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Ausstellung: Kopf und Schöpfung

Ausstellung

Kopf und Schöpfung

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    Der Schweizer Künstler Kaspar Toggenburger vor einer Wand mit Zeichnungen auf seinen „Skizzenketten“ im Holbeinhaus.
    Der Schweizer Künstler Kaspar Toggenburger vor einer Wand mit Zeichnungen auf seinen „Skizzenketten“ im Holbeinhaus. Foto: Wolfgang Diekamp

    Ob Holzschnitt, Malerei, Zeichnung, Fotografie, Leuchtkästen oder Skulptur – in allen künstlerischen Techniken und Ausdrucksformen kreist das Schaffen des Schweizers Kaspar Toggenburger um ein zentrales Motiv: den menschlichen Kopf. Der Kunstverein Augsburg macht nun in einer „Sequenzen“ betitelten, bemerkenswerten Ausstellung mit dem 1960 in St. Gallen geborenen Künstler bekannt, der zuletzt 2009 im Ludwig-Hack-Museum in Ludwigshafen mit einer Einzelschau gewürdigt worden war.

    Toggenburger arbeitet in seinen Werkgruppen fast immer in Serien und Reihungen. Es ist verblüffend zu sehen, dass sich das Motiv des Kopfes – als wichtigste Quelle dafür nennt Toggenburger die Geschichte von Salome des geköpften Johannes des Täufers und das Bild „Eifersucht“ von Edvard Munch – nicht abnutzt, sondern sich in der intensiven künstlerischen Befragung als unerschöpfliches Thema erweist. Das Drama der menschlichen Existenz, Verletzlichkeit und Tod sind dabei als Grundierung immer gegenwärtig.

    Besonders anschaulich wird dieses Prinzip in den Zeichnungen, die Kaspar Toggenburger als „Skizzenkette“ von jeweils sieben aneinanderhängenden Blättern im DIN-A4-Format anlegt. 36 dieser „Skizzenketten“, die der Künstler als „Basis“ seiner Arbeit bezeichnet, füllen die Wände im großen Raum im Erdgeschoss des Holbeinhauses – insgesamt also 252 Zeichnungen! In jeder einzelnen Sequenz von sieben Papieren lässt sich nachvollziehen, wie der Künstler von einem Ausgangsbild (das kann eine alltägliche Fotografie oder ein Motiv aus der Kunstgeschichte sein) sich anregen lässt, um dann formal, inhaltlich und auch sprunghaft eine Art Erzählung zu entwickeln, die voller Überraschungen ist.

    Das ist spielerisch, variantenreich und auch humorvoll. Es funktioniert über Addition und Reduktion, über Formentransfers und Improvisation. In jedem Bild stecken andere Bilder – mal offensichtlich, mal verborgen. Kopf, Figur, Akt sind dominierend – doch das Spektrum des in einem Kunsthistorikerhaushalt aufgewachsenen Schweizers ist weit. Man spürt, wie groß der Bilderkosmos ist, aus dem Kaspar Toggenburger schöpft. Besonders die mittelalterliche Kunst, mythologische Stoffe und die christliche Ikonografie haben ihn geprägt. Die zeichnerischen Verwandlungen entstehen aus einem Prozess des Suchens und Findens.

    Holbein im Holzschnitt

    Eine der Skizzenketten basiert auf einem Foto, das Toggenburger im römischen Museum in Augsburg gemacht hat. Es ist nicht der einzige Bezug zum Ausstellungsort. An der Stelle des Geburtshauses von Hans Holbein d. Jüngeren zeigt Toggenburger auch seinen starken Holzschnitt nach dessen berühmtem Gemälde des Leichnams Christi aus dem Jahr 1521, das im Kunstmuseum Basel hängt.

    Kaspar Toggenburger, der in St. Gallen, Paris und in Düsseldorf (dort bei A.R. Penck) studierte und dem Expressionismus nicht nur durch seine Liebe zum Holzschnitt nahesteht, ist ein technisch kreativer und sehr vielseitiger Künstler. Seine Holzschnitte, die er unter anderem mit Kugelschreiber und Zahnarztbohrer fertigt, zeigen fließende Linien und feine Zeichnung. Wie eine Partitur aus Schlaufen reihen sich auf Umrisse reduzierte Kopfformen (die ein Kritiker einmal als „Gesichter ohne Gesichter“ bezeichnet hat) nebeneinander. Toggenburger baut aus seinen Holzdruckstöcken auch Lichtkästen.

    Licht ist ein bedeutendes Element in seiner Kunst. Toggenburger hat Lichtraster, die er auf Dialfilm kratzte, auf Fotos projiziert; er hat mit Sprayfarbe Köpfe auf die Glasschirme von Wandlampen gemalt, die nun gleichsam von innen herausleuchten. Eine Installation mit dem Titel „Lichtköpfe“ zeigt auf schwarzem Boden liegende Häupter, die wie bandagiert wirken, in denen Neonröhren stecken. Totenköpfe? Schädel, die ein Eigenleben führen? Ahnen wir Wiederauferstehung oder langsames Erlöschen?

    Laufzeit bis 8. Juli. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11–17 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr. Führungen mit der Kuratorin Renate Miller-Gruber 23. Mai (18 Uhr) und 23. Juni (14 Uhr).

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