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07. April 2008 22:00 Uhr

Justiz

Jugendtrainer gesteht pädophile Neigungen

Ein Mann ist einiger Autodiebstähle angeklagt, der schlanke 34-Jährige ist voll geständig. Dann nimmt der Prozess eine überraschende Wende: Der Angeklagte erzählt, dass er regelmäßig von pädophilen Gedanken heimgesucht werde. Von Peter Richter,

Von Peter Richter, Augsburg

Der Prozess scheint auf den ersten Blick wenig aufregend, weswegen selbst notorische Gerichtsgänger ausgeblieben sind. Ein Mann ist einiger Autodiebstähle angeklagt, wobei der Schaden mit 2000 Euro gering ist. Der schlanke 34-Jährige ist voll geständig.

Doch der Prozess nimmt eine überraschende Wende: Der Angeklagte, Jugendtrainer einer Fußballmannschaft, erzählt, dass er regelmäßig von pädophilen Gedanken heimgesucht werde. Das Gericht weist ihn auf eigenen Wunsch in die Psychiatrie ein.

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Im März 2007, gerade erst eine Woche wieder in Freiheit und unter Bewährung, klaute der vorbestrafte Angeklagte zwei Autohändlern in Augsburg einen nagelneuen Opel Corsa, kurz darauf einen Alfa Romeo Spider vom Hof.

Der Täter war zuvor in den Autohäusern als Kunde aufgetreten. Als er sich unbemerkt fühlte, nahm er herumliegende Wagenschlüssel an sich. Beide mit gestohlenen Kennzeichen versehene Autos konnte die Polizei kurze Zeit später im Stadtgebiet aufspüren und den Händlern zurückgeben.

Doch der Prozess nimmt eine unerwartete Wende, als das Gericht dem Antrag des Verteidigers Johannes Siegmund folgt und die Öffentlichkeit ausschließt. Vor der 8. Strafkammer offenbart sein Mandant erstmals, dass er seit Jahren gegen seine sexuelle Neigung kämpft: Der 34-Jährige fühlt sich zu Kindern hingezogen. Was besonders problematisch ist: Er trainiert in seiner Freizeit jugendliche Fußballer.

Für diese Aufgabe benötigt er ein Auto, denn die Fußballplätze liegen im Umland und sind anders kaum zu erreichen. Obwohl ohne Führerschein, soll der Angeklagte dabei immer wieder Kinder zum Training mitgenommen haben. Jedoch, er hat sich offenbar an keinem von ihnen vergriffen. Im Prozess schildert der 34-Jährige, wie schwer ihm das gefallen sei und welche sexuellen Fantasien ihn dabei verfolgt hätten.

Die Autodiebstähle, äußert sich das Gericht im Urteil überzeugt, "waren der Hilferuf eines krankhaft veranlagten Menschen". Der Angeklagte wird seinem Wunsch entsprechend auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie eingewiesen.

Dort möchte der 34-Jährige sich therapieren lassen. Unter dem Eindruck der Verhandlung hatte Gutachter Ralph-Michael Schulte ihm verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Wegen der Diebstähle und der Unfallflucht nach einem Bagatellschaden wurde der Angeklagte außerdem zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Vorsitzender Richter Wolfgang Rothermel verabschiedete den Angeklagten, der sich selbst offenbart hatte, fast wohlmeinend mit den Worten: "Ich hoffe, dass Sie Ihr Leben in den Griff bekommen werden."

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