Dienstag, 17. Oktober 2017

26. Februar 2014 11:32 Uhr

Verkehr

Krieg auf dem Asphalt?

Viele Autos, immer mehr Radfahrer: Auf den Straßen der Stadt wird es in den nächsten Jahren eng. Experten arbeiten daran, alle Verkehrsmittel besser zu vernetzen. Klar ist: Es geht nur mit mehr Miteinander.

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Es wird eng auf den Straßen: In der Stadt sind sich alle einig, dass in den nächsten Jahren die Situation vor allem für Radfahrer verbessert werden muss.
Foto: Silvio Wyszengrad

Es klang nach Krieg. Als Anfang Februar die Bürger mitreden durften, wie Augsburg fahrradfreundlicher werden könnte, zeichneten sie kein gutes Bild von der aktuellen Situation. Vor allem die Innenstadt kam schlecht weg. „Der Horror“, lautete der Kommentar eines Radfahrers. Als „Katastrophe“ bezeichnete eine Frau das Miteinander von Radlern und Autofahrern. Ist es so schlimm?

Blickt man auf die nüchternen Zahlen der Polizei, dann sieht es nicht so aus, als ob die Lage eskalieren würde. Nach einem drastischen Anstieg der Fahrradunfälle im Jahr 2011 zeigt der Trend seither wieder nach unten. Auch die Zahl der verletzten Radfahrer geht leicht zurück. Und das, obwohl es auf den Straßen der Stadt immer enger wird. „Die Zahl der Autos bleibt hoch und das Radfahren kommt immer mehr in Mode“, sagt Werner Strößner, der Vizepräsident des Polizeipräsidiums. Er deutet die sinkenden Unfallzahlen als Zeichen, dass Aufklärungskampagnen wirken. Zuletzt hatte die Polizei vor allem Radfahrer, die in die falsche Richtung fahren, ins Visier genommen. Auch die Zahl dieser sogenannten Geisterradler geht seither zurück.

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Dass es trotzdem viel zu tun gibt, um das Mit- und Nebeneinander von Autofahrern und Radlern zu verbessern, darüber herrscht in der Stadt über Parteigrenzen hinweg Konsens. Die Stadt hat deshalb zusammen mit dem Fahrradclub ADFC das Projekt „Fahrradstadt 2020“ ins Leben gerufen. Bislang haben die Radfahrer in Augsburg einen Anteil am Verkehr von 15 bis 17 Prozent – je nach Studie. Das ist schon jetzt mehr als im bayerischen Durchschnitt. Doch als Ziel hat der Stadtrat beschlossen, den Anteil der Radler am Verkehr auf 25 Prozent bis zum Jahr 2020 zu steigern. Der Verkehrsplaner Ralf Kaulen, der das Projekt begleitet, nennt dieses Ziel „sportlich, aber erreichbar“.

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren begonnen, mehr in Radwege zu investieren. Die Ost-West-Radachse durch das Stadtzentrum war lange in der Debatte. Inzwischen ist sie teilweise gebaut – und soll, trotz knapper Finanzen, auch in absehbarer Zeit fertig werden. Der Ausbau der Straßen bedeutet aber nicht, dass Autofahrer und Radler künftig seltener Kompromisse eingehen müssen, weil sie auf unterschiedlichen Strecken unterwegs sind.

Das Gegenteil ist der Fall: Während Verkehrsplaner für viel befahrene Bereiche eigene Spuren und Wege für Radler vorsehen, geht der Trend bei nicht ganz so stark frequentieren Straßen in die andere Richtung. Vor allem in Wohnvierteln werden Straßen so geplant, dass Autofahrer, Radler und auch die Fußgänger gleichberechtigt sein sollen. Für die Autofahrer bedeutet das zwangsläufig: Sie müssen langsamer fahren als bisher.

Die Stadtwerke verleihen inzwischen auch Fahrräder

Verkehrsplaner sehen zudem in einer besseren Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel die Zukunft. Die Stadtwerke arbeiten daran: Sie betreiben derzeit 17 Fahrradstationen in Augsburg, an denen insgesamt rund 130 Räder bereitstehen. Viele sind neben einer Straßenbahnhaltestelle. Wer ein Rad leihen will, muss sich vorher registrieren. Und das Autofahren? Das hat nach wie vor eine hohe Bedeutung. Unklar ist aber, wie lange noch. Es hängt wohl auch davon ab, ob sich etwa Elektroautos durchsetzen – bisher gibt es davon in der Stadt keine 300 Exemplare. Verschwindend wenige im Vergleich zu rund 120 000 Autos, die Kraftstoff schlucken. Der Handel klagt, dass die Innenstadt durch viele Baustellen in den vergangenen Jahren für Autofahrer abschreckend wirkte. Ob sich künftig wieder mehr Kunden mit Auto in die Stadt wagen, sei schwer abzuschätzen.

Auch beim Auto gibt es aber den Trend zu mehr Miteinander. Weil es in Augsburg im Jahr 2001 noch keinen Anbieter für Carsharing gab, nahmen es einige Augsburger selbst in die Hand – sie gründeten einen Verein mit dem Namen „Beianrufauto“. Der hat heute einige Dutzend Mitglieder, die sich mehrere Autos teilen. Krieg auf der Straße – das war gestern.

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Augsburg | Polizei | ADFC

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