Kathrin Zaus ist empört. Als sie kürzlich mit ihrem acht Wochen alten Töchterchen Jerusha im Kaffeehaus Thalia einkehrte, durfte zwar das Baby mit rein. Der Kinderwagen sollte aber im Foyer stehen bleiben. Die Augsburgerin findet das "kinderunfreundlich". Franz Fischer, Geschäftsführer des Kinos mit Café, sieht die Sache anders. Kinder seien im Kaffeehaus stets willkommen, sagt er. Kinderwagen im Gastraum könnten aber zu gefährlichen Hindernissen werden.
Eigentlich sollte es für Kathrin Zaus und ihre Familie ein gemütlicher Mittag mit Kaffeetrinken werden. "Den Kinderwagen mit Baby haben wir ganz am Rand am Eingang neben unserem Stuhl abgestellt", schreibt sie unserer Zeitung. Doch dann kam es zu Diskussionen.
Nachdem der Kaffee serviert war, klärte das Personal die Familie auf, dass der Kinderwagen aus der Gaststube hinaus muss. Beim Servieren heißer Speisen und Getränke sei die Gefahr zu groß, dass etwas auf das Baby verschüttet werden könnte. Auch nähmen die Wagen viel Platz weg. Kathrin Zaus und ihre Mutter Christine Weißl-Striegel finden diese Argumente "fadenscheinig". Sie seien die einzige Familie mit Kinderwagen im Café gewesen.
Im Thalia war das nicht der einzige Vorfall in der letzten Zeit, bei dem es Probleme mit Eltern und Kindern gab. AZ-Leser Marc Pinther beklagt, dass einer hochschwangeren Mutter Hausverbot erteilt worden sei, weil sie ihre zweijährige Tochter auf einer Bank wickelte.
Franz Fischer vom Thalia hält den Vorwurf der Kinderfeindlichkeit jedoch für nicht gerechtfertigt. Er verweist darauf, dass es in Kaffeehäusern allgemein übliche Verhaltensregeln gebe. Diese "Kaffeehaus-Charta" sei nirgends niedergeschrieben. "Sie basiert hauptsächlich auf der gegenseitigen Rücksichtnahme und dem Respekt für den Mitmenschen", so Fischer.
Er macht geltend, dass sein Personal an alle Gäste denken muss. Kleinkinder auf Tischen und Bänken im Lokal zu wickeln, sei aus Gründen der Hygiene nicht möglich, insbesondere beim Essen. Laut Fischer können Babys im Thalia problemlos im Foyer vor dem Eingang zu den Toiletten oder auf dem Balkon gewickelt werden. So halte es auch eine Stillgruppe, die sich mittwochs im Kaffeehaus trifft.
Laut Fischer kann es auch gefährlich werden, wenn Kinderwagen in Lauf- und Fluchtwegen des Lokals abgestellt werden. "Das Foyer hat sich als Parkplatz bestens bewährt", sagt er. Herausnehmbare Schalen können auch ins Kaffeehaus mitgenommen werden. Wahlweise gibt es im Lokal spezielle Kinderstühle.
Fischers zitierte Benimm-Charta wird aber offenbar nicht in allen Augsburger Kaffeehäusern gleich ausgelegt. In einem anderen Café habe die Bedienung sogar geholfen, einen schweren Kinderwagen über die Stufen ins Lokal zu tragen, sagt Mutter Kathrin Zaus. (eva)
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