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17. November 2010 19:21 Uhr

Augsburg

Kö: Die zwei Seiten des Tunnels

Kurz vor dem Bürgerentscheid tauschten die beiden Lager noch einmal ihre Meinungen aus: Sie streiten nicht nur um eine Röhre. Von Marcus Bürzleund Michael Hörmann

Das AZ-Forum zum Kö-Tunnel.

Tunnel ja oder nein? Das ist die wesentliche Frage beim Bürgerentscheid zum Königsplatz. Beim "AZ Forum live" am Dienstagabend im Barbarasaal zeigte sich in der Diskussion schnell, dass es nicht nur um ein Tunnelbauwerk geht. Millionenzuschüsse für Augsburg stehen auf dem Spiel, die städtebauliche Entwicklung wird hinterfragt und es wird die Sorge geäußert, dass in der City ein Verkehrschaos droht.

In der von Jürgen Marks, Mitglied der Chefredaktion der Augsburger Allgemeinen, und Alfred Schmidt, Leiter der Lokalredaktion Augsburg-Stadt, moderierten Runde bezogen OB Kurt Gribl und Baureferent Gerd Merkle als Tunnelgegner sowie Erika Still-Hackel und Volker Schafitel als Tunnelbefürworter Stellung. Aufgeteilt war die Diskussion in vier Themenblöcke.

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Tunnel ja oder nein - warum haben sich Meinungen geändert?

OB Kurt Gribl, der noch 2007 beim damaligen Bürgerentscheid zum Kö für einen Tunnel warb, betonte, "dass ich klüger geworden bin". Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs, der durch den Bürgerentscheid ausgelöst wurde, hätten ihn überzeugt. 17 Preisrichter hätten sich gegen eine Tunnellösung ausgesprochen, das Konzept vom autofreien Kö, wie ihn das siegreiche Architektenbüro präsentiert habe, sei überzeugend. Der Stadtrat habe einstimmig entschieden, das Konzept umzusetzen und weiter zu entwickeln. Erika Still-Hackel sieht keinen Grund, von ihrer früheren Position abzurücken. Als CSU-Mitglied habe sie 2007 für den Slogan "Tunnel statt Chaos" geworben, diese Aussage gelte für sie auch heute noch - im Gegensatz zu ihrem Parteifreund Gribl. Schafitel, der lange einen Tunnel abgelehnt hatte, begründete sein Umdenken so: Eine untaugliche Verkehrslösung werde von der Stadt durchgedrückt, alternative Verkehrsführungen seien nie ernsthaft geprüft worden: "Daher ist ein Tunnel der richtige Weg." Referent Merkle sieht im Tunnel keine Lösung: "Wir wollen die Stadt zukunftsfähig machen. Ohne Tunnel."

Wie sicher sind die Fördermittel?

Die Mobilitätsdrehscheibe kostet insgesamt 250 Millionen Euro, davon fließen 160 Millionen aus staatlichen Zuschüssen. Den Rest teilen sich Bahn, Stadtwerke und Stadt. Merkle unterstrich, dass die Fördermittel gefährdet seien, wenn der Tunnel am Kö komme. Es gebe zeitliche Verschiebungen, die den Bahnhofsumbau nicht mehr fristgerecht (bis Ende 2019) fertig werden lassen. Still-Hackel bezweifelte diese zeitlichen Aussagen. Nach ihren Worten dauert der Bahnhofsumbau vier Jahre, der Kö-Tunnel könnte in eineinhalb Jahren fertiggestellt sein: "Wir verlieren nichts."

Gribl unterstrich die Bedeutung der Mobilitätsdrehscheibe für den Wirtschaftsraum Augsburg: "Wir investieren jetzt in die Zukunft." Das Verkehrsprojekt, das sicherlich viel Geld koste, sei "zeitgemäß". Im Übrigen stimme es nicht, dass der Kö-Tunnel in eineinhalb Jahren gebaut werden könne. Gribl sprach hier von drei Jahren. Schafitel konterte: Er hielt dem OB vor, "dass Sie den Bürgern Angst machen". Staatliche Fördermittel seien auch über 2019 abrufbar, behauptete Schafitel.

Tunnel oder Boulevard - was ist städtebaulich besser?

Das Geld ist das eine - die Optik das andere. Während die Architekten-Initiative Augsburg den Tunnel eine "städtebauliche Todsünde" nannte, verteidigte Volker Schafitel - auch Architekt - die Pläne: "Mir ist ein Tunnel lieber als ein Stau vom Kaiserhof bis zum Klinkerberg." Es müsse eben ein "schöner Tunnel" gebaut werden. Er beklagte, dass nach den Plänen der Stadt 166 Bäume gefällt würden.

Gribl entgegnete, dass der Park am Kö zu zwei Dritteln erhalten werde. Laut Baureferent Merkle werden in der Fuggerstraße neue Bäume gepflanzt. Die Pläne der Stadt sehen einen Fugger-Boulevard mit einer zweireihigen Baumallee vor. "Es geht darum, die Stadt zu gestalten", sagte Gribl. Erika Still-Hackel nannte den Boulevard einen Traum: "Was gibt es da zum Schlendern?", sagte sie mit Blick auf die Fuggerstraße.

Wie gelingt die optimale City-Mobilität?

Schafitel und Still-Hackel fürchten, dass es ohne einen Tunnel an der Kaiserhofkreuzung zum Dauerstau kommt. Gribl konterte: "Ich war kritisch, habe mich aber überzeugen lassen." Berechnungen zeigten: "Es geht." Gribl erwartet, dass der Durchgangsverkehr künftig nicht mehr durch die Innenstadt fährt. Er verteidigte die "Entlastungsstraße" über den Kö, über deren Öffnung der Stadtrat entscheide.

Erika Still-Hackel beklagte, dass der autofreie Königsplatz die Stadt "zweiteilt". Heute sei es schon schwierig, vom Rathaus zu St. Ulrich zu kommen, das gleiche gelte künftig auch für den Kö: "Ich denke, der Tunnel wäre eine einfache Lösung - auch mit Blick auf den Handel."

Beide Seiten waren sich aber auch einig: Sie baten die Augsburger, am Sonntag zur Abstimmung zu gehen. Von Marcus Bürzle und Michael Hörmann

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