotel vorgestellt.

Danach soll es in Augsburger Buchläden erhältlich sein. „Reich werden wollen wir damit nicht. Wir wollen unsere Ausgaben damit bezahlen und den Erlös spenden“, sagen sie. Und danach vielleicht weitermachen. Schließlich sind Rezepte übrig geblieben. Und noch die eine oder andere Idee.

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Ein Artikel von
Miriam Zissler

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