Dienstag, 27. Juni 2017

04. Mai 2011 20:07 Uhr

Augsburg

Keiner weiß wohin mit 330 Flüchtlingen

In Augsburg leben 950 Asylbewerber. Die Heime sind voll, eine neue Welle steht bevor – und im Juni schließt das größte Lager.

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Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Flak-Kaserne.

Die Flüchtlingsströme aus Nordafrika machen sich in Augsburg noch nicht bemerkbar. Trotzdem spitzt sich die Situation zu. 950 Asylbewerber leben in der Stadt. Vor einem halben Jahr waren es 830. Prognosen sind schwierig, doch rechnen Experten mit einer weiteren Flüchtlingswelle. Geht es so weiter, steigt die Zahl bis Ende des Jahres auf über 1100. Schon jetzt sind die Unterkünfte fast voll und deren größte mit 330 Bewohnern schließt Ende Juni. Dann nämlich soll die Flak-Kaserne an der Neusässer Straße (nahe Klinikum) Neubauten Platz machen.

Behörde fürchtet „Katastrophe“

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Wenn die Regierung von Schwaben als zuständige Behörde bis dahin keinen Ersatz findet, stehen 330 Männer ohne Dach über dem Kopf da. „Das wäre eine Katastrophe“, sagt die Sachgebietsleiterin Gitta Schmid-Göller. Suche und Verhandlungen laufen; einen Notfallplan dafür, dass es nicht klappt, gibt es nicht. Zu Hochzeiten der Flüchtlingswelle in den 1980er Jahren wurden Hotelzimmer angemietet und Container aufgestellt.

Die Regierung und die Immobilienverwaltung des Freistaates tun sich bei der Suche schwer. Selbst mit Zeitungsanzeigen suchen sie in ganz Schwaben nach Objekten. Angebote gibt es, doch sie passen laut Schmid-Göller oft nicht. Gebäudegröße, Aufteilung der Zimmer, sanitäre Einrichtungen und Preis spielen eine Rolle. Ebenso die Lage. Ein kleines Dorf, womöglich ohne Bus-anbindung, kommt nicht infrage. Erstens wegen der Überfremdung der Einheimischen. Zweitens müssen die Flüchtlinge Termine bei Ausländeramt, Arzt oder Deutschkursen wahrnehmen. Als Negativbeispiel nennt Schmid-Göller den 70-Einwohner-Ort Schöllnstein in Niederbayern. Dort leben rund 90 Flüchtlinge.

In Augsburg hat die Regierung in den letzten Monaten zwei neue Heime eröffnet, eines im Rosenau- und eines im Proviantbachviertel. Beide sind schon so gut wie voll. Da immer wieder Asylbewerber als Verfolgte anerkannt werden und ausziehen dürfen, gibt es laut Schmid-Göller für Neuankömmlinge noch Platz.

Über allem hängt aber drohend das Damoklesschwert Flak-Kaserne. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBG könne den Mietvertrag dort nicht noch einmal verlängern, sagte deren Chef Edgar Mathe auf Anfrage unserer Zeitung. Dies sei bereits einmal geschehen und es gebe einen Stadtratsbeschluss, demzufolge der Vertrag am 30. Juni endgültig abläuft. Das Bebauungsplanverfahren für das ehemalige Kasernenareal steht laut Mathe vor dem Abschluss. Es soll eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe entstehen; Investoren stehen vor der Tür.

Weiteres Sorgenkind ist die Unterkunft neben dem Polizeipräsidium an der Calmberg-/Ecke Gögginger Straße. Ihr baulicher Zustand gilt als miserabel. Der Stadtrat fordert die Schließung. Doch auch dort sind 140 Männer untergebracht. Für sie gibt es nirgends sonst Platz.

Aus Afrika und Afghanistan

WBG und Stadt haben ihre Immobilien durchforstet, um der Regierung zu helfen – ohne Erfolg. Augsburgs Sozialreferent Max Weinkamm bat eindringlich die Nachbarstädte um Unterstützung. Insgesamt leben in Schwaben zurzeit 1630 Asylbewerber. Diese kommen vor allem aus Somalia, Afghanistan, Irak und China, aber auch aus der Türkei.

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Ute Krogull

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