Sonntag, 26. Mai 2013

19. August 2008 22:25 Uhr

Kostbarkeiten aus Sperrmüll

Etwas abseits versteckt, auf einem geräumigen Grundstück bei der AKS, ist das Reich von Sabine Geitner. In dem alten, heruntergekommenen Haus in der Provinostraße 37 stehen Möbel jeglichen Stils. Vom kräftig-blauen, mit Sternenhimmel bemalten Bett, von der dunklen Kommode mit Marmorimitat über massive, große Schränke aus dem 18. Jahrhundert bis zu schrillen Lampen im Stil der 60er reichen die Einzelstücke.

Sie stammen aus Wohnungsauflösungen - meist über den Verein Contact. Mit Hartz-IV-Empfängern, die hier einen Ein-Euro-Job antreten, richtet Geitner die teils stark beschädigten Möbel wieder her und verkauft sie. "Viele davon wären auf dem Sperrmüll gelandet", sagt die studierte Kunstpädagogin wehmütig. Ausgegangen ist die Projekt-Idee denn auch vom Landesamt für Umweltschutz, das an "Möbel-Recycling" interessiert ist. "Aus den Stücken kann man viel herausholen", sagt Geitner, die sich ihre Kenntnisse selbst angeeignet hat, schon als Studentin mit historischen, selbst aufgepeppten Möbeln lebte.

"Vieles, gerade das Malen, habe ich auch bei einem Restaurator gelernt", sagt sie. Jetzt bringt sie anderen bei, wie man Küchenbüfetts oder dunkelholzige Kommoden, von denen der Lack abplatzt, Beine oder Leisten fehlen, wieder auf Vordermann bringt. Zwischen 50 Euro für einen neu bezogenen Stuhl (in Zusammenarbeit mit einem Polsterer) bis zu 500 Euro für einen aufwendig restaurierten und nach historischer Art mit selbst zusammengemischten Acrylfarben bemalten Kleiderschrank muss man rechnen.

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"Die Möbel bekommen wir oft geschenkt", so Geitner. Aber Kunden können sich auch eigene Teile herrichten oder neu gestalten lassen.

Anatol Diesendorf gehört zu denen, die derzeit im Projekt arbeiten. Der 58-Jährige ist noch bis Februar dabei. "Ich habe vor eineinhalb Jahren durch verschiedene Probleme, familiär und gesundheitlich, meine Arbeit verloren", erzählt er. "Ich bin froh, dass ich hier sein kann. Wenn ich nichts tue, werde ich verrückt", so der gelernte Schlosser.

Dass den Menschen die Arbeit dort im Allgemeinen hilft, hat auch Geitner beobachtet.

"Natürlich gibt es hin und wieder Probleme, doch die meisten profitieren davon, wenn sie die Ergebnisse ihres Einsatzes sehen." Liebevoll wird jedes Stück in einem Fotoalbum abgelichtet.

Der Verein Contact, der mit dem Verkauf von Gebrauchtwaren Menschen mit geringem Einkommen unterstützt, setzte sich für das Projekt ein. Es ist bis 2015 geplant.

Ob das Team immer an der Provinostraße bleiben kann, ist allerdings ungewiss. Denn für das neue AKS-Gelände soll das Haus abgerissen werden. "Es wird schwer, dann so geeignete Räume zu finden - aber das ist der Preis für so geringe Mieten."

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