Mittwoch, 18. Oktober 2017

27. Februar 2015 00:32 Uhr

Interview

„Jedes Buch ist ein Stück Welt“

Die Augsburgerin Eva Leipprand ist neue Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller. Neben der klassisch gewerkschaftlichen Arbeit interessieren sie vor allem die gesamtgesellschaftlichen Fragen

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Frau Leipprand, Sie sind zur Vorsitzenden des Verbands deutscher Schriftsteller gewählt worden. Schriftsteller und Gewerkschaft passen auf den ersten Blick nun so gar nicht zusammen. Was für ein Verband ist das, dem Sie nun vorstehen?

Da gab es von Anfang an ein Spannungsfeld. 1970 fand der erste Kongress statt. Dort hat Günter Grass gesagt, wenn wir nur ein Interessensverband von Autorinnen und Autoren sind, hat das einen „erschreckenden Nebenhall“, wir müssen mehr sein. Gleichzeitig ist der Verband natürlich ein Interessensverband. Das Kunstwerk wird in dem Moment, in dem es öffentlich wird, zur Ware. Das ist der Doppelcharakter der Kunst. In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Verband deutscher Schriftsteller.

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Klassische gewerkschaftliche Arbeit ist also beim Verband deutscher Schriftsteller ein Thema?

Wir wollen uns gegenüber der Medienmacht und gegenüber den Verwertern so positionieren, dass für gute Arbeit gutes Einkommen erzielt wird.

Es geht um Honorarhöhen, um Vergütungen ...

…und zum Beispiel die Künstlersozialkasse. Sie ist mit dem Namen Dieter Lattmann verbunden, dem Gründervater des Verbands. Außerdem gibt es Normverträge für Autoren, die mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels ausgehandelt werden. Im Moment geht es stark um das Urheberrecht.

Das hört sich an wie klassische Verbandsarbeit. Ihrer Rede, mit der Sie um den Vorsitz kandidierten, ist zu entnehmen, dass es Ihnen um mehr geht bei Ihrem Engagement.

Das ist die zweite Seite des Verbands – wenn die Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den öffentlichen Diskurs eingreifen und das einbringen, was nur sie können und andere nicht. Es gibt Bereiche, wo sich beides überschneidet. Zum Beispiel bei dem Brief „Für einen fairen Buchmarkt“ an Amazon von 2000 Autorinnen und Autoren, die gegen die Ungleichbehandlung von Schriftstellern in bestimmten Verlagen protestierten. Das ist eine Auseinandersetzung mit dem Monopolstreben Amazons, eine Auseinandersetzung von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Wer einen Kindle kauft, bekommt darauf nur über Amazon Bücher. Wenn Amazon eine Monopolstellung hat, bestückt Amazon die Hirne der Leser.

Ein solches Monopol gab es in der langen Geschichte des Buches noch nie.

Genau. Wenn ich mich in dieser Auseinandersetzung für die Rechte der Autoren einsetze, setze ich mich auch für bestimmte gesellschaftliche Werte ein. Wenn die kleinen Buchhandlungen in den Städten und auf dem Land erhalten werden, steigert das die kulturelle Vielfalt.

Gleichzeitig haben Sie in Ihrer Rede eine Welt charakterisiert, die sich selbst in ihrer Vielgestaltigkeit nicht mehr versteht. Sie sagen, in diesem Bereich haben Erzählungen eine wichtige Rolle.

Erzählung und Narrativ sind Begriffe, die im Moment stark gebraucht werden. Erzählung heißt: Ich setze Fakten und Dinge in einen sinnhaften Zusammenhang. Eine Erzählung schafft ein Bild von der Welt. Mit jedem Buch erfindet ein Autor aus seinem Kopf ein Stück Welt. Das kann ein Gegenbild gegen den herrschenden Sog sein, den Wettbewerb, das Konkurrenzstreben.

Für Sie schließt sich nun ein Kreis, wenn Sie als Vorsitzende im Verband deutscher Schriftsteller tätig werden. Ihr erstes Buch haben Sie wann veröffentlicht?

1989.

Danach kam eine lange Zeit in der Augsburger Kommunalpolitik.

Danach habe ich Erzählungen und Rezensionen geschrieben. 1996 bin ich in die Kommunalpolitik gegangen.

War das ein Bruch im Gegensatz zum Schreiben?

Zwischen der Sprache der Literatur und der Sprache der Politik liegt eine große Kluft.

In den Umgangsformen?

In der Frage, wie man die Sprache als ein Instrument einsetzt. In der Politik muss man aufpassen, was man sagt. Nicht nur, um sich selbst zu schützen. Politik greift auch in das Leben der Menschen ein. In dem Moment, in dem Sie einen Beschluss fassen, muss er juristisch wasserdicht sein. In bestimmten Bereichen muss ganz klar gesprochen werden.

Und die Sprache des Autors?

Der Autor will etwas anderes. Er will so individuell wie möglich sprechen. Er will seine Form von Weltsicht in die Sprache fassen, die ihm am besten dafür geeignet erscheint. Das Individuelle, das Eigene kennzeichnet die Sprache des Autors.

Nach 18 Jahren in der Kommunalpolitik kommen Sie dort nun stärker hin.

Ich sehe, dass ich auf den zwei Beinen, auf denen ich stehe, Politik und Literatur, das Gewicht wieder etwas verlagere. Ich glaube aber, dass es für die Verbandsarbeit gut ist, dass ich mich in der politischen Welt auskenne.

Und an was schreiben Sie?

Zurzeit an Aufsätzen und Übersetzungen aus dem Englischen. Interview: Richard Mayr

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