Eine Sperrzeit für die Innenstadt? Man kann nur hoffen, dass der Stadtregierung etwas Besseres einfällt, findet Stefan Krog.
Eine Sperrzeit für die Innenstadt? Man kann nur hoffen, dass der Stadtregierung etwas Besseres einfällt. Jahrelang hat die Stadt sich über Einnahmen aus Sperrzeitsondergenehmigungen und Gewerbesteuer gefreut und Kneipe um Kneipe genehmigt - jetzt wächst ihr das alles über den Kopf.
Dass man etwas für die Anwohner tun muss, das ist klar, aber ob eine Sperrzeit als Problemlösung taugt, ist schon sehr fraglich. Was wäre denn der Fall, wenn um 2 oder 3 Uhr Zapfenstreich wäre? Hunderte teils betrunkene Gäste strömen gleichzeitig auf die Straße. Dass sie alle gleich brav nach Hause gehen, wird ja wohl keiner glauben.
Aber vielleicht genehmigt sich angesichts der nahenden Sperrzeit so mancher zehn Minuten vor Schließung des Lokals noch extra einen Cocktail und steht dann umso betrunkener auf der Straße. Ob es in der Summe weniger für Polizei und Ordnungsdienst zu tun gibt? Eher wird es eine Spitze geben - früher, aber heftiger und lauter.
Und dass das Nachtleben in einer Großstadt um 2 Uhr morgens endet, ist realitätsfern. Nachtschwärmer wird es dann eben in Discos außerhalb der Innenstadt ziehen. Man kann nur hoffen, dass sie nicht mit dem Auto weiterziehen.
Für die Anwohner muss aber in jedem Fall etwas getan werden, auch wenn die Maximilianstraße sich im Vergleich vor einem Jahr etwas beruhigt hat. Der nächtliche Ordnungsdienst hat sich bereits bewährt. Dass Wirte in Sachen Müll stärker in die Pflicht genommen werden können, hat der Verwaltungsgerichtshof der Stadt aufgezeigt. Hauptproblem bleibt der Lärm.
Die Wirte stehen da nicht in der rechtlichen Pflicht, aber faktisch sehr wohl in der Verantwortung. Herumgegröle vor dem Lokal muss nicht sein und ist über Türsteher teils eindämmbar. Das Gebot der Rücksichtnahme gilt auch für Nachtschwärmer.
Die Sperrzeit hilft allein nicht weiter: Ohne Verkehrsberuhigung, und zwar gezielt nachts, wird es keine wirkliche Verbesserung geben. Ein Großteil des Lärms kommt vom Kopfsteinpflaster. Der Hinweis des OB auf eine generelle Beruhigung nach dem Kö-Umbau ist zu abstrakt.
Der Autor wohnt im Lechviertel in der Nähe der Maximilianstraße.
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