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05. März 2010 06:15 Uhr

Jeder fünften Firma wird Wissen gestohlen

"Wirtschaftsspionage - kein Thema das mich betrifft." So denken viele Mittelständler. Ein kapitaler Fehler, der ins Geld gehen kann. Jedes fünfte Unternehmen wurde schon Opfer von Wirtschaftsspionage und Datenklau, sagen Experten. Und weil im Wirtschaftsraum viele neue Technologien entwickelt werden, gibt es hier auch viel zu holen. Konkrete Zahlen gibt es keine, dafür Erfahrungen.

Messen in Fernost besonders gefährlich

Der Mitbewerber schläft nicht und am Ende droht womöglich der Verlust von Know-how und Marktvorteilen", weiß Michael George vom Landesamt für Verfassungsschutz. Rund 20 Prozent der schwäbischen mittelständischen Firmen sind schon Opfer von Datenklau und Wirtschaftsspionage geworden, bestätigt Werner Stegmüller, von der Arbeitsgemeinschaft Datenschutz Schwaben mit Sitz in Augsburg.

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Seit Jahren berät Stegmüller und seine Kollegen Firmen und hilft ihnen, sich vor Spähattacken zu schützen. Da der Nachweis oft extrem schwer ist, setzen Fachleute die Dunkelziffer noch weit höher an. Die wird im produzierenden Bereich schon bei bis zu 50 Prozent vermutet.

Nicht immer sind es illoyale Mitarbeiter, die geschütztes Wissen über Produkte, Rendite oder Kunden heimlich abgreifen. Oft wird auch die Konkurrenz aktiv oder Wettbewerber aus Fernost. Die lassen dann Produkte billigt nachmachen und sparen sich so die teuren Entwicklungskosten: Know-how zum Nulltarif.

"Die Naivität bei vielen ist sehr groß", sagt der 56-jährige Datenschützer Stegmüller. Meistens kommt der Daten-Klauer auf leisen Pfoten daher. Die Informationen lassen sich unauffällig auf CD brennen oder werden gar per Mail geschickt. Auch die Steuersünderdateien bei Schweizer Banken seien so auf den Markt gekommen.

Raffiniert geht es oft bei Messen zu, ergänzt George. Mit geschickten Fragetechniken verraten Mitarbeiter oft mehr als sie dürfen. Gerade auch lokale Messebauer oder das Transportgewerbe in China seien gute Informanten, etwa wenn es darum geht, an Neuentwicklungen zu gelangen. Oft schicken Firmen zu solchen Messen gar nicht mehr ihre ganz aktuellen Entwicklungen, sondern sicherheitshalber nur die "zweite Garde", heißt es.

Mit relativ einfachen Mitteln lassen sich jedoch erste Gegenmaßnahmen ergreifen. "Es würde schon viel helfen, wenn die Firmen ihre USB-Ports sperren ließen", sagt Stegmüller. So lassen sich nicht mehr im Handumdrehen sensible Daten kopieren.

"Das ist eine ganz heiße Kiste", weiß Günter Schwab, Regional-Chef des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft. Er spricht von einem "Zielkonflikt": Die Firmen müssen Kosten senken, bekommen einen erschwerten Zugang zu Krediten, kämpfen mit einer nachlassende Verbrauchernachfrage, gleichzeitig müssen sie aber vorausschauend investieren, um ihre Produktivität auf lange Sicht zu steigern. Ein externer Datenschutz kann hier helfen. Schwab kennt besorgte Firmenchefs. Doch keiner will über Erfahrungen sprechen, da man fürchte, das Image könne darunter leiden.

Produktpiraten machen auch Sorgen

Neben Datenklau gibt es noch die Produktpiraterie, als das illegale Kopieren. "Das macht uns mehr Sorgen", sagt Michael Melzer, Sprecher von MAN Diesel. Es passiere, dass "nach Augenschein" Originalersatzteile etwa für die großen Schiffsmotoren in Fernost kopiert werden. Wenn die Reeder, die auf die billigen Teile ohne Qualitätsnachweis gesetzt haben, mit kaputten Motoren irgendwo im Atlantik dümpeln, müssen die Experten der MAN ran. Dann kann es teuer werden. Auch für den Augsburger Messeveranstalter AFAG ist Datenklau ein Thema - bei den großen Internationalen Messen wie Interlift und GrindTec. "Bei der letzten Interlift haben wir eigens einen Fachanwalt gehabt, der Beschwerden von Ausstellern nachging. In zwei Fällen ist er fündig geworden und die chinesischen Aussteller haben das kopierte Produkt schnell zurückgenommen", verrät Projektleiter Joachim Kalsdorf.

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