Demografie-Serie: Kriegshaber zerfällt in 17 kleine Quartiere und ist stark gewachsen Von Andrea Baumann


Von Andrea Baumann
Kriegshaber mit seinen 17 kleinen Vierteln ist ein spannendes Pflaster für Stadtforscher, Soziologen – und für Pfarrer Gerhard Groll. „Die Milieus und sozialen Unterschiede sind in unserem Stadtteil von einem Quartier zum nächsten extrem unterschiedlich und auffällig“, schreibt er in seinem Pfarrbrief. So leben rund um die Heiligste Dreifaltigkeit im Norden überdurchschnittlich viele Senioren und Bürger ohne Migrationshintergrund. Die neuen Stadtviertel an der Bgm.-Ackermann-Straße hingegen sind auffällig jung und multikulturell.
Den „reiferen“ Vierteln zum Trotz ist Kriegshaber mit einem Durchschnittsalter von 38,5 Jahren augsburgweit der jüngste Stadtteil. Dies belegen die Zahlen des Amtes für Statistik und Stadtforschung, das noch einen weiteren Topwert präsentiert: In jedem fünften Kriegshaber Haushalt leben Paare mit Kindern, stadtweit ist das nur in jedem achten der Fall.
Hauptursache dafür ist der Rückzug der Amerikaner, denn in ihren ehemaligen Wohngebieten mit teils sehr großen Wohnungen zu beiden Seiten der Ackermann-Straße haben sich überdurchschnittlich viele Familien niedergelassen. Ihr Zuzug führte auch dazu, dass der Stadtteil seit dem Jahr 2000 um mehr als 1700 Einwohner gewachsen ist: Ende 2011 lebten insgesamt 16521 Menschen in Kriegshaber.
Fast jeder Vierte ist jünger als 20 Jahre, so einen hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen gibt es in keinem anderen Stadtteil. Senioren über 65 Jahre hingegen stellen mit 15 Prozent den stadtweit niedrigsten Anteil. Diplom-Geograf Thomas Staudinger vom Statistikamt geht davon aus, dass diese Trends anhalten. Mit dem bevorstehenden Baubeginn auf dem Reese-Areal bestehe weiteres Potenzial für Wachstum.
Mit den Neubaugebieten im Stadtteil erklärt der Experte neben der verhältnismäßig jungen Altersstruktur auch die positive natürliche Bevölkerungsbilanz. Das heißt: Es gibt weit mehr Geburten als Todesfälle, bei den meisten anderen Stadtteilen ist es umgekehrt.
Gut die Hälfte der Kriegshaberer hat Migrationshintergrund, die meisten Einwohner mit ausländischen Wurzeln stammen aus der Türkei (31,3 Prozent), gefolgt von Ex-Jugoslawien. Auch hier sind große Unterschiede festzustellen: Während in den traditionellen Vierteln der Anteil der Migranten unter dem stadtweiten Schnitt liegt, bewegt er sich in sämtlichen neuen Gebieten zwischen 50 und 80 Prozent – Letzteres im nördlichen Cramerton rund um die Madisonstraße.
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