Im Internet tummeln sich immer mehr Betrüger. Bei der Staatsanwaltschaft Augsburg explodiert die Zahl der Verfahren. Von Stefan Krog


Das Angebot las sich interessant: Ein Apple-i-Phone war da im Internet auf einer Auktionsplattform zu ersteigern, zu einem überaus günstigen Preis. Was im Kleingedruckten stand: Als Käufer bot man nicht auf das Mobiltelefon, sondern nur auf dessen Originalverpackung.
Fälle wie dieser beschäftigen in zunehmendem Maß die Staatsanwaltschaft. In Augsburg gibt es inzwischen zwei Staatsanwälte, die sich zum großen Teil mit dem Thema Internetkriminalität befassen. 2009 erledigten sie 1200 Verfahren, im vergangenen Jahr waren es schon 1500. Und auch für dieses Jahr ist eine Steigerung wahrscheinlich. "Es wird generell immer mehr online erledigt. Da ist es logisch, dass es auch mehr Straftaten gibt", sagt Matthias Nickolai, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zu einem großen Teil handelt es sich um Betrug im Online-Handel. Zweiter Schwerpunkt sind Taten im Bereich Online-Banking.
Meist sind es Internetplattformen wie eBay, die für Betrug verwendet werden. Das Spektrum reicht vom Einzeltäter bis hin zur professionell aufgestellten Organisation. "Da gibt es Fälle, in denen dann etwa ein Kinderfahrrad oder eine Spielkonsole dreimal angeboten werden. Oder es werden Waren verkauft, die gar nicht vorhanden sind", sagt Nickolai. Derartigen Tätern, sofern sie in Deutschland sitzen, kommt man relativ leicht auf die Spur. Doch den Ärger, sich das in der Regel im Voraus bezahlte Geld über ein Gerichtsverfahren vor dem Zivilgericht zurückzuholen, hat man trotzdem.
Doch es gibt auch Täter, die gewiefter agieren. Mitunter werden eBay-Konten von unbescholtenen Kunden ausgespäht und für Betrug verwendet. "Dann stoßen auch wir schnell an die Grenzen", sagt Nickolai. Denn das Geld wird über sogenannte Finanzagenten, also Mittelsmänner, ins Ausland transferiert. Diese Finanzagenten stellen ihr Konto gegen eine Provision zur Verfügung. Geködert werden sie häufig über Nebenjobbörsen, etwa als Produkttester, wobei sie ihre Kontodaten angeben müssen. Auch wenn sie nichts vom Betrug wissen, kann ein Verfahren wegen Geldwäsche drohen, so Nickolai.
Mitunter sind ganze Kaskaden von Finanzagenten dazwischengeschaltet, um den Geldfluss zu verschleiern. Am Ende wird das Geld über einen Bargeld-Transferdienst wie Western Union ins Ausland geschickt - damit verliert sich die Spur. Doch selbst wenn man einen Verdächtigen ermitteln kann, hängt es davon ab, wie dort Rechtshilfeersuchen bearbeitet werden - in einigen Ländern können sich Täter sicher wissen, etwa weil eine bestimmte Schadenssumme für Rechtshilfe vorhanden sein muss.
Computerwissen müssen die Täter mitunter gar nicht haben. Trojaner, also Schadprogramme, um Zugang zu einem eBay-Konto zu bekommen, kann man sich gegen Bezahlung im Internet besorgen, ebenso wie schon fertig ausgespähte Datensätze von Nutzern. Letztlich, sagt Nickolai, hinke man als Strafverfolger immer einen Schritt hinterher: "Jemand probiert eine neue Masche aus und wir versuchen, das irgendwie einzufangen."
Mitunter stellt Nickolai auch verwundert fest, wie leichtgläubig manche Kunden sind oder im Schnäppchenfieber nicht mehr kühl denken - indem sie etwa Münzen, Uhren oder sogar Boote im Internet kaufen, ohne sie vorher einmal angeschaut zu haben. Teils sind dann fünfstellige Summen dahin oder es gibt Beanstandungen an der Ware. Bei Letzterem muss gar keine Straftat vorliegen, auch hier droht dann ein Verfahren vor dem Zivilgericht. Stefan Krog
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