Dienstag, 12. Dezember 2017

20. Mai 2015 14:30 Uhr

Augsburg-Stadt

Kommissar Conrad spürt Verbrecher auf

Wer zur Polizei-Hundestaffel will, lässt sich auf ein Leben mit den Tieren ein. Tier und Führer sind 24 Stunden am Tag zusammen. Dafür hat der Schäferhund von Claus Bock sogar dabei geholfen, den Polizistenmord aufzuklären

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Conrad, acht Jahre alt, ist ein erfolgreicher Ermittler bei der Augsburger Polizei. Er hat dazu beitragen, dass der Polizistenmord in Augsburg im Jahr 2011 aufgeklärt wurde. Mit seiner Nase spürte er in der Nähe des Tatorts im Siebentischwald ein Helmvisier und eine Pistole auf. Auf dem Visier war der genetische Fingerabdruck von Raimund M. – einem der beiden inzwischen verurteilten Mörder des Polizisten.

Conrad ist ein Deutscher Schäferhund, seit sechs Jahren ist er Diensthund bei der Hundestaffel des Polizeipräsidiums Augsburg. An diesem Vormittag hat der Hund gerade keinen Einsatz. Claus Bock trainiert mit ihm auf dem Übungsgelände der Staffel in Königsbrunn. Der Hauptkommissar ist Conrads Herrchen, bei der Polizei heißt es Diensthundeführer. Die beiden sind seit Langem ein gutes Team. Claus Bock hat den Schäferhund bekommen, als das Tier fünfeinhalb Monate alt war. Er hat Conrad mit viel Mühe ausgebildet, bis der Hund vor sechs Jahren zu seinem ersten Einsatz durfte.

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Wer wie Claus Bock bei der Polizei Diensthundeführer werden will, darf das nicht als normale Arbeit sehen. Die Männer und Frauen der Hundestaffel leben mit ihren Hunden. Sie nehmen die Hunde mit nach Hause, fahren mit ihnen auch in den Urlaub. „Nur so kann man eine enge Beziehung zu seinem Tier aufbauen“, sagt Claus Bock. Polizist und Hund müssen sich blind vertrauen. Schließlich sind die Einsätze bei der Polizei oft nicht gerade harmlos.

Die Hundeführer werden häufig alarmiert, wenn Polizeibeamte einen aggressiven Täter festnehmen müssen. Die kräftigen, bellenden Schäferhunde flößen in den meisten Fällen auch noch jenen Respekt ein, die vor Wut völlig außer Rand und Band geraten sind. Bei solchen Einsätzen ist die Atmosphäre oft laut, chaotisch, aggressiv. Es ist eine Kunst, den Hund so auszubilden, dass er sich davon nicht beeindrucken lässt. Polizeihund Conrad muss auch in solchen Situationen genau das tun, was Claus Bock im vorgibt. Das Tier muss mitunter auch zubeißen, wenn es nötig ist – und kurz danach schon wieder ruhig bei seinem Hundeführer stehen.

Hauptkommissar Bock zeigt an diesem Vormittag, wie das geht. Ein Kollege, Michael Wiedemann, zieht sich einen massiven Schutzanzug an. Auf Kommando läuft Conrad auf den Mann zu und beißt ihm ihn den Oberarm. Der Biss ist stark, trotz des Schutzes bekommen die Beamten mitunter blaue Flecke davon. Bei der Augsburger Hundestaffel werden alle Hunde als sogenannte Schutzhunde ausgebildet. Sie lernen dabei, eine Person zu stellen und nach Tatwerkzeugen und Personen zu stöbern. Zusätzlich haben die Hunde noch eine Spezialausbildung. Conrad ist ein Experte für das Aufspüren von Leichen.

Die Nase der Hunde arbeitet um ein vielfaches genauer als die des Menschen. Ein Mensch besitzt ungefähr fünf Millionen Riechzellen, ein Schäferhund dagegen etwa 220 Millionen. Bei der Hundestaffel gibt es Spürhunde für Rauschgift und Geld, Sprengstoff, Brandbeschleuniger und Personen. Den Tieren reichen einzelne Moleküle, um eine Spur aufzunehmen. Eine minimale Menge Benzin in einer zehntausend Quadratmeter großen, ausgebrannten Halle – ein Diensthund kann das noch aufspüren.

Die Hundeführer nutzen dabei den Spieltrieb der Tiere. Gleichzeitig vermitteln sie den Hunden klare Regeln. Der Sprengstoff-Spürhund darf eine mögliche Bombe nur aufspüren – dann muss er ganz ruhig davor liegen bleiben. Das ist enorm wichtig: Die Bombe soll nicht explodieren, weil der Hund sie packt. Die Belohnung fällt erst einmal recht mager aus. Wenn Schäferhund Conrad eine Aufgabe mit Erfolg gemeistert hat, bekommt er dafür kein Leckerli. Das wäre bei Einsätzen auch viel zu umständlich. Gerade hat Conrad das Handy eines Kollegen aufgespürt. Claus Bock drückt auf den sogenannten Klicker. Das kleine Gerät ist nur dazu da, ein Klickgeräusch zu erzeugen. Damit weiß Conrad, dass er seine Sache gut gemacht hat. Die richtige Belohnung folgt nach Einsatz oder Training – es ist das Spielen.

Im Bereich des Polizeipräsidiums gibt es 25 Hundeführer. 21 sind in Königsbrunn stationiert, vier Hundeführer arbeiten in Nordschwaben. Die Hundeführer schauen sich oft selbst nach einem Hund um, der geeignet sein könnte für den Polizeidienst. „Wenn ein Kollege schon einen Diensthund hat, zieht er oft einen nach“, sagt Alois Bäurle, der Chef der Hundestaffel. Bis zu zehn Jahre sind die Diensthunde aktiv. Später dürfen sie ihren „Ruhestand“ in aller Regel weiter bei ihrem Herrchen verbringen. Conrad ist Claus Bocks dritter Diensthund. Als Claus Bock sechs Jahre alt war, hat er seinen ersten Schäferhund bekommen. Sein erster Diensthund starb in seinem Schoß. Ein Leben ohne Hund, das kann sich der Polizist nicht vorstellen.

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