Was macht man ohne einen Fernseher? Ein Buch schreiben. Das hat zumindest Willibald Spatz getan. Als Lehrer nahm er eine Vetretungsstelle in Kempten an, die Familie konnte er nur am Wochenende sehen. Das bedeutete viel Freizeit für den heute 33-Jährigen. Zeit, die er für seine Aufzeichnungen nutzte. Von Miriam Zissler
Die Inspiration war naheliegend. Die Schule, an die es den Agawanger verschlug, war die Schule, an der auch der erfolgreiche Allgäukrimi-Autor Michael Kobr gearbeitet hatte. "Er war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dort", sagt Willibald Spatz zwar, aber es färbte wohl dennoch ab. Und dann wieder doch nicht. Denn seine Hauptfigur, den Polizisten Birne, hat er aus München mitgebracht. Dort hat Spatz Teile seines Studiums absolviert. In Würzburg studierte er Biologie und Chemie auf Lehramt. In München folgte das Aufbaustudium Kulturjournalismus.
Das Theater war der Ursprung seines kreativen Schaffens: 1999 begann er, Stücke zu schreiben. Eines nach dem anderen brachte er auf die Bühne - in München riss die Serie ab. "Es war einfach nicht möglich, einen günstigen Proberaum zu finden", sagt er. Er suchte sich einen anderen Weg und wurde bei der Süddeutschen Zeitung fündig. Nach einem Praktikum im Ressort Münchner Kultur schrieb er als freier Mitarbeiter weiter, vor allem Nachtkritiken von Theateraufführungen. Und schon damals wurde Birne Bestandteil seines Lebens. Eine Figur, an der er arbeitete, die er formte, die sich in seinen Aufzeichnungen weiterentwickelte. Laut Spatz gibt es eine nicht veröffentlichte Erzählung, wie es Birne nach Kempten verschlägt.
Der Kreis schloss sich. Für den Autor, der in dem halben Jahr in Kempten seinen ersten Kriminalroman "Alpendöner" niederschrieb. Für den Leser, der autobiografische Züge vermutet. Damit konfrontiert, beginnt Willibald Spatz zu lächeln, die Frage scheint ihm nicht das erste Mal gestellt worden zu sein, er braucht dennoch eine Weile, bis er eine Antwort findet. "Es stimmt. Birne kommt im Allgäu an und muss sich neu zurechtfinden. In dieser Phase gibt es sicherlich Parallelen."
Aber mit jeder Seite des Krimis würden sich Birne und er auseinanderbewegen, bis er schließlich im gerade erst erschienenen zweiten Teil "Alpenlust" ein komplett eigenständiger Typ sei. Bekannte sprechen ihn immer wieder auf Textpassagen an, wo sie Situationen und Personen wiederfinden, die sie meinten, bereits einmal erlebt oder gekannt zu haben. "Manchmal baue ich Erlebtes ein und verfremde es, manchmal mache ich das unterbewusst", so der Lehrer, der inzwischen am Augsburger Stetten-Institut unterrichtet.
Erst zwei Jahre später wird das Buch "Alpendöner" veröffentlicht - ein Erfolg. Über 20 000 Mal wird der Krimi verkauft. Kurze Zeit später der zweite Teil. Spatz: "Den musste ich nur noch aus der Schublade ziehen." Ob es wieder solch ein Verkaufsschlager wird, das wisse er nicht. Schließlich ermittelt nun Birne auch nicht mehr im Allgäu, sondern ist auch nach Augsburg umgezogen. "Mein Verlag meinte, dass sich das Allgäu wahrscheinlich besser verkaufen lässt. Das kommt einfach derzeit sehr gut an." Man wird sehen, ob der Verlag recht behält.
Trotz des Erfolgs habe sich in seinem Leben nicht allzu viel geändert, sagt der Autor. Mit seiner Frau Elisa und seinen beiden Kindern Laura (3) und Willibald (2) lebt er in Dinkelscherben. Während der Schulzeit geht er seiner Arbeit als Lehrer nach, in den Ferien liest er ab und zu aus seinen Werken vor. "Das ist aber eher eine Ausnahme", betont Spatz. Und das Schreiben? Ideen, gebe es viele, sagt er. Spatz: "Vielleicht werde ich mir dann einfach mal einen anderen Helden ausdenken."
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